Der Abriss hat begonnen. In drei Wochen soll das Bühler Kino „Blaue Königin“ in der karl-Reinfried-Straße verschwunden sein. Auf dem 1800 Quadratmeter großen Grundstück entstehen zwei Geschosswohnungsbauten. | Foto: Bernhard Margull

Bühler Kino wird abgerissen

Bagger nagt an der „Blauen Königin“

Seit Donnerstagmorgen schreibt der Bagger das letzte Kapitel der Bühler Kinogeschichte. Auf dem Gelände der „Blauen Königin“ in der Karl-Reinfried-Straße wurde mit den Abrissarbeiten begonnen. In drei Wochen wird vom Kino nichts mehr zu sehen sein. Auf dem 1 800 Quadratmeter großen Gelände entstehen zwei Wohnbauten. Planer und Bauträger ist Wilhelm Architektur in Achern.

Viergeschossig mit Penthouse

Die beiden Neubauten werden viergeschossig mit einem zusätzlichen Penthouse. Insgesamt werden über einer Tiefgarage mit 40 Stellplätzen 32 Wohnungen mit zwei, drei und vier Zimmern zwischen 57 und 147 Quadratmetern entstehen. Die Bauarbeiten beginnen im Juli oder August, die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant.

Nachfrage ist groß

Wilhelm Architektur hat vor einer Woche mit der Vermarktung der Wohnungen begonnen. „Die Nachfrage ist sehr groß“, erklärt Geschäftsführer Christian Wilhelm im Gespräch mit dieser Zeitung. Das überrascht nicht, denn die Nachfrage nach Wohnungen in der Innenstadt ist gewaltig. Das Angebot kann die Nachfrage nicht annähernd befriedigen. Wie berichtet, wird es eine Zusammenarbeit zwischen Wilhelm Architektur und dem benachbarten Veronikaheim geben. In den Neubauten ist bei Bedarf betreutes Wohnen möglich, den Service bietet dann das Veronikaheim. „Es ist aber kein Muss“, sagt Wilhelm. „Wer das Angebot nicht nutzt, dem entstehen durch diese Option auch keine zusätzlichen Kosten. Allerdings kann das betreute Wohnen jederzeit hinzugebucht werden. Das gab es in Bühl bisher noch nicht.“

Zwei Neubauten entstehen auf dem Kinogelände. Die Simulation von Wilhelm Architektur zeigt das vordere Gebäude an der Karl-Reinfried-Straße. | Foto: Wilhelm Architektur

Wandgemälde des Kinos

Die beiden Baukörper sind im Hinblick auf ihre Dimensionen und die Fassadengestaltung verschieden. Das vordere Gebäude an der Karl-Reinfried-Straße ist kleiner. „Wir behandeln niemals zwei Baukörper völlig gleich“, erklärt Wilhelm. Auf der Hauptfassade des Hauses an der Karl-Reinfried-Straße prangt der berühmte Schriftzug „Blaue Königin“, der einzigartig für ein deutsches Kino war. Die Seitenfassaden gestaltet Thomas Glaser, der in den vergangenen Monaten im Kino eine Kunstausstellung präsentiert hat, mit zwei Wandgemälden der „Blauen Königin“.

Farbliche Reminiszenzen

Es soll eine weitere farbliche Reminiszenz geben. „Unser Farbkonzept erinnert ebenfalls an das Lichtspielhaus“, berichtet Wilhelm. Die Putzfassade, die teilweise mit Paneelen verkleidet ist, wird in zwei unterschiedlichen Blautönen und in Gold gehalten. „Das Blau steht selbstverständlich für die Bühler Zwetschge, das Gold in den oberen Stockwerken für die Königin und ihre Krone“, sagt der Bauherr.

Sehr lebhafte Fassaden

Die Neubauten entsprechen, abgesehen von der sehr ungewöhnlichen Farbgebung, dem Typus, der in den vergangenen Jahren in Bühl weite Verbreitung gefunden hat. Geschosswohnungsbau erhält häufig ein zusätzliches Penthouse. Das hängt auch mit dem Wunsch nach einer maximalen Nutzung des Dachgeschosses zusammen. Die sehr lebhaften Fassaden der beiden geplanten Wohnhäuser auf dem Kinogelände mit ihren vor- und zurückspringenden Balkonen und Loggien sowie den unterschiedlichen Fensterformen (mit und ohne Sprossen) wirken plastisch und verzichten auf eine Symmetrie.