Musa Jammeh aus Östringen
Integration durch Fußball: Musa Jammeh lebt seit 14 Jahren in Östringen. Geboren wurde er in Gambia. In Östringen wurde er mehrfach mit den Thema Rassismus konfrontiert. | Foto: Schmith

Rassismus in Deutschland

Wie ein Gambier aus Östringen Rassismus erlebt

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Musa Jammeh lebt seit 14 Jahren in Östringen. Mit seiner Freundin hat er eine Wohnung in der Stadt, ist hier zur Schule gegangen und spielt leidenschaftlich gerne Fußball beim FC Östringen. Eigentlich ganz gewöhnlich. Eine Sache unterscheidet ihn aber von seinen Fußballkameraden – seine Hautfarbe. Die Wurzeln des 28-jährigen liegen in Gambia, Westafrika.

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA brechen weltweit Proteste aus. Auch Musa Jammeh hatte in Östringen schon Probleme mit Rassismus.

Integration und Rassismus im Fußball

Inzwischen ist Musa Jammeh in Deutschland angekommen und hier zu Hause. Geholfen hat ihm dabei vor allem der Fußballverein. „Da bin ich schnell an neue Freunde gekommen. Das hat mir vieles leichter gemacht“, erzählt er.

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Doch auf dem Rasen wird er auch mit Rassismus konfrontiert. Bei einem entscheidenden Spiel mit dem FC Östringen schoss Musa Jammeh zwei Tore. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch bei diesem wichtigen Spiel musste er schlimme Beleidigungen einstecken. „Geh dahin zurück, wo du hergekommen bist“, war dabei noch harmlos.

Ich bin eben schwarz und wenn man das sagt, ist das auch keine Beleidigung für mich.

Musa Jammeh, geboren in Gambia, Westafrika

Meistens könne er gut mit solchen Beleidigungen umgehen, „aber das hat mich schon getroffen.“ Musa Jammeh hat gelernt damit umzugehen. „Ich bin eben schwarz und wenn man das sagt, ist das auch keine Beleidigung für mich“, erzählt er. „Es kommt aber immer auf den Ton an, wie man das sagt.“ Als Musa Jammeh die ersten Jahre in Östringen war, gab es außer ihnen und seiner Mutter kaum andere Schwarze. Aber Jammeh suchte schon immer gleich das Gespräch. „Wenn die Leute merken, dass man Deutsch spricht, sind sie offen.“

Probleme mit Deutschen Behörden

Nach den Vorfällen in den USA war der 28-Jährige geschockt. „Das so was noch passiert, ist einfach schlimm“, bedauert er. Doch auch mit Deutschen Behörden hat Musa Jammeh mit Rassismus zu kämpfen. Auf einer Faschingsparty vor einigen Jahren sei er einem Freund zur Hilfe gekommen. „Das war der größte Fehler, den ich hätte machen können“, sagt er im Nachhinein.

Das wäre einem Weißen nicht passiert.

Musa Jammeh, geboren in Gambia, Westafrika

Als schließlich die Polizei eintraf, zeigten alle Finger auf ihn: „Der Schwarze war’s.“ Obwohl schlussendlich die Anderen zugaben, dass Musa Jammeh keine Schuld traf, musste er 40 Sozialstunden ableisten. „Das wäre einem Weißen nicht passiert.“

Dennoch fühlt sich Jammeh wohl in Deutschland: „Viele setzen sich hier gegen Rassismus ein. Das macht mich als Schwarzen stolz auf das Land.“

Amerikaner schämt sich für die Vorfälle

Nicht nur Schwarze Menschen treffen die Vorfälle in den USA. „Bei dem, was da gerade passiert, kann man sich ganz schön dafür schämen, dass man Amerikaner ist“, sagt der in New York geborene Bernard Zimmerman. Inzwischen wohnt Zimmerman mit seiner Familie in Kraichtal-Münzesheim. Dennoch hat er das Thema Rassismus in den USA miterlebt: „Das ist 2020 immer noch schlimm. Auch früher, zu Zeiten von Martin Luther King, das waren schwere Zeiten für die Schwarzen. Das ist eine dunkle Seite der USA. Und es ist noch nicht viel besser geworden.“

Problem in den USA immer noch aktuell

Gut und Böse gäbe es schon immer, so Bernard Zimmerman: „Es gibt viele gute Amerikaner. Aber es gibt auch die andere Seite und die ist sehr, sehr stark und massiv.“

Innerlich existiert dieser Hass immer noch.

Bernard Zimmermann, geboren in New York

Bernard Zimmerman selbst ist Jude. Auch Antisemitismus war ein Thema in seiner Vergangenheit. Sein Vater ist nach dem Holocaust in die USA ausgewandert. „Daher kann ich das Problem sehr gut nachvollziehen. Das war schon immer aktuell, auch für uns Juden.“ Er bedauert das Verhalten seiner Landsleute: „Schwarze haben dieselben Rechte auf dem Papier. Dieses: Weiße hier rein, Schwarze nur da rein. Im Restaurant zum Beispiel, das gibt es nicht mehr. Aber innerlich existiert dieser Hass immer noch.“