Eine Fahrt voller Angst im Rettungswagen erlebte eine schwangere Frau aus Bühl. Kein Krankenhaus in der Region konnte sie aufnehmen. Der Rettungswagen musste bis Lörrach fahren. | Foto: Armer

Schwangere im Rettungswagen

160 Kilometer bis zur nächsten Klinik

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Es ist leider kein trauriger Einzelfall. Am 17. Oktober haben die BNN von der Odyssee einer werdenden Mutter aus Bühl im Rettungswagen zu einer Entbindungsstation zwischen Baden-Baden, Offenburg und Karlsruhe berichtet. Im Frühjahr starb ein Herzinfarktpatient aus Sinzheim, weil sich zunächst kein geeigneter Platz in einer Klinik für ihn fand.

Intensivmedizin als Nadelöhr

Norbert Roeder, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums Mittelbaden, erklärte diese lebensbedrohlichen Situationen gegenüber dieser Zeitung mit bundesweiten Engpässen im Bereich der Intensivmedizin. Kliniken melden ihre Intensivstationen bei den Rettungsleitstellen aufgrund apparativer oder personeller Engpässe ab. Meist ist Personalmangel die Ursache. Das gilt für erwachsene Patienten ebenso wie für die Frühchenstation.

Viele Diskussionen in sozialen Netzwerken

Der BNN-Beitrag hat eine große Leserresonanz und zahlreiche Diskussionen in den sozialen Netzwerken im Internet hervorgerufen. Eine weitere Frau aus Bühl hat sich inzwischen bei der Redaktion gemeldet. Sie hat bei der Geburt ihrer Tochter noch weitaus dramatischere Erfahrungen gemacht. Weil weit und breit alle Plätze in der Frühchenstation belegt waren, wurde sie mit dem Rettungswagen in die rund 160 Kilometer entfernte Klinik nach Lörrach gebracht.

Ein dramatischer Fall

„In der 24. Schwangerschaftswoche hat meine Frauenärztin in Bühl diagnostiziert, dass mein Gebärmutterhals sich verkürzte“, berichtet die 34-Jährige. Die Gynäkologin empfahl der Patientin, Magnesium zu nehmen und viel zu liegen. Dennoch verschlimmerte sich ihre Situation. In der 26. Schwangerschaftswoche kam sie erneut zur Untersuchung in die Praxis und wurde von ihrer Ärztin sofort ins Krankenhaus eingewiesen. „Mein Lebensgefährte hat mich am frühen Abend direkt von der Praxis mit dem Auto nach Offenburg gefahren“, erinnert sich die Bühlerin. Noch war das Paar nicht beunruhigt. Das änderte sich beim Eintreffen in der Klinik aber schlagartig. „Dort hieß es, man habe bei meiner Frauenärztin in Bühl angerufen, um auszurichten, dass mich die Klinik nicht aufnehmen könne“, erzählt die 34-Jährige. „Doch da wir waren bereits unterwegs. Netterweise wurde ich wenigstens untersucht. Nachdem die Ärzte festgestellt hatten, dass mein Kind jederzeit auf die Welt kommen könnte, wurde es hektisch.“

Kein Platz in Offenburg

In der Offenburger Klinik stand an diesem Abend kein freier Platz auf der Frühchenstation zu Verfügung. „Die Mitarbeiter des Hauses telefonierten zwei Stunden, bis sie endlich ein Krankenhaus gefunden hatten, das mich aufnehmen konnte“, sagt die Bühlerin. Das war aber nicht mehr in der Region, sondern in Lörrach.

Weiter im Rettungswagen

Mit dem Rettungswagen ging es weiter. Die Fahrt ist der jungen Frau in albtraumhafter Erinnerung. „Ich hatte Angst um meine Tochter“, erinnert sie sich. „Mittlerweile hatte sich auch mein Muttermund geöffnet. Wäre die Fruchtblase geplatzt, hätte mein Kind dies nicht überlebt.“

Sechs Wochen in Lörrach

Sechs Wochen musste die Bühlerin in Lörrach bleiben. „Die Ärzte und die Hebammen dort waren wirklich großartig“, lobt sie. „Die beiden ersten Tage habe ich im Kreissaal verbracht, bevor ich auf Station verlegt wurde. Wegen der riesigen Entfernung habe ich natürlich nur wenig Besuch von Freunden und Verwandten bekommen.“

Geburt in Baden-Baden

Die Spezialisten in Lörrach konnten eine Frühgeburt verhindern. Der Bühlerin wurde ein Ring eingesetzt, der Muttermund geschlossen. Schließlich konnte sie nach Hause entlassen werden. Tochter Josefine kam nach neun Monaten im Klinikum Mittelbaden in Baden-Baden zur Welt.

Rettungssanitäterin kennt das Problem

„Glücklicherweise ist alles gut gegangen“, freut sich die junge Mutter, die ehrenamtlich als Rettungssanitäterin arbeitet. „Daher kenne ich die Probleme mit den fehlenden Plätzen in der Intensivmedizin und den Kliniken, die sich aus diesem Grund abmelden, aus eigener Erfahrung“, sagt sie. „Leider wird die Situation nicht besser, sondern schlimmer.“