Den Fragen der vielen Besucher in der Kraichgauhalle standen (von links) auf dem Podium Holger Seufert, Sybille Klett, Christian Kerti und Klaus Detlev Huge Rede und Antwort. Bernhard Steltz leitete die Wahlkampfveranstaltung. | Foto: Heintzen

Wahl in Bad Schönborn gefragt

Zweite Vorstellungsrunde wird in Schönbornhalle verlegt

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Kurz nach 22 Uhr am Dienstagabend beendete Wahlausschussleiter Bernhard Steltz die erste öffentliche Kandidatenvorstellung in Bad Schönborn. Sie war vor der Wahl am 3. Februar auf ungeahnt großes Interesse nicht nur bei den Langenbrückenern gestoßen. Diszipliniert und fair fand er die über dreistündige Veranstaltung in der Kraichgauhalle, bei der sich die vier Kandidaten vorgestellt hatten (siehe Artikel unten).

Bei der anschließenden Fragerunde standen sie den Wählern Rede und Antwort. Die meisten – und durchaus auch kritische – Fragen musste Amtsinhaber Klaus Detlev Huge beantworten, der es während der achtjährigen Amtszeit natürlich „nicht jedem recht machen“ konnte.

Grünes Licht der Rechtsaufsicht

Pünktlich um 19 Uhr hatte Steltz die Wahlkampfveranstaltung eröffnet: Jeder Sitzplatz war belegt, an den Wänden der Turnhalle standen die Zuhörer in Zweierreihe (die Bruchsaler Rundschau berichtete bereits kurz). Viele Besucher waren da am Eingang zur überfüllten Halle bereits abgedreht, um auf die zweite Vorstellungsrunde an diesem Donnerstag zu hoffen. Die soll nun – nach den Erfahrungen am Dienstagabend – in der größeren Schönbornhalle in Mingolsheim stattfinden. Dort gibt es allein 950 Sitzplätze. Wie Hauptamtsleiter Edgar Schuler im BNN-Gespräch erklärte, hat die Rechtsaufsicht des Landratsamtes Karlsruhe am Mittwochvormittag grünes Licht für die Verlegung gegeben. Um auch Nachzüglern eine Chance zu einzuräumen, wird die zweite Runde erst um 19.15 Uhr starten.

„Warum soll ich Sie wählen?“

Die wichtigste Frage, nach allerhand Sachthemen, an Huges Mitbewerber stellte zum Schluss eine Frau: „Warum soll ich Sie wählen?“ Holger Seufert hält sich für den „richtigen Kandidaten“. Christian Kerti möchte in dem Amt vor allem „Bürgerinteressen stärken“. Sybille Klett setzt auf „offenen Austausch“ und sachorientierte Politik. Was den Wählern sonst so auf den Nägeln brannte, war in den vorhergehenden Fragen deutlich geworden: So ging es beispielsweise um die Förderung von Vereinen und Ehrenamt. Wie wollen die Kandidaten eine bürgernahe Verwaltung, die Verbesserung des ÖPNV oder die Integration von Flüchtlingen erreichen?

Noch Luft nach oben bei Erreichbarkeit

Amtsinhaber Huge konnte dabei mit seinem Erfahrungsschatz aus acht Jahren Verwaltungsarbeit überzeugen. Er verwies selbstkritisch auf jüngste Anstrengungen für eine verbesserte Erreichbarkeit der Rathauszentrale: „Da ist noch Luft nach oben.“ Mit Landeszuschüssen will er außerdem eine neue Beitragsstruktur für Kita-Gebühren oder niedrigere Mensapreise in der Gemeinschaftsschule erarbeiten.

Vor allem Sauberkeit

Herausforderin Klett legte viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild der Gemeinde, mit dem es zu punkten gelte. Ansonsten signalisierte sie Gesprächsbereitschaft zu allen Themen und kündigte die Zusammenarbeit mit Behörden für mehr Fördermittel oder der Deutschen Bahn für mehr Sauberkeit am Bahnhof an.

Gespräche gegen Spritzen

Kerti sah sich unter anderem als Anwalt der Jugendlichen oder der Pendler, die von einem erweiterten Tarifverbund profitieren könnten. Mehr Treffs und präventive Gespräche durch geschulte Eltern forderte dagegen Holger Seufert, als es um Spritzenfunde auf dem Schulhof in Langenbrücken ging. Umstritten war der Umgang mit der sanierungsbedürftigen Schönbornhalle: Die Vorschläge reichten von Abriss bis Neubau.

