Eingeschworenes Team: Saliha Özcan betreibt mit „Sallys Welt“ einen großen YouTube-Kanal. Immer an ihrer Seite ist Ehemann Murat.
Eingeschworenes Team: Saliha Özcan betreibt mit „Sallys Welt“ einen großen YouTube-Kanal. Immer an ihrer Seite ist Ehemann Murat. | Foto: Martin Heintzen

Es begann mit einem Nusszopf

YouTube-Star Sally begeistert die Back-Welt

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Da steht sie in ihrer Küche in Waghäusel, in einem ihrer Karohemden, das braune Haar zum Zopf geflochten. Sie kocht Kaffee, schenkt Wasser ein, räumt nebenher die Spülmaschine aus und erzählt. Die Küche ist nicht irgendeine Küche, es ist Sallys Küche, die Küche aus „Sallys Welt“, in der die 28-Jährige mehrmals die Woche steht, backt oder kocht und sich dabei filmen lässt. Eine Million Abonnenten und bis zu zwölf Millionen Zuschauer hat Saliha Özcan bei YouTube. Tendenz steigend. Was ist ihr Geheimnis? Wie hat es die junge Frau aus dem Waghäuseler Stadtteil Kirrlach geschafft, in weniger als fünf Jahren eine solche Bekanntheit zu erlangen? Ein Erklärungsversuch.

Das erste Video war ein Nusszopf

Es begann mit einem Nusszopf. Im April 2012 dachte sich die damalige Lehramts-Studentin Saliha Özcan, dass es im Fernsehen zwar einige berühmte Köche gibt, aber niemanden, der vernünftig erklärt, was er da eigentlich tut. „Ich vermisste eine einfache Koch- und Backanleitung“, sagt Sally. Damals fasste sie den Entschluss, es besser zu machen als die anderen Köche. Sie fertigte einen Nusszopf, lud das Video bei der Videoplattform YouTube hoch und dachte nicht weiter darüber nach, was sie da lostreten könnte. Nach einer Nacht hatten Sally und ihr Nusszopf bereits 1 000 Aufrufe. „Das hat mich selbst überrascht“, gesteht sie.

Ehemann Murat ist immer an Sallys Seite

Die Studentin wurde direkt YouTube-Partnerin, kaufte sich eine bessere Kamera – und machte weiter.
Immer an ihrer Seite: Ehemann Murat. „Auch wenn er am Anfang sehr dagegen war“, verrät Sally und lacht. Schließlich studierten beide damals noch, hatten eigentlich anderes zu tun. „Außerdem war es nicht gerade billig, ständig neue Videos hochzuladen“, sagt Sally. Heute ist das anders – und auch Murats Sicht auf die Dinge hat sich längst geändert. Der 35-jährige Verfahrenstechniker ist stolz auf seine erfolgreiche Ehefrau. „Er hat kein Problem damit“, versichert Sally, „ganz im Gegenteil.“ Nur einmal im Jahr hängt Sally ihre Karriere für einen Tag an den Nagel. Dann, wenn Murats Mutter aus der Türkei zu Besuch kommt. „Dann spiele ich Hausfrau“, sagt die zweifache Mutter und lacht.

Sally hat jetzt einen vielfältigen Familienkanal

Sie lachen viel, Sally und Murat, vor allem miteinander. Seit neun Jahren sind sie verheiratet, haben zwei kleine Töchter. Sie sehen sich als Familienunternehmen. Längst ist aus dem reinen Koch- und Backkanal ein Familienkanal geworden, in dem es auch Videos zu Haushaltstipps und Kindern gibt. Neben den Töchtern taucht auch immer wieder Murat in den Videos auf – ein Schwabe übrigens, der sich mit Badenerin Sally (sie wurde 1988 in Bruchsal geboren) immer wieder badisch-schwäbische Wortgefechte liefert. Die Leute mögen das. Und Murat sagt „Wir sind wie die.“ Die Zuschauer sagten über ihn: „Der Typ ist so blöd wie mein Ehemann“, davon ist Murat überzeugt.

Unternehmen mit 25 Mitarbeitern

Es geht also viel um Identifikation mit dieser kleinen Kirrlacher Familie, die so bodenständig geblieben ist. „Für mich hat sich seit dem Nusszopf eigentlich nichts geändert“, sagt Sally. „Außer, dass mehr Leute zugucken.“ Sie sei aber immer noch „die Sally aus Kirrlach“.

