In den Bußmatten baut Schaeffler ein neues Entwicklungsgebäude und das Automotive-Headquarter; das Gebäude rechts dient als zentrale Pforte für die Einrichtungen in den Bußmatten. | Foto: Schaeffler

Schaeffler-Pläne in Bühl

60 Millionen Euro und ein neuer Schriftzug

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Die Schaeffler AG investiert 60 Millionen Euro in den Standort Bühl. Die Bauarbeiten für ein Entwicklungsgebäude und das Automotive Headquarter beginnen im September. Im Mittelpunkt steht die E-Mobilität. Das Unternehmen rechnet mit 350 zusätzlichen Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren.

Die Veränderungen beim größten Bühler Arbeitgeber werden jetzt auch nach außen sichtbar: Auf den Dächern der verschiedenen Gebäude in Bühl, Kappelrodeck und Sasbach wird wie bereits im vergangenen Spätjahr angekündigt der Schriftzug LuK durch Schaeffler ersetzt. Und wohl noch wichtiger: Am 22. September wird der erste Spatenstich für das neue Entwicklungsgebäude und Automotive-Headquarter Schaeffler gesetzt. Der Bühler Gemeinderat hat für den dafür notwendigen Bebauungsplan der Innenentwicklung „Bußmatten, 2. Änderung“ jetzt den Entwurf gebilligt.

Stärkung des Standorts

Auf einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern sind Büroräume für rund 500 Personen vorgesehen und eine Kantine, ein Konferenzbereich sowie Prototypenbau und Prüfstände geplant. Dazu kommen ein Gebäude als zentrale Pforte für die Gebäude in den Bußmatten sowie ein Parkhaus. Die Nutzfläche beläuft sich auf etwa 12 000 Quadratmeter. Das Investitionsvolumen beträgt rund 60 Millionen Euro, es werden voraussichtlich 350 Arbeitsplätze, hauptsächlich im Bereich E-Mobilität, in den nächsten Jahren neu entstehen. Die Unternehmensleitung wertet den Bau der neuen Gebäude als Stärkung des Standorts, der im vergangenen Jahr zum neuen Hauptsitz der weltweiten Schaeffler Automotive-Sparte bestimmt wurde und gerade mit Blick auf die E-Mobilität zur Triebfeder für Schaeffler werden soll. „Die Entscheidung für Bühl ist ein enormer Vertrauensbeweis in die Tugenden und Stärken an diesem Standort. Die Kollegen und Kolleginnen hier am Standort brennen für unsere Technik und wollen unbedingt mit weiteren Innovationen Geschichte schreiben. Damit stellen wir uns erfolgreich für die Zukunft auf“, sagt Matthias Zink, Vorstand Automotive OEM der Schaeffler AG.

Neuer „Dach-Auftritt“

Begleitet wird dieser Prozess durch den neuen „Dach-Auftritt“, für den die Arbeiten bereits begonnen haben. Die Fassaden werden gestrichen, die gelben LuK-Logos abgebaut und die neuen Leuchtschriften „Schaeffler“ bis Mitte September installiert. Die Vereinheitlichung des Außenauftritts erfolgt im Rahmen des Projekts „Global Branding“, einer Initiative des Zukunftsprogramms „Agenda 4 plus One“, mit der die Strategie „Mobilität für morgen“ vorangetrieben wird. Die offizielle Einweihung der neuen Logos wird am 22. September mit einem Mitarbeiterfest gefeiert (am Standort Bühl sind rund 5 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt), am Tag des ersten Spatenstichs in den Bußmatten.

 

Der grüne Namenszug Schaeffler ersetzt auf den Firmengebäuden in Bühl, Kappelrodeck und Sasbach das LuK-Logo. Foto: Schaeffler

Produktmarke bleibt erhalten

„Die Dinge verschmelzen“, hatte Matthias Zink im Oktober die neue Außendarstellung begründet. Auf Schaeffler-Ebene werde so stark zusammengearbeitet, dass einzelne Produkte nicht ohne weiteres beispielsweise INA oder LuK zugeordnet werden könnten. „Wir schreiben die Erfolgsgeschichte des Unternehmens mit dem Schaeffler-Logo auf den Dächern weiter fort“, wird Zink jetzt in einer Pressemitteilung zitiert. „Nur eine starke Marke Schaeffler hat Zukunft. Wir geben unseren Kunden damit Orientierung und positionieren uns global als bevorzugter Technologiepartner.“ Als Produktmarke bleibe LuK bestehen, werde aber künftig nur im Zusammenhang mit dem dazugehörigen Produkt und gemeinsam mit der Unternehmensmarke Schaeffler verwendet.

Einstimmig gebilligt

Den Entwurf für den Bebauungsplan „Bußmatten, 2. Änderung“ hat der Gemeinderat einstimmig gebilligt. Mit dem Bebauungsplan werden die baurechtlichen Voraussetzungen für die Bauvorhaben von Schaeffler geschaffen.Die Änderungen beziehen sich auf die bebaubare Fläche und die Höhenentwicklung. Geplant ist ein fünfgeschossiger Anbau an das frühere GSK-Gebäude, das mittlerweile in Schaeffler-Besitz ist. Es wird um etwa fünf Meter höher als das dreigeschossige Bestandsgebäude. Das vorgesehene Parkhaus, das erste in einem Bühler Industriegebiet, wird noch einmal fünf Meter höher. Die Stadtverwaltung begrüßt in der Gemeinderatsvorlage den sparsamen Umgang mit Grund und Boden, weist aber auch darauf hin, dass die bisher auf dem Grundstück festgesetzten naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen wie eine Belüftungsschneise aufgegeben werden müssen, jedoch außerhalb des Plangebiets ausgeglichen werden können. Der Ortschaftsrat Eisental stimmte zu, wie Ortsvorsteher Jürgen Lauten berichtete. Er wies aber darauf hin, dass ein klimatisches Gutachten nicht vorgelegen habe und erst in der Sitzung vorgestellt worden sei. Grundsätzlich blicke der Ortschaftsrat weiterhin sehr kritisch auf eine Bebauung über den jetzt gültigen Bebauungsplan hinaus.

Lob für Parkdeck

Vorbildlich nannte OB Hubert Schnurr die Pläne für das Parkdeck; ein solches könne auch an anderen Stellen sinnvoll sein. Pit Hirn (SPD) freute sich, dass das Unternehmen prosperiere und ein „architektonisch gelungenes Werk“ plane. Eine sinnvolle Entwicklung erkannte Lutz Jäckel (FDP). Solche Projekte könnten die Bühler Zukunft wesentlich beeinflussen. Der sparsame Flächenverbrauch führe zu höheren Gebäuden, konstatierte Karl Ehinger (FW). Doch auch hier gebe es lokalklimatisch bedingt Grenzen. Bernd Broß (CDU) sprach von einem wichtigen Vorhaben für die gesamte Stadt. Er hoffe, dass die LuK mit der E-Mobilität prosperiere. Flächen seien nicht beliebig vermehrbar, weshalb der sparsame Umgang geboten sei, so Walter Seifermann (GAL): „Wir haben schon viel verbraucht und kommen an die Grenzen. Viel geht nicht mehr.“