Schöne Aussicht: Blick vom Bergfried der Burg Windeck über den kleinen Bergfried in Richtung Bühl. | Foto: Ulrich Coenen

Ausflugsziel in Bühl

Ab Juni ist der Bergfried der Burg Windeck wieder offen

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„Dieser Investor ist ein Glücksfall!“ OB Hubert Schnurr lobte am Dienstag ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Erwin Junker, der neuen Eigentümer der Burg Windeck. Der Unternehmer hat die spätromanische Ruine, die sich auf einem Bergsporn 378 Meter hoch über Bühl erhebt, von der Familie Siedle gekauft (wir berichteten). Nach kleinen Sanierungsarbeiten, die aktuell auf der Grundlage eines TÜV-Gutachtens vom April erledigt werden, soll der Bergfried am 1. Juni wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden.
Mit dem Kauf der Burg durch Junker endet nicht nur ein Verwaltungsgerichtsprozess, den die frühere Eigentümerin gegen die Stadt angestrengt hatte. Dabei ging es um den Unterhalt von Teilen der Ruine und die Verkehrssicherungspflicht, die sich plötzlich aus einem bereits 1990 geschlossenen Pacht- und Gestattungsvertrag ergeben hatten (wir berichteten). Ad acta gelegt ist der mit dem früheren Eigentümer offiziell allerdings noch nicht. „Die Stadt ist die Beklagte“, sagt Stadtjustiziarin Elisabeth Beerens. „Der Kläger muss seine Klage zurückziehen.“ Mit einer Fortsetzung des Rechtsstreits rechnet angesichts der neuen Besitzverhältnisse im Rathaus aber niemand ernsthaft.

Viel Lob

Mit Junker gibt es jedenfalls keine Schwierigkeiten. Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Eigentümer im Hinblick auf den Zugang zur Ruine ist längst in trockenen Tüchern und der OB voll des Lobes. Mit Begeisterung liest er zurzeit (ebenso wie Elisabeth Beerens) die Autobiografie von Junker „Der Fabrikant“, die im Jahr 2010 erschienen ist. Hubert Schnur spricht von „guten Gesprächen“ und „fairen Verhandlungen“ mit Junker. „Wir haben in beiderseitigem Einvernehmen eine Lösung gefunden“, konstatiert er. „Es ist eine gute Lösung.“

Keine größeren Probleme

Das TÜV-Gutachten, das Junker in Auftrag gegeben hatte, weil er Sicherheitsbedenken im Hinblick auf die Besucher des Bergfrieds hatte, stellt die Stadt vor keine unlösbaren Aufgaben. Zurzeit kann der Turm nur unter der Führung von Hermann Deschner besichtigt werden, ab 1. Juni ist dann der Zugang wieder allgemein frei.

Der Zugang zur Oberburg ist wieder offen: (von links) Stadtjustiziarin Elisabeth Beerens, OB Hubert Schnurr und Burgführer Hermann Deschner. | Foto: Ulrich Coenen

Die Hinweise des TÜV beziehen sich nach Auskunft von Beerens auf Hinweisschilder, die für die Begehung der Ruine auf Rutschgefahr verweisen und festes Schuhwerk empfehlen, Rauchverbot im Bergfried und eine zusätzliche Beleuchtung der Treppe. Nicht alles erscheint den Verantwortlichen sinnvoll, wird aber trotzdem erledigt. Deschner hat beispielsweise Zweifel an der Notwendigkeit eines Feuerlöschers im Bergfried. „Der ist spätestens nach vier Wochen geklaut“, befürchtet der pensionierte Polizeibeamte.

Verkehrssicherheit

Das TÜV-Gutachten ist maßvoll und betrachtet die Burgruine nicht wie einen Neubau. Den Vergleich mit einem Felsmassiv weist Beerens aber zurück. „Es handelt sich um ein künstlich geschaffenes Gebäude“, konstatiert sie. „Das muss verkehrssicher sein.“ Für diese Verkehrssicherheit ist in Zukunft die Stadt zuständig, um den Erhalt der Ruine wird sich der neue Eigentümer kümmern. Die Oberburg ist bereits seit einigen Wochen wieder für die Öffentlichkeit freigegeben.

Bauzaun bleibt stehen

Allerdings ist die Ringmauer beim Bergfried mit einem Bauzaun abgesperrt. Dort laufen seit dem Frühjahr Untersuchungen wegen der Standfestigkeit. Immer noch gibt es an vielen Stellen Bewuchs (auch am Bergfried selbst), dessen Wurzeln die mittelalterlichen Mauern zu sprengen drohen.

Engagierter Burgherr

Hermann Deschner ist optimistisch, dass der neue Burgherr Junker das alles in den Griff bekommt. „Er ist regelmäßig persönlich auf der Burg“, berichtet er. Die Reben unterhalb der Windeck sind längst vom Unkraut befreit, und auch im Restaurant und Hotel im Bereich der Vorburg sind permanent Handwerker unterwegs.
„Ich bin mir ganz sicher“, sagt Oberbürgermeister Schnurr. „Erwin Junker bringt die Windeck in Ordnung.“ Der Burgfriede zwischen der Stadt und dem neuen Burgherrn ist jedenfalls nach langem Zwist mit seinem Vorgänger wieder hergestellt.