Das Cap-Mobil der Lebenshilfe stellt Ende des Jahres seinen Betrieb ein. | Foto: Steinmann-Plücker (Archiv)

Landkreis Karlsruhe

Zu wenig Kundschaft: Cap-Mobil steht vor dem Aus

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Es ist ein Service, den vor allem ältere oder nicht mobile Menschen in Anspruch genommen haben und der künftig wegfällt: Das Cap-Mobil, der rollende Supermarkt, macht dicht. Dies teilt die Lebenshilfe Bruchsal-Bretten mit, die das Projekt vor zehn Jahren ins Leben gerufen hatte. Und die jetzt die Reißleine zieht.

Cap-Märkte sind nicht betroffen

Zehn Gemeinden hatte das Mobil mit rund 800 Produkten zuletzt angefahren, doch mit dem Silvestertag wird der Service eingestellt. Betroffen sind die Gemeinden Ubstadt-Weiher, Östringen, Kraichtal, Bretten, Weingarten, Bruchsal, Dettenheim, Philippsburg, Waghäusel sowie Bad Schönborn. Im rollenden Supermarkt arbeiteten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Nicht tangiert von der Entscheidung sind die beiden Cap-Märkte in Forst und in Graben-Neudorf.

Fahrzeug müsste bald ersetzt werden

„Wir mussten feststellen, dass für ältere Kunden, die weggefallen sind, keine jüngeren Kunden nachkamen, um das Angebot zu nutzen“, nennt Robin Kaupisch, der Geschäftsführer der Lebenshilfe den Grund für das Aus. Diese Entscheidung sei nicht leicht gefallen. Leider sei es nicht möglich, das Fahrzeug wirtschaftlich zu betreiben. Man liege sehr deutlich hinter den Planzahlen beziehungsweise auch Vorjahreswerten. Schon in den vergangenen Jahren war ein wirtschaftlicher Betrieb – trotz der Unterstützung der Städte und Gemeinden – nicht möglich, heißt es weiter. Und weil das Fahrzeug mit 300 000 Kilometern in die Jahre gekommen ist, sei auch eine Neuanschaffung für 100 000 Euro im Raum gestanden.
Zehn Jahre habe man das Projekt nun getragen, sei aber nie auch nur annähernd wirtschaftlich gewesen. Einer Neuauflage erteilte Kaupisch daher eine Absage. Betroffen vom Aus sind drei Fahrer. Für sie suche man nach einer anderen Beschäftigung, so erklärt Kaupisch. Menschen mit Behinderung seien nicht direkt betroffen.

Die Nachfrage war zu gering

„Das Projekt war hochgradig defizitär“, erklärt auch Karlsdorf-Neuthards Bürgermeister Sven Weigt, der zudem stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe ist. Selbst wenn sich die Kommunen mit höheren Summen beteiligt hätten, stünde das Projekt wohl früher oder später vor dem Aus.
Die Einzelhandelsstruktur habe sich verändert, Märkte bieten mittlerweile selbst Lieferservices an, die Nachfrage war zu gering, erklärt Weigt. „Das stand einfach nicht mehr im Verhältnis.“ Die Schaffung integrativer Arbeitsplätze könne auch anderweitig, etwa in den Cap-Märkten erfolgen.
Für Östringens Bürgermeister Felix Geider kommt das Aus überraschend: „Ich hatte sofort zugesichert, dass wir als Gemeinde uns hier auch mit höheren Beträgen engagieren würden“, so Geider. „Ich bedauere die Schließung sehr. Unsere Supermärkte liegen alle in der Peripherie und sind daher für manche Menschen nur schwer zu erreichen.“