"Hexenkessel"-Unfall
Auch der zweite Tag hat aber kaum mehr als Schlussfolgerungen erbracht – und keine Identifikation. | Foto: Christoph Schmidt

Hexenkessel-Prozess zieht sich

War es der Mann im Pelz?

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Spannend wurde es am Mittwochnachmittag beim Hexenkesselprozess vor dem Amtsgericht Heilbronn.  Eine Zeugenaussage sorgte für Überraschung.

Seit Montag wird der Vorfall vom 3. Februar beim Nachtumzug in Eppingen verhandelt: Eine 18-Jährige Zuschauerin aus Rheinstetten war schwer verbrüht und fürs Leben gezeichnet worden, als sie über einen Kessel heißen Wassers gehalten wurde und wohl entglitt. Die Anklage wirft dem 33-Jährigen fahrlässige Körperverletzung vor. Es drohen bis zu drei Jahre oder Geldstrafe.

Schlussfolgerungen – kaum mehr

Die akribischen Befragungen gestalteten sich zäh und so wird, mindestens, ein dritter Tag benötigt am 21. Dezember. Auch der zweite Tag hat aber kaum mehr als Schlussfolgerungen erbracht – und keine Identifikation. Laut einem von drei Polizisten stand unter den vier Männern am Kessel einer im Pelzmantel mit Maske. Der Angeklagte habe einen Fellmantel getragen.

Ein Mann im Pelz hat laut mehreren Zeugen die junge Frau hochgehoben. Ein zweiter soll den Deckel gelüftet haben und ihre Beine umfasst und sie angehoben haben. Laut dem Beamten habe der Angeklagte Handschuhe getragen, um den heißen Deckel zu heben. Schlussfolgerung: Wenn es nur einen Mann im Pelz in der Gruppe gab, war er der Täter? Oder doch womöglich Hexen anderer Gruppen, auch im Pelz? Aber hätten die Bahnbrücker Fremde an ihren Kessel gelassen oder haben sie das gefährliche Gefäß unbeaufsichtigt gelassen?

Näher kam man einem Beweis auch nicht mit den Erinnerungen der am Montag noch für wichtig erachteten 26-jährigen Zeugin, trotz aller Details.

Waren es die Freunde selbst?

Am Nachmittag aber sorgte der Verteidiger des 33-Jährigen für gesteigerte Aufmerksamkeit, als er einer Rettungssanitäterin ihr polizeiliches Vernehmungsprotokoll vorhielt. Besorgte und wütende Freunde hätten die Geschädigte umringt, als sie mit Schmerzen am Boden lag. „Wir zeigen die an“, sollen sie gerufen haben. Und weiter: „Die hätten uns sagen müssen, dass da echt heißes Wasser drin ist.“ Die Sanitäterin bestätigte dies. Sie blieb indessen die einzige, obwohl weitere Zeugen nach solchen Rufen gefragt wurden. Der Verteidiger: Es können auch die Freunde selbst gewesen sein – ein schlimmer Unfall also?

Charakterschwach

Die Zeugen, die wie der Angeklagte Angehörige der inzwischen aufgelösten Bohbrigga Hexenbroda waren, Narren mit Hexenmasken aus Kraichtal-Bahnbrücken, stimmten auffallend überein, erst am Tag darauf vom Vorfall gehört zu haben. Dem widersprach ein Zeuge vehement, der ihre Verfolgung sofort aufgenommen hatte und sie gestellt hatte. Er habe sie mit dem Geschehen konfrontiert. Sie alle hätten es gewusst.

Der Hexenzunftmeister als Mitveranstalter und ein Vertreter des Ordnungsamtes Eppingen hatte die Gruppe weder beim Abschreiten der Strecke noch bei der Aufstellung wahrgenommen. Kamen sie absichtlich zu spät? Ein älterer Polizist sagte: „Dass niemand etwas mitbekommen haben will … mag heute so dargestellt werden. “ Und: „Dass sie so charakterschwach sind und nicht … die Verantwortung … übernehmen…“ Für den 21. Dezember sind die Plädoyers geplant. Ob es zum Urteil kommt, ist noch offen.