Banküberfall in Bühl: Großeinsatz bei der Sparkasse.
Banküberfall in Bühl: Großeinsatz bei der Sparkasse. | Foto: Bernhard Margull

Polizeipräsident Renter

„Bühler Kollegen haben genau richtig gehandelt“

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Für die Bühler Polizei war es alles andere als ein alltäglicher Einsatz. Überfälle auf Bankfilialen gibt es häufiger, dass ein Bankräuber sich die Zentrale eines Kreditinstituts aussucht, ist sehr selten. Wie berichtet wurde am Fastnachtsdienstag ein 58-jähriger Bankräuber festgenommen, der die Mitarbeiter der Sparkasse in der Eisenbahnstraße in Bühl mit einer Waffe bedroht hatte. Beim Verlassen der Bank wurde er von Einsatzkräften überwältigt.

SEK war im Anflug zum Banküberfall

Der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter ist sehr zufrieden mit dem Einsatzverlauf. „Die Kollegen haben sehr besonnen reagiert“, meinte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Spezialeinsatzkommando der Polizei (SEK) war bereits im Anflug, als die örtlichen Polizeikräfte den Täter überwältigten. „Normalerweise planen wir solche Einsätze gemeinsam mit dem SEK“, berichtete Renter. Das war aber am Dienstag in Bühl nicht möglich, weil alles so schnell ging. Die Beamten aus dem Revier Bühl und mehreren Nachbarrevieren waren deshalb komplett auf sich gestellt. Statt eines Zugriffs durch das SEK gab es einen „Notzugriff“ durch die örtliche Polizei, wie es im Polizeijargon heißt.

Polizeipräsident Reinhard Renter | Foto: Michael Rosenstiehl

Stolz auf Kollegen

Polizeipräsident Renter ist stolz auf die Leistung seiner Kollegen in Bühl. „Ein Banküberfall mit Geiselnahme bedeutet immer enormen Stress für die beteiligten Einsatzkräfte“, konstatiert er. Dass in Bühl alles reibungslos abgelaufen ist, führt der Polizeichef auf die Amokschutzausrüstung und die damit verbundene spezielle Ausbildung zurück, die alle Polizeibeamten in Baden-Württemberg inzwischen haben. „Die Amokschutzausrüstungen wurden nach dem Amoklauf von Winnenden 2009 vom Land angeschafft“, berichtet Renter. „Damit verbunden war eine spezielle Schulung der Polizeibeamten.“

Schutzwesten und Helme

Nach Auskunft des Polizeipräsidenten wird die Amokschutzausrüstung ständig in die Polizeifahrzeugen mitgeführt und kann in lebensbedrohlichen Situationen eingesetzt werden. Zu dieser Amokschutzausrüstung gehören unter anderem eine Schutzweste und ein Schutzhelm, die den Einsatzkräften einen „hervorrangenden Schutz“ (Renter) bieten. „Die Ausbildung mit der Amokausrüstung zielt prinzipiell auf den Einsatz in Schulen ab, kommt den Kollegen aber selbstverständlich auch bei einem Banküberfall zu Gute“, meint der Polizeipräsident. „Es wird taktisches Vorgehen geübt, das haben die Polizeibeamten verinnerlicht. Das ist drin.“ Dies habe sich am Dienstagnachmittag in Bühl gezeigt: „Die Kollegen haben genau richtig gehandelt“, sagt der Offenburger Polizeichef.

Alle Bankmitarbeiter kamen zur Arbeit

„Sehr, sehr froh und glücklich zeigt sich nach Auskunft der Sparkassenvorstand, dass das gesamte Geschehen am Ende so glimpflich abgelaufen ist.“ Dies betont die Pressestelle der Bühler Kreditinstituts. Wie es von der Pressestelle weiter zu erfahren war, sind alle Mitarbeiter am Mittwoch wieder zur Arbeit erschienen, die Bank hat wieder zu den üblichen Zeiten geöffnet. Gemeinsam werde nun versucht, in den Alltag zurückzufinden. „Alle haben besonnen reagiert und sind ruhig geblieben“.

Rund um den Tatort war der Banküberfall natürlich auch am Mittwoch noch Thema: Die Berichterstattung in den BNN wurde beispielsweise in einem nahen Cafe diskutiert, das übrigens während des Überfalls auf Anweisung der Polizei schließen musste. Weil am Fastnachtsdienstag die meisten Geschäfte in der Innenstadt geschlossen hatten, gab es für sie keine Beeinträchtigungen.

In einem nahe gelegenen Imbiss hieß es, dass Bedienstete und Gäste den Polizeieinsatz beobachtet hatten. Nur wenige Minuten vor dem Überfall hatte sich dort ein Polizeibeamter verköstigt, wird erzählt.

Verdächtiger in Spezialklinik eingewiesen

Der nach dem Überfall von der Polizei überwältigte Tatverdächtige wurde am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft Baden-Baden und auf Anordnung der Haftrichterin in ein Spezialkrankenhaus überstellt. Dies teilen Polizeipräsidium Offenburg und Staatsanwaltschaft Baden-Baden in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit. Dem 58-Jährigen wird schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.