Der Seniorenwohnpark steht vor dem Aus, alle Bewohner müssen sich eine neue Unterkunft suchen. | Foto: Petra Steinmann-Plücker

Landratsamt widerspricht

Wohin mit 90 Senioren aus der Mingolsheimer Pflegeklinik?

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 „Sollen wir dann am 1. Juli mit unseren Betreuten gemeinsam unter die Brücke ziehen?“ Was Almut Hecht mit diesem drastischen Bild beschreibt, resultiert aus der Bekanntgabe, dass der Senioren-Wohnpark, ehemals Pflegeklinik Bad Schönborn, in Mingolsheim schließen wird. Und zwar schon in wenigen Wochen, wie jetzt bekannt wurde.

Von Petra Steinmann-Plücker

Hecht arbeitet ehrenamtlich als gerichtlich bestellte Betreuerin für einen Bewohner der Einrichtung und hat als solche vom Betreiber, den MK-Kliniken Hamburg, die schriftliche Kündigung des Heimvertrags für ihren Betreuten „wegen vollständiger Betriebsstilllegung“ des Heimes zum 31. August erhalten. Der Senior wird aufgefordert, „die Pflegeeinrichtung spätestens zum 30. Juni zu verlassen“. Das sind noch knapp acht Wochen. Hecht als Betreuerin wird gebeten, „an der Räumung der Pflegeimmobilie angemessen mitzuwirken“. Datiert ist das Schreiben auf den 3. Mai, ungefähr zeitgleich wurde der Gebäudekomplex in der Kraichgaustraße auf einer Immobilienplattform im Internet als „attraktives Investmentobjekt“ von der MK-Kliniken AG für 14,95 Millionen Euro zum Verkauf angeboten.

Mitarbeiter erst am Montag informiert

Die 97 Mitarbeiter wurden am Montagnachmittag informiert. Am Dienstag, schließlich erfolgte eine kurze Pressemitteilung der MK-Kliniken, auch nachdem die Bruchsaler Rundschau ihre Recherchen begonnen hatte. In der Mitteilung werden als Begründung „unter anderem“ die Anforderungen der Landesheimbauverordnung (LHeimBauVO) angeführt, die bis 31. August zu erfüllen seien. Das sei einem Schreiben des Landratsamtes zu entnehmen, heißt es in der Pressemeldung. Eine „wirtschaftlich sinnvolle Einigung mit der zuständigen Behörde“ habe nicht herbeigeführt werden können“, teilt der Betreiber mit.

Verlängerung ist längst genehmigt

Davon zeigte sich dann allerdings das Landratsamt auf BNN-Anfrage sehr überrascht. Zum einen bestehe die Pflicht zur Anpassung an die Bauverordnung bereits seit 2009 – „mit einer zehnjährigen Übergangsfrist“. Seit 2015 existieren „ermessenslenkende Richtlinien“, die Hinweise für Abweichungen und Verlängerungen der Fristen geben. Spätestens seitdem „steht der Landkreis im Kontakt mit allen Trägern“, heißt es weiter. Und: Das Landratsamt hat den Kliniken bereits schriftlich eine Verlängerung der Frist bis 2031 eingeräumt. Es sei deshalb nicht nachvollziehbar, warum „die Einrichtung jetzt geschlossen werden soll“, findet man im Landratsamt deutliche Worte.

Das kann lebensbedrohlich werden

Auch für die Betroffenen ist das unverständlich. „Wie sollen wir denn in nicht mal zwei Monaten neue Pflegeplätze finden?“, fragt sich Almut Hecht mit Blick auf die „brechend vollen“ Pflegeeinrichtungen in der Umgebung. Empörung und Enttäuschung ist auch aus Mitarbeiterkreisen zu vernehmen. Aber auch Befürchtungen: „Solche drastischen Veränderungen vertragen die Bewohner nicht gut, das kann lebensbedrohlich werden“, erklärte eine Mitarbeiterin gegenüber der Rundschau. Außerdem wird die Sorge laut, ob denn die fachgerechte Versorgung sichergestellt ist, „wenn die Mitarbeiter neue Stellen finden, bevor die Bewohner anderweitig untergebracht sind“.

Im Rathaus wusste man nichts von der Schließung

Auch das Rathaus Bad Schönborn sei erst seit Montag über die Schließung informiert, sagt Bürgermeister Klaus Detlev Huge. Die Kommunikation mit dem Betreiber des Senioren-Wohnparks sei „extrem schlecht“. Dennoch werde sich die Gemeinde nach Kräften und „im engen Austausch mit der Heimaufsicht“ um die Unterbringung der Bewohner in der näheren Umgebung bemühen.
Während die Einrichtungsleiterin des Senioren-Wohnparks, Birgit Lehmann,  zu keinem Gespräch bereit war, verweisen die MK-Kliniken auf Nachfrage auf eine öffentliche Veranstaltung am Dienstag, 14. Mai, um 14 Uhr in der Einrichtung, „für all diejenigen, die es betrifft“, die sich aber vorher anmelden sollen.