EIN ZUGUNGLÜCK IM TUNNEL – auch dafür müssen die Einsatzkräfte rund um Bruchsal geschult sein. Immerhin liegt der 3,3 Kilometer lange Rollenbergtunnel der Deutschen Bahn komplett auf Bruchsaler Gemarkung. Am 17. November ist dort „Großlage“. Die Bahn hat für diesen Fall Spezialzüge im Einsatz. | Foto: dpa

Im Bruchsaler Tunnel

„Zug entgleist“ – die Feuerwehr übt den Ernstfall

Es wird eine der größten Notfallübungen, die es in den vergangenen Jahren in der Region gab. Sie „steigt“ in der Nacht vom 17. auf den 18. November in und am Rollenbergtunnel der Deutschen Bahn. Mehrere Hundert Einsatzkräfte aus der gesamten Region sollten sich diesen Termin schon mal vormerken. Sie werden in dieser Nacht nicht zum Schlafen kommen, sondern an der Schnellbahnstrecke Stuttgart-Mannheim gefordert sein.

Bei Tempo 130 aus dem Gleis

Mittlerweile nehmen die Vorbereitungen konkrete Formen an: Bei einem Vor-Ort-Termin an den beiden Tunnelportalen machten sich Feuerwehren, Ärzte, ja sogar der Förster und weitere Rettungskräfte dieser Tage ein Bild vom künftigen Einsatzort und vom geplanten Szenario: Ein ICE mit Hunderten Passagieren entgleist mit Tempo 130 im 3,3 Kilometer langen Tunnel. Ein Waggon kippt um, es gibt mehrere Verletzte aller Kategorien und Menschen, die sich zu Fuß in Richtung der beiden Tunnelportale durchschlagen.

AN DEN BEIDEN PORTALEN des Rollenbergtunnels – hier das Westportal – werden die Einsatzkräfte Stellung beziehen, um die Verletzten und fliehende Passagiere weiter zu versorgen. | Foto: Zäpfel

Notfallzüge rücken aus

Und hier kommen die örtlichen Rettungskräfte ins Spiel, allen voran die Bruchsaler Feuerwehr, bei der die Fäden zusammenlaufen und die mit der Bahn das Szenario entwickelt hat: Polizei und Bundespolizei, Technisches Hilfswerk, die Feuerwehren aus Bruchsal, Kraichtal, Bretten und Ubstadt-Weiher, die Führungsstäbe, der Landkreis Karlsruhe, die Stadt Bruchsal, die Bahn, die DLRG, das DRK, die Malteser und auch die Bruchsaler Klinik nehmen an der Übung teil. Außerdem rücken zwei Notfallzüge aus Stuttgart und Mannheim an, die von beiden Seiten der sogenannten Schnellbahnstrecke bis zum Unglücksort im Tunnel vorrücken und dort die Verletzten bergen. Im Schritttempo und ausgestattet mit einer Wärmebildkamera fahren sie in den Tunnel ein – immer achtgebend, ob nicht ein Passagier auf den Gleisen ist, der in Richtung Ausgang flieht.

Arbeiten hier mit großem Besteck

Koordiniert wird das Ganze aus dem großen Sitzungssaal im Bruchsaler Rathaus heraus. An jedem Tunnelportal gibt es eine Einsatzabschnittsleitung. Auch die systematische Koordination einer solchen „Großlage“ muss unter möglichst realistischen Bedingungen geübt werden.
„Wir arbeiten hier schon mit dem großen Besteck“, sind sich Bruchsals Bürgermeister Andreas Glaser und Feuerwehrkommandant Bernd Molitor einig. Am östlichen Tunnelportal wird zudem mitten in der Nacht ein Behandlungsplatz aufgebaut – mehrere Zelte, in denen Verletzte gesichtet, kategorisiert und behandelt oder von dort abtransportiert werden können.

VERLETZTE aus dem entgleisten Zug zu retten – das wird Teil des Szenarios sein. | Foto: dpa

Klinik übt mit

Die Tunnelportale sind nur über kleinere Rad- und Feldwege zu erreichen. Daher muss die Bundesstraße 3 zwischen Bruchsal und Ubstadt in dieser Nacht gesperrt werden, um überhaupt genug Raum für die Fahrzeuge, für schweres Gerät und die vielen Einsatzkräfte zu haben. Wie fährt man mit Dutzenden Fahrzeugen an die Unglücksstelle, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen – Teil des Szenarios. Auch die zentrale Notaufnahme der Fürst-Stirum-Klinik „spielt“ mit und muss sich um Verletzte kümmern.

Übung dauert die halbe Nacht

„So etwas gab es bisher hier noch nicht“, ist sich Molitor sicher. „Unser Ziel ist es, die Einsatzpläne zu überprüfen, unsere Ortskenntnisse zu verbessern, bahnspezifische Rettungen und die Zusammenarbeit mit den anderen Hilfsorganisationen zu üben“, erklärt Andreas Kroll aus der Übungsleitung. Außerdem soll auch die Zusammenarbeit mit den Spezialisten der Rettungszüge geübt werden, die ihre Patienten am Tunnelportal an die hiesigen Kräfte übergeben und so eine Art Pendelverkehr einrichten. Bis 4 Uhr wird intensiv geübt. Dann ist Schluss. Denn um 5 Uhr lässt die Bahn wieder den regulären Schienenverkehr anrollen. Bis dahin muss alles wieder so aussehen, als wäre nie etwas passiert. In der Hoffnung, dass tatsächlich nie etwas passiert.