Der Kleine Dorfplatz ist die Aula des Kindergartens Regenbogen im Baden-Badener Stadtteil Steinbach. | Foto: Ulrich Coenen

Neubau in Baden-Baden

Auf dem Gute-Laune-Kindergarten blüht der Klatschmohn

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„Das Haus macht gute Laune!“ Dieser Satz entspricht in seiner Terminologie nicht dem klassischen Jargon der Architekturkritik. Eine Erzieherin beschreibt damit aber sehr treffend, wie sie und die anderen Nutzer den neuen Kindergarten Regenbogen im Baden-Badener Stadtteil Steinbach erleben. Vor zwei Wochen sind die Kinder und ihre Betreuerinnen aus dem unmittelbar benachbarten Provisorium, das ein Vierteljahrhundert Bestand hatte, in den von Hansulrich Benz aus Weissach (Landkreis Böblingen) entworfenen Neubau umgezogen. Mit den Bauarbeiten wurde im Frühjahr 2018 begonnen. Der Kostenrahmen wurde mit 2,4 Millionen Euro etwas überzogen, angesichts der guten Baukonjunktur keineswegs ungewöhnlich.

Städtebaulich markant

Der bungalowartige Kindergarten, der mit seinem trapezartigen Grundriss der Form des Grundstücks folgt und sich in den terrassierten Hang fügt, setzt an der städtebaulich markanten Biege der Dr. Arweiler-Straße einen selbstbewussten Akzent. Die bis zu dreigeschossigen benachbarten Wohnhäuser überragen deutlich den Neubau, auf dessen extensiv begrüntem Flachdach bereits der Klatschmohn blüht. Seine Sonderstellung definiert der Kindergarten über die Lamellenfassade aus ungewöhnlich kräftigen vertikal angeordneten Lärchenholzpfosten, die sich vom Putz und Waschbeton der Umgebung wohltuend absetzen.

Der Kindergarten Regenbogen erhebt sich an städtebaulich markanter Stelle in der Kurve der Dr. Arweiler Straße. | Foto: Ulrich Coenen

Holz ist nicht nur Dekor

Das Holz ist mehr als Dekor. Der Kindergarten wurde als tragende Holzrahmenkonstruktion ausgeführt. Die Vorliebe des Architekten für den natürlichen Baustoff mag mit seiner Ausbildung zum Schreiner zusammenhängen, die dem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart voranging.

Ergebnis eines Wettbewerbs

Der Kindergarten Regenbogen, der Ergebnis eines Einladungswettbewerbs ist, folgt dem Vorbild der 2012 von Benz vollendeten evangelischen Kindertagesstätte „Fuchsbau“ im Pforzheimer Stadtteil Büchenbronn. Die wurde 2014 vom Bund Deutscher Architekten (BDA) mit der Hugo-Häring-Auszeichnung prämiert. „Unsere Idee war, statt eines strengen hierarchischen Grundrisses eine kleine Stadt mit Plätzen und Gassen für die Kinder zu schaffen“, erklärt Benz seinen Ansatz. Der Baukörper, den Benz in Steinbach geschaffen hat, ist eine Weiterentwicklung und erscheint mit seinen abgerundeten Ecken im Inneren organischer als das Vorbild in Büchenbronn.

Das Oberlicht des Kleinen Dorfplatzes im Kindergarten Regenbogen | Foto: Ulrich Coenen

Heiter und einladend

Der Kindergarten Regenbogen wirkt heiter und einladend und vermittelt den Kindern durch die in die Fassaden eingeschnittenen bodentiefen Fensterbänder gleichzeitig Schutz und Geborgenheit. Diese deutlich zurückspringenden Fenster und Türen werden durch fröhliche farbige Fassadenelemente, die bunte Kontraste zur Holzfassade setzen und eine Reminiszenz an den Namen „Regenbogen“ sind, gegliedert. Durch die großzügige Verglasung sind Blickbeziehungen in die vom Landschaftsarchitekten Stefan Fromm (Dettenhausen) gestaltete terrassierte Außenanlage möglich, die mit ihren schönen Spielgeräten aus Holz die Materialität des Gebäudes aufgreift.

Der Grundriss ist klar strukturiert, so dass sich auch Kinder gut zurecht finden. In der Mitte befindet sich die Sanitärinsel. | Foto: Ulrich Coenen

Fast taghell

Der Besucher betritt den Kindergarten durch den Haupteingang an der Dr. Arweiler Straße und gelangt zunächst in einen großen Raum, den Benz als „kleinen Dorfplatz“ bezeichnet. Diese um einen Mensabereich erweiterte Aula wird durch ein großes Oberlicht belichtet, das gemeinsam mit der großzügigen Verglasung der Fassaden für eine fast taghelle Atmosphäre sorgt.

Die Gruppenräume orientieren sich in Richung Garten und sind lichtduchflutet. | Foto: Ulrich Coenen

Klar strukturierter Grundriss

Der Grundriss des Hauses mit seinen 600 Quadratmetern Grundfläche, in dem 50 Kinder in drei Gruppen betreut werden, ist klar gegliedert, so dass sich auch die Kleinsten sofort zurecht finden. In der Mitte steht eine Sanitärinsel, die mit ihren abgerundeten Ecken tatsächlich wie ein Eiland aus einem Kinderbuch erscheint. Um sie herum führt eine Korridor, der an seinen Außenseiten von Gruppen- und Funktionsräumen gesäumt wird. Kreisrunde Oberlichter und großzügige Glaselemente zu den Gruppenräumen sorgen dafür, dass Tageslicht alle Räume durchflutet. Innen- und Außenbereich verschmelzen. Auch an die Zukunft wurde gedacht: Das höher gelegene Gelände des bisherigen Kindergartens steht als Reservefläche für einen möglichen Erweiterungsbau zur Verfügung, der über einen Verbindungsgang an die weitgehend geschlossene Nordseite des Neubaus angebunden werden könnte.

Die Fenster sind tief in die Holzfassde eingeschnitten und vermitteln Geborgenheit, | Foto: Ulrich Coenen

Begeisterte Nutzer

Daran denkt aktuell aber noch niemand. Kindergartenleiterin Christine Schäfer freut sich wie alle über die gelungene neue Heimat. „Jeder, der in dieses Haus kommt, ist total begeistert“, berichtet sie. Eben eine Architektur für gute Laune vom Kind bis zum Erwachsenen.