Freie Fahrt für Fahrradfahrer: Auf eigens konzipierten Radschnellwegen soll die sichere Befahrbarkeit auch bei hohen Geschwindigkeiten gewährleistet sein, legt das Ministerium für Verkehr in Baden-Württemberg fest. | Foto: dpa

Thema im Bauauschuss

Baden-Badener Forstamt hat Bedenken bei Radschnellwegen

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Kommt ein Radschnellweg – oder kommt er nicht? In der nächsten Sitzung am kommenden Donnerstag beschäftigt sich der Bau- und Umlegungsausschuss mit der Machbarkeitsstudie Radschnellverbindungen Mittlerer Oberrhein. Der Ausschuss hört die mit den Schnellwegen befassten Behörden an.

Die Pläne für das Gebiet Karlsruhe, Rastatt und Baden-Baden will der Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RMVO) konkretisieren. Deshalb hat der Verband mit den Partnern der Stadt- und Landkreise eine Machbarkeitsstudie zu Radschnellverbindungen in Auftrag gegeben. Die Gutachter haben eine umfangreiche Datenanalyse vorgenommen und die Suchkorridore verfeinert, heißt es in der Beschlussvorlage des Bau- und Umlegungsausschusses.

Systematische Streckenbefahrungen

Mittels systematischer Streckenbefahrungen seien erste potenzielle Führungen von Radschnellwegen ausgearbeitet worden. Es gibt mehrere Varianten, die von Rastatt über Sandweier nach Baden-Baden führen. Eine weitere Alternative tangiert Haueneberstein.

Forstamt erteilt keine Zustimmung

Das Fachgebiet Forst und Natur erteilt derzeit aber für keine der vorgeschlagenen Varianten eine Zustimmung, steht in der Beschlussvorlage. „Der Ausbauzustand der Radschnellwege soll sehr hoch sein, so dass Waldwege wegfallen.“ Dies betrifft insbesondere die Verbindung zwischen Rastatt nach Sandweier. Zudem weist das Fachgebiet Forst und Natur darauf hin, dass in diesem Abschnitt ein Wildkatzendurchlass der Bahn inklusive Ausgleichsflächen geplant sei.

Sensible Bereiche wären beeinträchtigt

Der sensible Bereich, den man im Sinne der Biotopvernetzung für Wildkatzen neu gestaltet, wäre direkt von einem erhöhten Fahrradaufkommen beeinträchtigt, kritisiert das Forstamt. Ein anderer Routenverlauf durchquert den Ooser Landgraben. Dieser sei Teil des FFH-Gebiets „Bruch bei Bühl und Baden-Baden“. Nach den Planungsunterlagen müsste dieser durchquert werden. In Haueneberstein wiederum führe ein Routenverlauf von der Bertha-Benz-Straße aus bis zum ehemaligen Bahnübergang ausschließlich über Privatgrundstücke und zerschneide im Anschluss den geplanten Gewerbepark Braunmatt, heißt es.

Stadt verweist auf bestehende Machbarkeitsstudie

Der Anschluss des Radschnellweges bei der Bertha-Benz-Straße wird außerdem problematisch gesehen, weil sich dieser mitten in der Unterführung der Straße unter der Bahnlinie befindet.
Für den Bereich Sandweier wird laut Vorlage auf die bestehenden Planungen und die bereits vorhandenen Radwegebeschilderungen verwiesen. Zudem besteht bereits eine von der Stadt Rastatt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie für diesen Abschnitt zwischen Rastatt und Sandweier.

Kommentar zum Thema: Das Land fördert Machbarkeitsstudien zu Radschnellverbindungen. Verkehrsminister Winfried Herrmann und seine Partei wollen Auto-Pendler zum Umsteigen bewegen. Hat das Land der Tüftler und Denker wirklich keine anderen Antworten als Radschnellwege, um dem überbordenden Verkehr Einhalt zu gebieten? In Ballungszentren bietet sich der Umstieg vom Auto aufs Rad sicherlich an. Dort sind die zurückgelegten Strecke aber auch kürzer. Was in den Städten funktionieren mag, klappt noch lange nicht auf dem – nicht immer – flachen Land. Welcher Schichtarbeiter wird sich nach einem harten Arbeitstag auf seinen Drahtesel schwingen und nach Hause radeln? „Zeit“ ist in unserer heutigen, ja hochmobilen, Gesellschaft eine harte Währung. Schließlich sind die erreichbaren Geschwindigkeiten auf dem Fahrrad durch den menschlichen Körper ziemlich limitiert. Der Stundenweltrekord im Radfahren liegt derzeit bei knapp 55 Kilometern – da fängt das Leistungsspektrum eines Autos eigentlich erst an. Zumal für die neuen Radschnellwege teilweise Wege asphaltiert werden sollen. Das heißt wieder werden Teile der grünen Wiese verdichtet. Das ist alles andere als umweltfreundlich. Eigentlich gibt es schon zu viele (marode) Straßen. Wenn die Politik den Umstieg aufs Fahrrad wirklich durchsetzen will, muss sie in letzter Konsequenz unpopuläre Entscheidungen treffen – und das wird Wählerstimmen kosten. So lange sich keine wegweisenden Ideen ankündigen, sollte das Geld in den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs fließen.