Teuer ist die Glasfaserversorgung insbesondere wenn es um die Hausanschlüsse geht. Nach Ansicht des Landkreises ist diese Technik dennoch zukunftsträchtig. | Foto: dpa

Unterversorgte Gebiete

Wo geht’s zum schnellen Internet?

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Schnelles Internet für alle. Wer es schon hat, kann sich kaum vorstellen, wie das ist, wenn man etwa nur zehn oder 15 MBit in der Sekunde durch seine Leitungen drücken kann. 50 MBit galten vor wenigen Jahren einmal als „must have“, heute liegt der Wert wohl eher bei 100. Der Landkreis Karlsruhe will, dass alle seine Bewohner und vor allem die Betriebe in den unterversorgten Gegenden noch viel schnelleres Internet bekommen – per Glasfaser. Doch das kostet viel Geld. Und mittlerweile ist darum ein harter Wettbewerb entbrannt. Für den sieht sich der Landkreis laut Landrat Christoph Schnaudigel mit seiner Breitbandkabelgesellschaft BLK gut gerüstet.

„Vollbremsung“ im Ortenaukreis

Anders die Lage im Ortenaukreis. Der Offenburger Landrat Frank Scherer hat die Breitband Ortenau GmbH, die ähnlich der BLK unterwegs war, gestoppt und ihr einen Kurswechsel verpasst. Geht der öffentlichen Hand bei ihren landauf, landab gestarteten Bemühungen beim schnellen Internet die Luft aus? Jedenfalls wird der Ortenaukreis anders als geplant selbst kein kreisweites Glasfasernetz aufbauen – das soll nun gemeinsam mit einem Unternehmen erfolgen.

Wir sind weiter

„Ortenaukreis und Landkreis Karlsruhe sind hier nicht vergleichbar“, sagt Landrat Christoph Schnaudigel. Der Grund: „In Karlsruhe sind wir schon sehr viel weiter.“ Zu deutsch: Die BLK hat bereits landkreisweit ein Grundgerüst an Glasfaser-Leitungen verlegt. Das ist das „backbone“, das die Städte und Gemeinden als „Datenautobahn“ miteinander verbindet. Dieses „backbone“ ist fertiggestellt und in Betrieb. Die BLK refinanziert den Investitionsaufwand durch Gebühreneinnahmen.

Der teure letzte Meter

Doch ist mit diesem „backbone“ die Glasfaser noch nicht ganz beim Kunden. „Der letzte Meter ist am teuersten“, macht Landrat Schnaudigel klar. Will heißen: Die Hausanschlüsse sind richtig teuer. Die innerörtliche Breitbandversorgung ist Geschäft der Gemeinden. Wenn sie einen Masterplan erarbeitet haben, der die aktuelle Versorgung miteinschließt, können sie Zuschüsse erhalten. Das war jetzt beispielsweise in Kronau der Fall.

Fünf Millionen in Kronau

Die Betriebe im Gewerbegebiet Heidig sowie Anwohner an der Trasse des „backbone“ sind seit dieser Woche mit Glasfaser versorgt. 75 Hausanschlüsse sind verlegt worden. Die Gemeinde musste laut Landrat Schnaudigel etwa eine Million investieren – eine Glasfaserkomplettversorgung des gesamten Ortes würde fünf Millionen Euro erfordern, was laut Bürgermeister Frank Burkard aktuell nicht darstellbar ist.
Unbeschadet dessen ist der Landrat überzeugt, dass Glasfaser die Zukunft ist. Andere Techniken brächten zwar kurzfristig und auch vergleichsweise preiswert Vorteile beim up- und download. „Aber was ist in anderthalb Jahren, wenn sich das Datenvolumem wieder verdoppelt hat“, so Schnaudigel rhetorisch. Schon jetzt komme man mit 50 MBit rasch an Grenzen.

Veränderte Marktlage

So gut die BLK in den vergangenen drei Jahren vorangekommen ist, so hat sich die Marktlage zuletzt geändert. Die Telekom beispielsweise engagiert sich inzwischen stark in einem Feld, das sie laut Landratsamt zuvor nicht beackern wollte. Sie bietet zum einen Kupferkabel in die Häuser an, die günstig zu verlegen sind und kurzfristig beim Internet eine Verbesserung bringen. Sie bietet aber etwa in Bruchsal Glasfaser bis zum Endkunden an. Und um den ist ein Wettbewerb entbrannt. Dem Kunden ist es egal, wer ihm das schnelle Internet bietet – seine Entscheidung trifft er auch nach Verfügbarkeit und Preis.

Ausreichendes Kundenpotenzial

Landrat Schnaudigel sieht das BLK-Modell dennoch nicht gefährdet: „Das Kundenpotenzial ist ausreichend.“ Zudem habe man über den Netzbetreiber Inexio schon eine beträchtliche Anzahl Nutzer gewonnen. Er betont, dass die öffentliche Hand mit der Glasfaser nicht nur in nachfragestarke Gewerbe- und Neubaugebiete gehe, sondern auch in Randlagen. Gleichwohl, so räumt er ein, hätten sich die Rahmenbedingungen geändert. Sein Wunsch ist eine erweiterte Förderung des öffentlichen Glasfaserausbaus durch das Land, der an eine „Aufgreifschwelle“ gekoppelt ist. Diese besagt, dass nur Gebiete gefördert werden, die aktuell mit weniger als 30 MBit versorgt sind. Der Wert müsse steigen.