Das Kleinflugzeug, das an der Wand eines Baumarktes zerschellte, war nur noch ein Trümmerhaufen. | Foto: ER24

„Man rennt nicht einfach heim“

Flugzeugabsturz Bruchsal: Wie gehen die Retter mit so einer Tragödie um?

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Die offensichtlichen Spuren des Flugzeugabsturzes beim Baumarkt im Bruchsaler Gewerbegebiet sind eine Woche danach weitgehend beseitigt. Anders sieht es mit den Spuren aus, die solche dramatischen Ereignisse und ihre grausamen Bilder bei den Einsatzkräften hinterlassen. „Wir sind auf solche Szenarien vorbereitet, und wir holen uns danach Hilfe“, erklärt Martin Schleicher. Der Bruchsaler Abteilungskommandant der Feuerwehr war am Samstag vor Ort, als das Kleinflugzeug in den Baumarkt krachte.

Jede Rettung zu spät

Er und einige seiner Kolleginnen und Kollegen haben nicht nur ein völlig zertrümmertes Flugzeug, sondern auch Leichenteile gesehen. An Rettung war bei den drei verunglückten Personen nicht mehr zu denken. Für genau diese Fälle ist das Einsatznachsorgeteam da, das die Bruchsaler Wehr für Montag nach dem Unglück angefordert hatte. Zusammen wurde der für manche belastende Einsatz im Gespräch aufgearbeitet – fast schon Routine, bei derlei dramatischen Unglücken.

Herausforderung für gestandene Feuerwehrleute

„Aber eigentlich fängt das schon viel früher an“, gibt Schleicher im Interview mit der Rundschau zu bedenken. Junge oder unerfahrene Kollegen werden gerade bei schweren Unfällen oder tragischen Unglücken erst gar nicht an die „vorderste Front“ geschickt. Schon auf der Anfahrt kann der Gruppenführer seine Leute sortieren. Auch, wer sich nicht fit fühlt, wird aufgefordert, sich nicht unnötig einer belastenden Situation auszusetzen. Autobahnunfälle mit Lkw, eingeklemmte Personen – oder natürlich der Absturz eines Flugzeugs, das sind Einsatzstichworte, bei denen nicht nur mit körperlichen sondern auch mit psychischen Belastungen zu rechnen ist. Das stellt selbst gestandene Feuerwehrleute vor Herausforderungen.

Martin Schleicher ist Abteilungskommandant der Bruchsaler Feuerwehr und war am Absturzort im Einsatz. | Foto: Heintzen

„Ideal ist es, wenn man direkt nach dem Ankommen eine kurze Runde bildet“, erklärt Schleicher. „Das passiert automatisch, nach einem solchen Erlebnis rennt man nicht einfach heim.“ Hier können über die Leitstelle die Kollegen des Einsatznachsorgeteams angefordert werden, oder die Gesprächsrunde wird von speziell geschulten Kollegen innerhalb der Wehr moderiert. „Bei einer Cola kann jeder seine Eindrücke schildern“, berichtet Schleicher über die erste einfache Maßnahme.

Absolute Verschwiegenheit

So auch nach dem aktuellen Flugzeugunglück. Am Montag haben sich 25 Leute – „alle, die vorne dabei waren“ – zum Gesprächskreis getroffen. „Es herrscht hier absolute Verschwiegenheit. Es geht nicht um Manöverkritik. Jeder kann über seine Eindrücke berichten“, beschreibt Schleicher. Da kommen bei manchem Erinnerungen hoch, andere berichten vielleicht von Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit. „Das ist ganz normal. Erst, wenn es länger anhält, wird es kritisch“, erklärt Schleicher.

Psychologische Betreuung hat hohen Stellenwert

Er selbst sei relativ robust, „ich will aber nur das sehen, was ich unbedingt für meine Arbeit sehen muss.“ Belastend empfand er etwa die Situation, dass bei dem Flugzeugabsturz schnell feststand, dass man wohl niemanden mehr lebendig aus dem Wrack holen kann. Und: „Solange man beschäftigt ist, geht es eigentlich. Aber wenn man an einer Unglücksstelle länger warten muss, kann das zur Belastung werden.“
„Wir bei der Feuerwehr sind, was die Nachsorge und die psychologische Betreuung angeht, sehr aufgeschlossen und gehen professionell mit dem Thema um.“ Lieber werden die Profis einmal umsonst einbestellt als zu selten. Auch wenn später Probleme auftauchen, haben die Feuerwehrleute Anspruch auf Hilfe. „Das kann auch Jahre später nochmal hochkommen“, weiß Schleicher von ähnlichen Fällen.

Obduktion der Opfer

Die Obduktion der drei Opfer ist nach Informationen der Polizei abgeschlossen. Hinweise zur Erklärung des Unglücks habe es demnach nicht gegeben.