Wolfgang Schäuble schwor die rund 800 Gäste beim politischen Aschermittwoch in Karlsdorf-Neuthard auf den bevorstehenden Wahlkampf ein. | Foto: Heintzen

Hausaufgaben für seine CDU

Wolfgang Schäuble gibt sich in Karlsdorf-Neuthard kämpferisch

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Wie macht man Wahlkampf, wenn man seit knapp zwölf Jahren die Bundeskanzlerin stellt und die Regierungen anführt? In Zeiten internationaler Dauerkrisen und erstarkter Rechtspopulisten in ganz Europa? Und wenn dann auch noch die dauerschwächelnde SPD plötzlich einen Kanzlerkandidaten präsentiert, der Angela Merkel in den Umfragen mal eben überholt?

Wahlkampferprobter Minister

Wenn einer wahlkampferfahren ist, dann ist es Wolfgang Schäuble. Freilich hatte er für seine CDU kein Patentrezept im Gepäck, als er zum Aschermittwoch nach Karlsdorf-Neuthard gekommen war. Aber seine Parteifreunde im Badischen einzustimmen auf den bevorstehenden Bundestagswahlkampf, auch auf harte Auseinandersetzungen, das ist dem Finanzminister vor 800 Gästen ganz sicher gelungen.

Nicht die Wahrheit, sondern Fake

In freier Rede führte er den Saal gedanklich von Afrika, über Syrien in die Türkei, nach Polen genauso wie in die USA. „Bei allen Sorgen, die wir haben, sollten wir zwischendurch daran erinnern, dass wir in einer Lage sind, in der es uns nicht so schlecht geht. Wir haben die höchste Beschäftigungszahl der letzten Jahrzehnte. Und die allermeisten neuen Jobs sind reguläre Dauerbeschäftigungen.“ Was Martin Schulz erzähle, sei „nicht die Wahrheit, sondern Fake“.

Hausaufgaben für seine CDU

Vor allem aber dominierte das Thema Europa seine gut einstündige Rede in der Altenbürghalle. „Es geht Deutschland nur gut, wenn es Europa gut geht“, so sein Bekenntnis und seine klare Botschaft gegen jede Form der Abschottung. „Bitte treten Sie dafür ein. Wir dürfen nicht alles zerstören, was wir in den vergangenen 70 Jahren mühsam aufgebaut habe. Nehmen Sie das bitte als Hausaufgabe mit“, so ein durchaus nachdenklicher Finanzminister.

Zum politischen Aschermittwoch der Kreis-CDU kamen rund 800 Gäste nach Karlsdorf-Neuthard
Zum politischen Aschermittwoch der Kreis-CDU kamen rund 800 Gäste nach Karlsdorf-Neuthard | Foto: Heintzen

Motivationskick für Parteifreunde

Seine Zuhörer: Gut 800 Gäste, die auf Einladung des CDU-Kreisverbandes kamen. Der richtet seit Jahrzehnten jedes Jahr das Aschermittwochstreffen in Karlsdorf-Neuthard aus. Zig Lokalpolitiker, Stadträte, Bürgermeister, Abgeordnete. Menschen, wie Wolfgang Riffel, Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Karlsdorf-Neuthard. Eben stand er noch auf der Bühne und begrüßte den Bundesfinanzminister. Kaum ist der auf dem Heimweg, wuchtet Riffel hinter der Theke schon wieder die Getränkekisten. Es sind Leute wie Riffel, auf die es in den kommenden Monaten ankommt, wenn der Wahlkampf Fahrt aufnimmt. Die dann vor Ort Überzeugungsarbeit leisten müssen und Plakate kleben. „Er hat uns eine klare Richtschnur aufgezeigt“, erklärt Riffel. Dass er die Betonung auf die Werte gelegt hat, hat dem Lokalpolitiker gefallen. „Das hilft schon“, findet Riffel, der den Motivationskick für seine CDU gut findet.

 

Wir haben einen klaren Kompass

Schäuble gibt sich betont gelassen. Er ist schon zu lange im Geschäft, als dass ihn Umfragewerte so schnell aus der Ruhe bringen würden. Zwischen linken und rechten Extremen verortet er seine Union als Volkspartei der Mitte. „Mir ist nicht bange, vor dem Wahlkampf. Wir haben einen klaren Kompass. Wir müssen auch nicht die Gegner beschimpfen“, so sein Appell. Und er streichelte die möglicherweise geschundene CDU-Seele: „Wir in Deutschland sind nunmal im Moment die Größten und Stärksten in Europa. Da ist doch klar, was im September passieren muss: Wir brauchen mindestens die absolute Mehrheit für die CDU und CSU“, sagte er augenzwinkernd. Langen Applaus erntete der gut aufgelegte Finanzminister am Ende. Zuvor hatte der Kreisvorsitzende und Europaabgeordneter Daniel Caspary als Gastgeber „den Architekten der Deutschen Einheit und einen der beliebtesten Minister“ begrüßt.