Christopher Moll, erster Polizeihauptkommissar und Leiter Führungsgruppe im Polizeirevier Philippsburg, koordiniert seit über 20 Jahren Faschings-Aktivitäten in der Region. | Foto: Manzey

Polizeikommissar im Interview

Fastnachts-Umzüge: So sorgt die Polizei für Sicherheit

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Spätestens am Faschings-Samstag hat die fünfte Jahreszeit mit den Straßenumzügen in der Region ihren Höhepunkt erreicht. Christopher Moll, erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Führungsgruppe des Polizeireviers Philippsburg, koordiniert den Einsatz bei insgesamt sechs Umzügen. Mit BNN-Redaktionsmitglied Christel Manzey spricht er über die Strategie der Polizei und welche Herausforderungen besonders die Straßenumzüge für die Polizei bereit halten.

Herr Moll, Sie koordinieren insgesamt sechs Umzüge im Revierbereich Philippsburg. Gibt es Umzüge, die in den vergangenen Jahren besonders auffällig waren?

Moll: Etwas problematisch waren in den vergangenen Jahren vor allem die Umzüge in Hambrücken und Wiesental, teilweise auch in Graben-Neudorf.

Was macht diese Umzüge zu Problemumzügen?

Moll: Hauptursache sind Kinder und Jugendliche, die teilweise bis zur Bewusstlosigkeit dem Alkohol zusprechen. In Wiesental und Hambrücken sind wir aber in der glücklichen Lage, dass wir Jugendschutzteams von Jugendamt, DRK und Polizei im Einsatz haben, die sehr gute Arbeit leisten. In Graben-Neudorf können wir leider noch nicht auf diese Teams momentan zurückgreifen, da sie an diesem Tag anderweitig im Einsatz sind, auch wenn sich einzelne Gruppierungen bereits von anderen Umzügen dorthin verlagert haben.

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Mit welchen Delikten hat es die Polizei denn am häufigsten zu tun?

Moll: Die meisten Delikte geschehen unter Alkoholeinwirkung: Körperverletzung, Beleidigung, vereinzelt auch Übergriffe gegen Polizeibeamte. Die Straftaten sind in den vergangenen Jahren jedoch zurückgegangen – auch ein Verdienst der starken Polizeipräsenz und der gemeinsamen Besprechungen im Vorfeld mit den Kommunen, deren Ordnungsamtsleitern, Veranstaltern, DRK und Feuerwehr.

Viele Streitigkeiten kann die Polizei durch die ständige Präsenz vor Ort auch im Vorfeld bereits im Keim ersticken. Fälle von sexueller Belästigung hatten wir in der Vergangenheit keine. Dafür alkoholisierte Besucher, die beispielsweise in Vorgärten urinieren. Dies ist für die dortigen Anwohner ein großes Ärgernis und für die Veranstalter eine große logistische Herausforderung, verbunden mit enorm hohen Kosten für unter anderem immer noch zu wenig aufgestellten Toilettenanlagen. Im Durchschnitt werden bei den Umzügen jeweils fünf bis zehn Platzverweise erteilt, ein paar wenige Personen in Gewahrsam genommen und zwei bis sechs Straftaten bearbeitet. In früheren Jahren waren diese Zahlen deutlich höher.

Wie sieht es aus mit Sachbeschädigungen?

Moll: Sachbeschädigung haben wir immer wiederkehrend, meistens mit Trockenfarben beschmutzte Fassaden oder aber Sachbeschädigungen im öffentlichen Verkehrsraum. Große Probleme gab es unter anderem im vergangenen Jahr bei der An- und Abreise von alkoholisierten Besuchern in Hambrücken. Hier wurden Sachbeschädigungen in Linienbussen in Höhe von mehreren tausend Euro begangen. In diesem Jahr werden wir verstärkt ein Auge auf die An- und Abreise der Umzugsteilnehmer haben.

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Welche Strategie fährt die Polizei und wie viele Beamten werden im Einsatz sein?

Moll: Über die Anzahl der Beamten kann ich aus polizeitaktischen Gründen nichts sagen, wir sind aber stark präsent. Wir rekrutieren aus den eigenen Revieren erfahrene Kräfte, die auch Orts- und Personenkenntnis haben. Da sind wir gut aufgestellt.

Sie sagten, einige Gruppen betrunkener Jugendlicher hätten sich von anderen Orten nach Graben-Neudorf verlagert. Hat sich Ihre Strategie da verändert?

Moll: Die Strategie der Polizei hat sich sicher weiterentwickelt, auch wir lernen jedes Jahr dazu. Wir versuchen noch präsenter zu sein und sind beispielsweise in Graben-Neudorf in der glücklichen Lage, dass wir am dortigen Bahnhof auch von den Kollegen der Bundespolizei unterstützt werden bei anreisenden, teilweise alkoholisierten Umzugsbesuchern. Diese werden dann bereits dort einer Kontrolle unterzogen und nötigenfalls weitere rechtliche Schritte eingeleitet.

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Was sind Ihre Ratschläge, um möglichst unbeschadet durch die Faschingszeit zu kommen?

Moll: Jedermann ist bei den Umzügen herzlich willkommen, um den Fasching in der Region zu feiern, doch bitteschön: Alkohol in Maßen zu konsumieren. Dies gilt insbesondere für unsere Kinder und Jugendlichen. Kommt es doch zu Pöbeleien, sollte man sich zurückziehen und die Kollegen vor Ort verständigen. Wir sind für die Sicherheit und Ordnung des jeweiligen Umzuges zuständig und werden nötigenfalls konsequent einschreiten.

Es macht mir Spaß, an diesen Tagen mit lustigen Narren zusammenzukommen.

Sie koordinieren jetzt seit knapp 20 Jahren Faschingstätigkeiten hier in der Region. Macht es da noch Spaß, an Fasching im Einsatz zu sein?

Moll: Ich selbst war früher ein großer Faschingsnarr und auch meine Familie war dem Fasching in der Vergangenheit sehr verbunden. Heute sehe ich dies natürlich von einer anderen Warte aus, aber es macht mir nach wie vor Spaß, an diesen Tagen mit lustigen und fröhlichen „Narren“ zusammenzukommen.