Gemeinsam mit dem Klimaforscher Mojb Latif stellte der frühere Bühler Frank Schweikert (rechts) in Bonn die Hamburger Klimawoche vor. | Foto: Klatt

Klimawandel und die Folgen

Auf die Mitte der Gesellschaft kommt es an

Von Patricia Klatt
Eine begehbare Erdkugel von 24 Meter Durchmesser mit einem Vier-Meter-Globus im Inneren, darin ein voll besetztes Auditorium und an seiner Seite einer der bedeutendsten Klimaforscher Deutschlands – der frühere Bühler Frank Schweikert hätte sich wohl keinen eindrucksvolleren Ort als den Climate Planet auf der Welt-Klimakonferenz COP23 in Bonn wünschen können, um zu zeigen, wie man Menschen erfolgreich zum Klimaschutz motivieren kann.

Hamburger Klimawoche vorgestellt

Auf Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellte Schweikert die Ziele und Aktivitäten der Hamburger Klimawoche vor, die er 2009 initiiert hatte.
Auslöser sei damals eigentlich seine Öffentlichkeitsarbeit für Hamburger Klimaforscher gewesen, so Schweikert, „dabei ist mir klar geworden, wie wichtig es ist, die Auswirkungen des Klimawandels für alle, nicht nur für die Wissenschaft, verständlich und begreifbar zu machen. Es ist auch eine Frage der Sprache. Wissenschaftler, Medien und Politiker haben eine andere Sprache, und es ist die Motivation der Klimawoche, alle zusammen zu bringen.“ Das hat er geschafft, denn die Klimawoche ist eine Mischung aus wissenschaftlichen Vorträgen, Ausstellungen und Exkursionen, einem Bildungsprogramm für Schüler sowie einem kulturellen Begleitprogramm. Da gehe es zum Beispiel um Elektromobilität, Offshore-Windanlagen, Solar-Initiativen, um Stadtreinigung und Nachhaltigkeit, aber auch um Klimakonflikte in Kenia. Und beim Klima Science Slam hätten junge Wissenschaftler spannende und wichtige Klimathemen aus ihrem Forscheralltag in unterhaltsame Shows verwandelt, so Schweikert. So sollen möglichst viele, ganz unterschiedliche Menschen erreicht und von dem persönlichen und globalen Nutzen sowie der Notwendigkeit der Nachhaltigkeitsziele überzeugt werden.

Zusammenarbeit mit Bühl angeboten

Mittlerweile sei die Hamburger Klimawoche die größte Klima-Kommunikationsveranstaltung Europas geworden, freut sich Schweikert. „Änderungen kommen nicht aus der Politik, sondern sie müssen aus der Mitte der Gesellschaft kommen“, ist sich Schweikert sicher und zeigt sich beeindruckt von dem Bühler Engagement in puncto Klimaschutz. Ob Klimarat, Klimopass, Stadtplanung, Grünanlagen, Bühler Firmen, die sich für Nachhaltigkeit engagieren, Vorträge oder auch ganz aktuell das Seminar zum Klimawandel und den Folgen für die Region, das an der VHS begonnen hat, alles gehe in die gleiche Richtung wie bei der Hamburger Klimawoche, sagt Schweikert und bietet bei dieser Gelegenheit auch gleich eine Zusammenarbeit an. Solche Bewegungen seien wichtig, das steht für ihn außer Frage.

„Wir haben kein Erkenntnisproblem mehr“

Die hohe Qualität seiner Klimawoche wird von einem Beirat kontrolliert, dem auch Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel angehört. „Wir haben kein Erkenntnisproblem mehr“, so Latif, während die vier Meter große Weltkugel vor ihm symbolisch für die zukünftige Erwärmung an sehr vielen Stellen rot anläuft. Schon 1896 sei mit ersten Berechnungen gezeigt worden, dass die Erhöhung von CO2 in der Luft zu einer Erwärmung des Bodens führen würde, es sei nun endlich an der Zeit zu handeln, betont Latif. Das Klimaproblem sei ein Energieproblem, man verbrenne die fossilen Brennstoffe wie zum Beispiel Kohle und erhöhe damit die CO2-Konzentration in der Luft. „Man sollte seine Zeit nicht damit verschwenden, die Unbelehrbaren zu überzeugen“, findet Latif. Und nicht nur die Fidschi-Inseln oder Hamburg haben mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen, auch der schon jetzt schwül-heiße Oberrheingraben wird zum Klima-Krisengebiet werden.

Frank Schweikert ist in Schramberg geboren und in Bühl aufgewachsen, wo er 1983 am Technischen Gymnasium das Abitur machte. Seit 1980 war er als freier Mitarbeiter des Acher- und Bühler Boten tätig. Schweikert ist Diplom-Biologe und Journalist, die Umwelt-Kommunikation steht für ihn im Mittelpunkt. 1992 brachte er das Forschungs- und Medienschiff Aldebaran auf den Weg, mit dem er 2015 auf dem Weg zur Klimakonferenz in Paris auch in Greffern Station machte. 2009 initiierte Schweikert die Hamburger Klimawoche, 2015 war er Mitbegründer der Deutschen Meeresstiftung. Im Mittelpunkt seines Engagements steht die Kommunikation über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem Meer.

 

Folgen am Oberrhein

Bereits heute kann man auch am Oberrhein die Folgen des Klimawandels spüren. Extreme Wetterereignisse nehmen zu, Starkregen, Hagel, Stürme, zunehmende Hitze und Schwüle machen allen zu schaffen.
Im ersten „Monitoringbericht zu Klimafolgen und Anpassung“ in Baden-Württemberg, herausgegeben vom Umweltministerium, werden die Klimafolgen für Wald und Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Boden, Naturschutz und Biodiversität, Wasserhaushalt, Tourismus, Gesundheit, Stadt- und Raumplanung sowie Wirtschaft und Energiewirtschaft untersucht. In den meisten Bereichen lassen sich bereits Veränderungen belegen, die auf den Klimawandel zurückgeführt werden können. „Besonders die Landwirtschaft, die Wald- und Forstwirtschaft sowie die Bereiche Wasser und Biodiversität sind bereits stark betroffen“, so Umweltminister Franz Untersteller. Auch Untersteller war bei der COP23 in Bonn, insbesondere um die sogenannte Under2 Coalition voranzutreiben, das weltweit größte Klimaschutzbündnis für Regionen und Städte, das 2015 von Baden-Württemberg und Kalifornien gegründet wurde und das innerhalb von zwei Jahren zu einem mächtigen Klimaschutzbündnis aus rund 200 vollkommen unterschiedlichen Regionen und Städten auf allen Kontinenten geworden ist.