Tatsächlich hat sich seit dem Nusszopf einiges geändert. Nicht nur, dass „Sallys Welt“ heute eine gute Million Abonnenten hat und die Kirrlacherin auf Messen immer eine eigene Halle mit Anhängern füllt. Hinter dem Kanal steht mittlerweile ein richtiges Unternehmen, 25 Mitarbeiter hat die Kirrlacher Koch- und Backfee, sie betreibt zudem einen eigenen Internetshop, in dem sie Zubehör verkauft – von der Schürze bis hin zu Pfannen und Töpfen. Derzeit bauen Sally und Murat eine Produktionshalle im Waghäuseler Stadtteil Wiesental, auf rund 4 000 Quadratmetern Fläche entstehen ein Studio und Bürogebäude.

Eigene Kochsendung im Privatfernsehen geplant

Bei alldem setzen Sally und ihr Team auf Nachhaltigkeit, verwenden nur Produkte, die sie auch selbst gut finden. „Wir wollen authentisch bleiben“, sagen Sally und Murat. Deswegen kündigte Sally auch eine Kochserie in einer großen Zeitschrift auf, da ihre Beiträge neben einer Werbung für Fertigsoßen erschienen. „Produkte, die ich nie verwenden würde“, sagt Sally. Genauso hält sie keine Küchenmaschinen in die Kamera (Anfragen gibt es zuhauf), die sie selbst nicht gut findet. Und TV-Angebote (auch diese gibt es zuhauf) lehnte sie immer wieder ab – bis schließlich die Sendergruppe ProSiebenSat.1 auf sie zukam und sagte: „Mach eine Sendung, so, wie Du sie willst.“ Das tut Sally nun auch, die Dreharbeiten für ihre eigene Kochsendung beginnen im Sommer.

Wir wollen authentisch bleiben

Sie habe nie gedacht, dass ihr Kanal diese Ausmaße annehmen würde, sagt Sally, die ihre Abonnenten als Zuschauer, niemals als Fans bezeichnet: „Ich möchte mit ihnen auf Augenhöhe sein.“

Dass es der Kirrlacherin wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben, verdeutlicht eine Anekdote aus ihren frühen Tagen als YouTuberin. Sie und Murat waren zu einem so genannten Bloggerevent geladen. Während Sally für alle kochte, seien die anderen Teilnehmer damit beschäftigt gewesen, Selfies zu schießen und sich selbst irgendwie in Szene zu setzen. „Fürs Essen bedankt hat sich am Ende keiner“, erinnert sich die 28-Jährige. Nach der Veranstaltung gingen alle – außer Sally und Murat. Sie blieben und halfen dem Agenturmitarbeiter beim Aufräumen. „Das gehört doch dazu“, sagt Sally. Der Agenturmitarbeiter habe das honoriert. Er sagte zu ihnen: „Wisst Ihr, alle, die jetzt gegangen sind, werden in ein paar Jahren nicht mehr da sein, aber Ihr, Ihr werdet groß.“

Er sollte Recht behalten.

Exklusives Sally-Rezept für BNN-Leser

Sally hat bereits zwei Koch- und Backbücher veröffentlicht. Das folgende Rezept dürfen die Badischen Neuesten Nachrichten exklusiv für die BNN-Leserinnen und -Leser veröffentlichen: einen Schokoladenkuchen mit Cheesecake-Füllung.

Für den Schokoladenteig:
Man braucht 150 g Zartbitterschokolade, 250 g Butter (zimmerwarm), 250 g Zucker, eine Prise Salz, ½ TL Vanilleextrakt, 4 Eier (zimmerwarm), 350 g Mehl, 40 g Kakao, 2 TL Backpulver, 125 ml lauwarme Milch.

Für die Cheesecake-Füllung:
Man benötigt 2 Eier, 500 g Quark, 100 g Puderzucker, 30 g Stärke, 1 TL Vanilleextrakt.

Zum Bestreichen:
Hier braucht es 200 g Zartbitterkuvertüre und 20 g Kokosfett.
Schmilz die Schokolade über einem warmen, aber nicht kochenden Wasserbad. Verrühre die Butter mit Zucker, Salz und Vanilleextrakt in vier bis fünf Minuten sehr cremig. Rühre die Eier nun einzeln dazu. Vermische Mehl, Kakao und Backpulver. Rühre nun abwechselnd das Mehlgemisch, die Schokolade und die warme Milch kurz in den Teig ein.

Für die Cheesecake-Füllung:
Verrühre alle Zutaten miteinander. Fette eine Backfom mit Backtrennspray und bemehle sie. Fülle etwa zwei Drittel des Teiges hinein und zieh eine Mulde hinein. Befülle die Mulde mit der Cheesecake-Füllung und bedecke sie mit dem restlichen Teig. Backe den Kuchen im vorgeheizten Ofen bei 170 Grad Ober-/Unterhitze für etwa 55 bis 60 Minuten. Stürze ihn aus der Backform und lass ihn vollständig erkalten. Bestreiche den Kuchen mit flüssiger Kuvertüre und lass sie erstarren.