Ausgedient: Die Christbäume landen am Straßenrand und werden am Freitag in Bühl abgeholt und zur Kompostanlage gebracht. | Foto: Bernhard Margull

Ausgedient am Straßenrand

14 Tonnen Christbäume enden in der Bühler Kompostanlage als Dünger

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Weihnachten ist vorbei, die Christbäume haben ausgedient. Am Freitag, 11. Januar, werden die Tannenbäume im gesamten Stadtgebiet abgeholt. 14 Tonnen waren es im vergangenen Jahr insgesamt. Die genaue Zahl der Christbäume hat niemand gezählt. Schätzen kann Michael Bäuerle die gewaltige Menge nicht. Er ist bei den Mittelbadischen Entsorgungs- und Recyclingbetrieben (Merb) in Achern im Auftrag der Stadt Bühl für den Abtransport verantwortlich.

Der wird in jedem Jahr generalstabsmäßig organisiert. Zwei Müllfahrzeuge der Firma Merb, die normalerweise für Sperrmüll eingesetzt werden, sind am Freitag in Bühl unterwegs. „Normale Müllfahrzeuge haben am Heck eine Schüttvorrichtung für Behälter“, berichtet Michael Bäuerle. „Der fehlt bei den Sperrmüllfahrzeugen. Stattdessen gibt es eine große Öffnung.“

Brutal zusammengepresst

Durch diese wandern die Weihnachtsbäume ins Innere der Fahrzeuge. Die Pressplatte am Heck und die Gegenpressplatte an der anderen Fahrzeugseite bewegen sich alle paar Sekunden gegeneinander. Den Tannenbäumen geht es dann nicht besser als jedem x-beliebigen Sperrmüll. „Sie werden verdichtet“, sagt Bäuerle. Mit anderen Worten: Die schmucken Weihnachtsbäume, die eben noch das Wohnzimmer geschmückt haben, werden brutal zusammengepresst und sind dann nicht mehr als solche zu erkennen.

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Zwei Mann Besatzung, nämlich einen Fahrer und einen Lader, hat jeder der Müllwagen für ausgediente Christbäume. Einen ganzen Tag sind die beiden Teams mit ihren Fahrzeugen im Stadtgebiet unterwegs, dann ist die Weihnachtszeit in den Bühler Wohnzimmern vorbei.

In der Kernstadt, in Kappelwindeck und Rittersbach gibt es einen besonderen Service. Die Bäume werden am Straßenrand abgeholt. In den übrigen Ortsteilen wurden spezielle Sammelstellen eingerichtet, zu denen die Bürger ihre Christbäume bringen müssen.

Wer zu spät kommt, hat Pech

Spätestens bis 6 Uhr am Freitagmorgen, besser aber am Donnerstagabend müssen die Bäume am Straßenrand stehen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, eine zweite Chance gibt es nämlich nicht. „Wer den Termin verpasst, muss seinen Baum selbst zum Kompost Vogel bringen“, sagt Bäuerle. Und noch etwas gilt es zu beachten. „Bäume mit Resten von Lametta und sonstigem Weihnachtsschmuck werden nicht mitgenommen“, erklärt Matthias Buschert, Pressesprecher der Stadt Bühl. Solche Dinge lassen sich nämlich nicht kompostieren.

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Zwei bis drei Lastwagenladungen mit zusammengepressten Christbäumen kommen Jahr für Jahr bei der Kompostanlage Vogel im Bühler Stadtteil Vimbuch an. Die beiden Müllfahrzeuge kippen sie dort auf einen riesigen Haufen. Trotz der beachtlichen Menge sind die Weihnachtsbäume für die Profi-Kompostierer nur ein kleiner Fisch.

„Unser Häcksler wiegt 18 Tonnen, der macht mit den Bäumen kurzen Prozess“, berichtet ein Mitarbeiter. Ein Radlader transportiert die Bäume in den Häcksler. Den verlassen sie in Form von zwei bis 15 Zentimeter großen Holzstückchen. Eine spezielle Zerkleinerungstechnik benötigen die Weihnachtsbäume nicht. „Unser Häcksler frisst alles, was holzig ist“, verrät der Experte in der Kompostanlage.

Nach zwölf Wochen ist alles vorbei

Nicht einmal einen eigenen „Kompostberg“ ergeben die Christbäume. Diese Berge sind nämlich rund 350 Kubikmeter groß. Dafür reichen 14 Tonnen Weihnachtsbäume nicht annähernd, sodass sie mit anderem Kompostmaterial gemischt werden. Dann geht es relativ schnell. Nach acht bis zwölf Wochen ist aus dem riesigen Komposthügel wertvoller Kompost entstanden. Der landet schließlich als Bodenverbesserer und organischer Dünger in Gärten und auf dem Acker.

Das bedeutet dann Endstation für einen Christbaum, der zuvor drei bis vier Jahre in der Baumschule und anschließend weitere zehn Jahre in einer speziellen Plantage gewachsen ist. Die Zeit in den Wohnzimmern als Höhepunkt eines „Christbaumlebens“ ist mit zwei Wochen sehr kurz bemessen.