Fahrradtouren gehören zum Programm der Architekturtage. Zwei Touren stehen am 8. und 14. Oktober in Rastatt auf dem Programm. | Foto: MEA

Architekturtage am Oberrhein

„Städte wachsen und platzen aus allen Nähten“

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Erstaunlich! Im Motto der 17. trinationalen Architekturtage kommt das Wort Architektur gar nicht vor. „Das ist eine Premiere“, räumte Anne-Lena Klüners ein. Sie ist Koordinatorin des Festivals, das vom 29. September bis 27. Oktober beidseits des Rheins in Baden-Württemberg, dem Elsass und Basel stattfindet. Veranstalter der Reihe, die Jahr für Jahr rund 50 000 Besucher anzieht, ist der Verein „Das europäische Architekturhaus“ mit Sitz in Straßburg. Ihm gehören auf deutscher Seite der Bund Deutscher Architekten (BDA) und die Architektenkammer Baden-Württemberg an. In diesem Jahr sind 200 Veranstaltungen in 28 Städten geplant. Natürlich hat das aktuelle Motto des Festivals nach wie vor mit Architektur zu tun: „Die Stadt ändern, das Leben ändern.“

Flagge zeigen für Europa

Das Programm im Landkreis Rastatt stellte Klüners gemeinsam mit Bühls Oberbürgermeister Hubert Schnurr, der als Schüler von Albert Speer jun. gelernter Stadtplaner ist, im Rathaus vor. Während sich die Bühler bereits zum fünften Mal an der erfolgreichen Reihe beteiligen, ist die Stadt Rastatt in diesem Jahr erstmals dabei. Schnurr betonte den Stellenwert der Veranstaltung, auch unabhängig von der Bedeutung, die Architektur und Stadtplanung für Kommunen ohne jeden Zweifel haben. „Das grenzüberschreitende Festival ist eine tolle Sache“, meinte er. „Es ist ein wichtiger Beitrag zu Europa. Gerade in der heutigen Zeit ist es von großer Relevanz, Flagge zu zeigen.“

Probleme in den Städten

Klüners erklärte, warum in diesem Jahr die Stadt im Mittelpunkt der Architekturtage steht. „Die Städte wachsen und platzen aus allen Nähten“, sagte sie. „Es gibt viele offene Frage, beispielsweise die Wohnungssituation oder den Öffentlichen Personennahverkehr.“ Der Themenkomplex Stadt steht im Mittelpunkt des Rastatter Programms.

Vier Veranstaltungen in Bühl

In Bühl sind vier Veranstaltungen geplant, die sich zum Teil nur in einem sehr weiten Sinne mit Architektur beschäftigen. In den vergangenen Jahren waren die Bühler Beiträge deutlich architekturspezifischer.
Ein Workshop Fotopotch steht am Dienstag, 10. Oktober, in Bühl auf dem Programm. Bei dieser Technik werden Fotografien auf Holzplatten übertragen. Natürlich sollen das im Rahmen des Festivals Architekturfotos sein. Die Teilnehmerzahl ist auf acht Personen beschränkt. Treffpunkt ist Rathaus II (Hauptstraße 41). Der Kurs beginnt um 17 Uhr.

Generationsübergreifende Stadtführung

Weiter geht es in Bühl am Freitag, 13. Oktober, um 15 Uhr mit einer generationsübergreifenden Stadtführung. Ein Erwachsener (Martin Krauth) und eine Jugendliche (Milena Meyer) führen die 20 Teilnehmer durch die Stadt. Sie lernen 18 prägnante Gebäude und Denkmäler aus rund fünf Jahrhunderten vom Rathaus I bis zur Mediathek und damit verbundene Anekdoten kennen. Treffpunkt ist beim Rathaus II.

Mundartlesung mit Otmar Schnurr

Eine Mundartlesung mit Otmar Schnurr gibt es am Mittwoch, 18. Oktober, um 19 Uhr in der Rohrhirschmühle in Altschweier. In seiner Rolle als Nepomuk der Bruddler erzählt Schnurr laut Programmheft auf ironische Weise Begebenheiten mitten aus dem Leben. Der einzige Bezug zu den Architekturtagen besteht bei dieser Autorenlesung im Denkmalschutz der Rohrhirschmühle.

Im vergangenen Jahr hatte Der Journalist und Schriftsteller Andreas Hillger in der Bühler Mediathek aus seinem Roman „Gläserne Zeit“ gelesen, der vor dem Hintergrund einer fiktionalen Liebesgeschichte die Entwicklung des legendären Bauhauses in Dessau beleuchtet. Der Kartenvorverkauf für die Lesung am 18. Oktober läuft im Bürgeramt der Stadt.

Workshop Heimatpost

Der Workshop Heimatpost schließt am Montag, 23. Oktober, die Bühler Programmbeiträge ab. Die acht Teilnehmer können ab 17 Uhr aus Stadtplänen Briefbögen und -umschläge gestalten. Treffpunkt ist Rathaus II.

Anmeldungen bei der Stadt Bühl

Anmeldungen und Infos zu den Bühler Veranstaltungen per Mail unter der Adresse: m.schemel.stadt@buehl.de.

Zwei Programmpunkte in Rastatt

Die beiden Rastatter Veranstaltungen haben eine deutlich größere Nähe zur Architektur. „Wohnen auf Konversionsflächen“ lautet am 8. und 14. Oktober jeweils um 10 Uhr (Treffpunkt Reithalle am Kulturplatz) das Thema einer von Architekten begleiteten und kommentierten Radtour. „Sehr früh hat sich die Stadt Rastatt entschieden, die Stadtentwicklung bevorzugt auf Konversionsflächen zu realisieren“, heißt es dazu im Programmheft. „Der Schwerpunkt der Konversionsprojekte liegt im Wohnungsbau.“ Die Radtour führt zu den wichtigsten Projekten, die sich zum Teil noch im frühen Realisierungsstand befinden. Ziele sind Baldenau, Murgcarré, Leopoldsplatz, Neue Ludwigsvorstadt und Ludwigsfeste. Auskünfte und Anmeldung bei der Stadt Rastatt: (07222) 972 4060 oder innenstadtsanierung@rastatt.de.

Architektur-Ausstellung im Schlosshof

Wesentlicher Bestandteil des Festivals ist in jedem Jahr die Wanderausstellung, die vom 18. bis 24. Oktober im Ehrenhof von Schloss Rastatt gastiert. In insgesamt neun Städten wird diese Schau den Besuchern die vielseitige Architektur der Oberrheinregion in Form von großformatigen Fotos zeigen.