Mit diesen Konzepten haben sich die Kandidaten beworben:

Klaus Detlev Huge sieht sich nicht als Mann, der beim Kurparkfest Hände schüttelt: Stattdessen will er „ohne Seilschaften“ das Profil Bad Schönborns als „familienfreundliche Gesundheitsgemeinde“ weiter schärfen. Dazu gehört für den 57-Jährigen der Bau einer Umgehungsstraße mit möglicher Trassenführung westlich von Kislau und nördlich vom Reimoldsee – einen Bürgerentscheid soll es dazu geben. Aber auch der Neubau von Kindergärten und die Erweiterung von Schulen gehören in sein Zukunftsprogramm. Statt Sanierung schlägt er den Neubau der Schönbornhalle an neuem Standort vor – teilweise finanziert durch den Verkauf von Bauplätzen am alten Standort.
In seiner Rede verwies der SPD-Politiker auf seine positive Bilanz nach acht Jahren im Rathaus: Dazu gehört der neugestaltete Rewe-Kreisel und das Lkw-Verbot in Langenbrücken sowie Tempo 30 in den Ortsteilen – Maßnahmen für mehr Sicherheit und Lebensqualität. Im Ortskern Langenbrücken wird 2019 der neue Platz in Betrieb genommen und „Im Sand“ gibt es neue Gewerbeflächen. In Mingolsheim entstehen 120 Wohneinheiten für Familien und die Sanierung des Sole-Aktiv-Parks befindet sich im letzten Abschnitt.

Christian Kerti wirbt um „Vertrauen“, das er als Turntrainer bereits bei den Kindern habe und will vieles „nicht besser, sondern anders“ machen. Dazu gehört für den 43-jährigen Mingolsheimer vor allem zuzuhören. Das hat er in den vergangenen Tagen bereits bei unzähligen Haustürgesprächen gemacht und dabei manches Problem erfahren.
So ganz ohne Verwaltungsausbildung sieht er sich im Rathaus eher als Zuhörer und Vermittler. Über eine feste Telefonnummer und E-Mail-Adresse will er außerdem dafür sorgen, dass der Bürger Probleme und Anliegen in der Verwaltung rund um die Uhr ansprechen kann und eine Rückmeldung bekommt.
Und die Probleme sieht Kerti vor allem im Bereich Kindergärten und Schulen, die aus allen Nähten platzen und sanierungsbedürftig seien. Bei der Ausweisung von zukünftigen Neubaugebieten will er die Flächen nicht mehr an Investoren verkaufen: Enge Straßen und zu wenig Grünflächen seien die Folge, so sein Eindruck. Straßen und Gehwege müssten saniert und Aufträge vornehmlich an heimische Handwerker vergeben werden. Flyer über lokale Angebote im Handel sollten gezielt an Kurgäste verteilt werden. Außerdem plädiert er für ein einheitliches Tempo 30.

Sybille Klett hebt in ihrer Bewerbungsrede die Entwicklungsmöglichkeiten und Attraktivität Bad Schönborns hervor, die es mit Blumenschmuckwettbewerben, mehr Grün und einem sauberen Bahnhof als Eintrittskarte für Besucher zu steigern gelte. Ein neues Konzept für die Gesundheits- und Bädergemeinde vom Sport über Kur bis hin zur Unterhaltung soll Bad Schönborn in der Region positionieren. Ihr Wissen um Fördertöpfe in Stuttgart und ihr Netzwerk will die langjährige Leiterin der Abgeordnetenbüros, die selber CDU-Mitglied ist, dafür gewinnbringend einsetzen.
Offen und im Gespräch mit Bürgern und Verwaltung will sie neue Ideen entwickeln und vermitteln: Sei es im Bereich Digitalisierung, die alle Bereiche des Lebens in der Gemeinde erfassen soll oder mit der Ansiedlung von Gründern im digitalen Bereich. Auch ein familienfreundlicher Ort für Jung und Alt ist der 51-Jährigen wichtig – dazu gehört ein durchgängiges Betreuungskonzept, aber auch generationenübergreifende Wohnformen. Ein Ehrenamtsbeauftragter soll den Austausch mit den Vereinen pflegen. Entlastung im Straßenverkehr und die angespannte Parksituation waren weitere Themen.

Holger Seufert hat seine „zweite Heimat“ in Bad Schönborn gefunden, deshalb will er in der Gemeinde aktiv mitgestalten: Ortsumgehung B3, Kindergartenneubau, ein solider Gewerbestandort mit sicheren Arbeitsplätzen sowie die Parkplatz- und Verkehrssituation sind für den 43-Jährigen wichtige Themen, die es anzugehen gilt.
Dafür will er seine Kontakte in Politik, Wirtschaft, Sport, Handwerk sowie Vereine einsetzen; immer im Team, in dem der Mannschaftssportler die Verwaltung erfolgreich führen will. Impulse erhofft er sich durch neue Kommunikationsplattformen, das Amtsblatt oder Bürgerversammlungen. Die Ausgangslage für eine erfolgreiche Zukunft Bad Schönborns wertet er positiv: eine intakte Gemeinschaft, ein schönes Ortsbild und gute Verkehrsanbindungen seien vorhanden.
Verbesserungsmöglichkeiten sieht er beim Thema Wohnen und Bauen – hier setzt er auf Nachverdichtung statt Neubaugebiete und zusätzlichen Flächenverbrauch. Im sozialen Miteinander soll das Verhältnis Jung und Alt sowie die Jugendarbeit gefördert werden, Senioren dabei unterstützt werden, so lange wie möglich aktiv zu bleiben. Ehrenamtliche sieht Seufert hierbei in einer wichtiger Rolle.