Oberbürgermeister Walter Heiler ist zufrieden mit der Ernennung Waghäusels zur Großen Kreisstadt vor fünf Jahren. Größere Bürgernähe sei entstanden, so seine Bilanz.
Oberbürgermeister Walter Heiler ist zufrieden mit der Ernennung Waghäusels zur Großen Kreisstadt vor fünf Jahren. Größere Bürgernähe sei entstanden, so seine Bilanz. | Foto: leja

Fünf Jahre Große Kreisstadt

Waghäusels OB zieht positive Bilanz

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Walter Heiler ist zufrieden: Seit fünf Jahren ist Waghäusel inzwischen schon Große Kreisstadt, und der Oberbürgermeister sagt: „Dieser Schritt hat sich absolut gelohnt.“ Was er sich erhofft habe, sei eingetreten – größere Bürgernähe bei keinerlei negativen Auswirkungen auf die städtischen Finanzen.

Am 1. September 2013 beim Stadtfest bekam damals noch Bürgermeister Heiler die Ernennungsurkunde von Reinhold Gall, seinerzeit baden-württembergischer Innenminister. Am Wochenende können die Waghäuseler wiederum beim Stadtfest auf das Fünfjährige der Großen Kreisstadt anstoßen.

Aufgaben vom Landkreis übernommen

Mit dem neuen Rang übernahm die Stadtverwaltung Aufgaben des Landkreises Karlsruhe als untere Verwaltungsbehörde: Straßenverkehrsbehörde, Ausländerbehörde, Waffenbehörde, Wohngeldstelle und Bußgeldstelle gibt es nun in Waghäusel. Und die Stadt hat seither eine eigene Baurechtsabteilung. Häuslebauer, die sich zum Beispiel für das neue Baugebiet in Wiesental im Oberspeyerer Feld interessieren, müssen sich nicht mehr mit ihren Anfragen und Anträgen an das Landratsamt in Karlsruhe wenden, sondern können direkt ins Rathaus gehen. „Wir sind jetzt näher an unseren Leuten dran“, so Heiler.

Neue Wahrnehmung

Der Status Große Kreisstadt bedeutet nicht nur mehr Bürgernähe, sondern auch ein Stück Emanzipation vom Landkreis. „Aber damit wächst natürlich auch die Verantwortung.“ Bei manchem sorgt dieser „Titel“ indes für eine veränderte Wahrnehmung: „Aus der Wirtschaft bekomme ich Rückmeldungen, dass die Ansiedelung in einer Großen Kreisstadt als attraktiver wahrgenommen wird.“

Hat dann auch Waghäusel an Strahlkraft auf die Umlandgemeinden gewonnen? Heiler sagt dazu einerseits, dass Waghäusel keinen Führungsanspruch habe, andererseits verweist er auf die vorhandene Infrastruktur, die seine Kommune bieten kann, auf Gewerbeansiedlungen und den Ausbau von Kita-Plätzen. „Natürlich sind das wichtige Standortfaktoren.“

Mehr Einnahmen als Personalausgaben

Die Aufgaben einer Großen Kreisstadt machten mehr Personal erforderlich (sieben Stellen im Ordnungsamt und vier im Baurechtsamt), doch der OB betont: „Beispielsweise beim Baurechtsamt lagen die Einnahmen 2017 um mehr als 80 000 Euro höher als die Personalausgaben.“ Aus dem Finanzausgleichstopf bekommt Waghäusel zudem jährlich pro Einwohner 8,59 Euro, bei aktuell 21 642 Bürgern sind das rund 186 000 Euro. Eine Summe, die die Stadt früher nicht zur Verfügung hatte. Auch die Pro-Kopf-Verschuldung habe sich nicht verschlechtert, dafür sei es gelungen zwischen 2013 und 2017 mehr Rücklagen zu bilden.

Bildung und Integration sind „Dauerbrenner“

Die Arbeit der Verwaltung wurde vielfältiger in den vergangenen fünf Jahre, gesellschaftliche Entwicklungen geben thematische Schwerpunkte vor. Für Waghäusel sieht Heiler perspektivisch Bildung und Integration als Dauerbrenner, aber auch die Belebung der Ortskerne und Straßensanierungen. Die Auseinandersetzung mit Visionen für die Stadt wie der Wohn- und Gewerbepark bei der Eremitage, in einem Vorschlag mit innovativen Wohnsilos statt Zuckersilos geplant, gehörten zu den besonderen Aufgaben eines Oberbürgermeisters.

Mit dem Überschreiten der 20. 000-Einwohner-Marke 2005 wurde es Waghäusel möglich, Große Kreisstadt zu werden. 2008 folgte die Mehrheitsentscheidung im Gemeinderat, 2013 gab die Landesregierung grünes Licht. Waghäusel ist die 93. Große Kreisstadt in Baden-Württemberg und die sechste im Landkreis Karlsruhe (neben Bruchsal, Bretten, Ettlingen, Stutensee und Rheinstetten).