Ein Verkehrschaos gibt es jeden Morgen und jeden Mittag an der Bachschloss-Schule in Bühl. | Foto: Bernhard Margull

Bachschloss-Schule in Bühl

„Taxi Mama“ gefährdet andere Kinder

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Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Die katastrophale Verkehrssituation an der Bachschloss-Schule war schon vor zwei Jahrzehnten ein Problem. Eltern, die ihre Kinder am Morgen zur Schule bringen und mittags wieder abholen, parken mit ihren Fahrzeugen zweimal täglich den Sportweg und die Eichrodtstraße zu. Dabei kommt es regelmäßig zu kritischen Situationen für die Kinder, die zu Fuß zur Schule kommen. Appelle der Schulleitung und der Stadt blieben bislang erfolglos.

Keine Besserung in Sicht

„Wir setzen in jedem Jahr nach den Sommerferien alle Hebel in Bewegung, um an dieser Situation etwas zu ändern“, erklärte Rektorin Constanze Velimvassakis auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir haben wiederholt das Ordnungsamt der Stadt und die Polizei eingeschaltet. Es hat auch schon gemeinsame Ortsbegehungen gegeben.“ Gebracht habe das bislang aber nichts.

Großes Einzugsgebiet

Das Problem ist altbekannt. Nicht alle Schüler der Bachschloss-Schule können zu Fuß zum Unterricht kommen. Dazu ist Kappelwindeck flächenmäßig viel zu groß und wird außerdem durch zahlreiche Streusiedlungen geprägt. Ein Schulbus wird aber nur für die Jungen und Mädchen kostenlos zur Verfügung gestellt, die in einer größeren Entfernung zur Schule wohnen. Aus diesem Grund reisen viele Kinder mit „Taxi Mama“ an. Das ist vor allem bei schlechtem Wetter der Fall, wenn das Fahrrad keine Alternative darstellt.

Nach Ansicht von Constanze Velimvassakis ist das tägliche Verkehrschaos trotzdem überflüssig. „Wir empfehlen den Eltern, ihre Kinder in der Nelkenstraße aussteigen zu lassen“, sagte sie. „Von dort führt ein gedeckter Fußweg an der Sporthalle vorbei in die Schule. Die Autos müssen nicht in der schmalen Eichrodtstraße parken, wo es nicht einmal einen Gehweg gibt. Auf dem Sportweg an der anderen Seite der Schule, wo die Schulbusse halten, ist die Situation eher noch schlimmer. Der Fahrradparkplatz für die Schüler ist nämlich auf der anderen Straßenseite.“

Manche Eltern reagieren rüde

Gebetsmühlenartig wird das Thema auf jedem Elternabend angesprochen. Auch die Lehrer, die Aufsicht führen, reden mit den Eltern, die hinter dem Lenkrad von „Taxi Mama“ sitzen. „Manche reagieren auf den Hinweis, dass sie andere Kinder mit ihrem Verhalten gefährden, ziemlich rüde“, erklärte Velimvassakis. Rechtlich hat die Schule keine Handhabe. Stattdessen klemmen jetzt Acht- und Neuntklässler Zettel mit nachdenklich stimmenden Sprüchen hinter die Scheibenwischer der Autos. „Gespenstisch geparkt!“ oder „Achtung, Sie gefährden gerade Schulkinder!“ heißt es da.

Stadt kennt das Problem

Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Bildung/Kultur/Generationen im Rathaus, kennt das Problem. „Es betrifft im Grunde alle Schulen im Stadtgebiet, insbesondere die weiterführenden mit ihren großen Schülerzahlen“, sagte er. „Bei schlechtem Wetter ist die Situation besonders kritisch. Schulbusse, Radfahrer, Fußgänger und die Autos der Eltern bewegen sich gemeinsam auf den Straßen um die Schulen.“

Die Stadt könne den Verkehr rund um ihre Schulen nicht lenken, meinte Dürk. Er appelliert an die Einsicht der Eltern und verweist auf die Empfehlungen, die beispielsweise die Bachschloss-Schule herausgegeben hat. „Gerade nach den Sommerferien kontrollieren Polizei und städtischer Vollzugsdienst die Straßen um die Schulen verstärkt“, berichtete der Fachbereichsleiter. „Die Verkehrsmoral der Eltern können wir aber nur bedingt beeinflussen.“

Lösung in Hannover

„Taxi Mama“ und Helikoptereltern sind natürlich nicht Bühl-spezifisch. Es gibt sie in ganz Deutschland. Die Albert-Schweitzer-Grundschule in Hannover hat nach den Sommerferien mit einer Bannmeile für die Elterntaxis auf dieses Verkehrschaos reagiert. Von 7.30 Uhr bis 8.15 Uhr darf man nur noch im gebührenden Abstand von der Schule parken.