NICHT ALLE HANDWERKER arbeiten seriös. Bruchsaler Kunden sind jetzt offenbar auf eine echte Abzock-Firma hereingefallen. (Symbolbild) | Foto: dpa

Bruchsaler abgezockt?

Wenn aus der Verstopfung ein finanzielles Desaster wird

War es nur sehr teuer, war es schon Wucher oder gar gewerbsmäßiger Betrug? Das Bruchsaler Kriminalkommissariat hat eine Kanal- und Rohrreinigungsfirma auf dem Kieker, die derzeit in Bruchsal unterwegs ist. Die Firma Fürst aus Eschborn ist bereits deutschlandweit einschlägig bekannt – teils auch unter anderen Namen.

Nun waren sie bei Bruchsalern zugange. Die Kunden hatten eine Verstopfung in der Toilette, das Wasser bereits im Badezimmer stehen und in ihrer Not im Internet eine Kanalfirma gesucht. Sie wurden schnell fündig, die Firma rückte an, so berichtet es ein Bekannter der Familie. Auch war die Diagnose schnell gestellt: Rohrbruch!

Angeblicher Rohrbruch kostet über 3000 Euro

Die Handwerker müssten auf jeden Fall wiederkommen, so wurde den Kunden versichert. 1 000 Euro hat bereits der erste Einsatz gekostet, bezahlt wurde noch vor Ort per Kartenlesegerät. Auf 3 049 Euro sollte sich die Gesamtrechnung summieren – aber, so wurde den Kunden versichert, das übernehme ja zum Glück die Versicherung.
Bevor es allerdings zum Äußersten kam und die dubiosen Handwerker tatsächlich für insgesamt 3 000 Euro einen angeblichen Rohrbruch beseitigen konnte, schritten der Bekannte und die Polizei ein. Man bestellte die Firma zum Schein erneut ein: Beim zweiten Termin rückten gleich vier angebliche Handwerker an. Die Kripo nahm die Personalien auf und begann ihre Ermittlungen, wie die Polizeipressestelle auf BNN-Anfrage bestätigt.

Medien berichten über „Mafia-Methoden“

Eine hiesige Firma hatte sich den Schaden schließlich angesehen und die einfache Verstopfung vergleichsweise kostengünstig beseitigt.´Die Firma Fürst aus Eschborn scheint deutschlandweit ihr Unwesen zu treiben. Andere Medien berichteten bereits mehrfach über „Mafia-Methoden“, unter anderem seien offenbar die selben „Handwerker“ als Martin-Rohrreinigung unterwegs oder als SOS-Umweltdienst.
Erst im September 2017 berichtete der Hessische Rundfunk über ganz ähnliche Fälle der Firma Fürst und anderer „Abzocker“. Die Fäden liefen alle bei einer Familie zusammen, bei der es bereits 2016 eine Razzia gegeben hatte. Der Vorwurf immerhin: Banden- und gewerbsmäßiger Betrug. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat bereits Anklage erhoben – doch offenbar läuft das Geschäftsmodell weiter, zuletzt in Bruchsal. Den BNN sind bisher zwei konkrete Vorfälle bekannt, möglicherweise liegt die Dunkelziffer aber höher.

Verbraucherzentrale warnt

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnt ebenfalls vor überhöhten Rechnungen gerade bei „sanitären Notfällen“: „Erkundigen Sie sich vorsorglich bei der örtlichen Installateur-Innung nach seriösen Anbietern, auf die Sie im Notfall zurückgreifen können.“ Geld zu verlangen, obwohl der Schaden nicht behoben sei, deute ebenfalls auf nicht seriöse Praktiken hin. Auch wenn Handwerker auf sofortige Bezahlung bestehen, sollte man stutzig werden.