Schlag auf Schlag: Hubert Huck vom Forstamt Baden-Baden haut einen Spaltkeil in einen Baumstamm. | Foto: Schneider

Aus echtem Holz geschnitzt

Ein Baumstamm verwandelt sich zum Brunnentrog

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Sägespäne wirbeln wie Schneeflocken durch die Luft. Die Kettensäge heult laut und frisst sich senkrecht in den massiven Baumstamm. Hubert Huck vom Forstamt Baden-Baden hat die Maschine fest im Griff. Er sägt vertikal in den Fichtenstamm. Als er vom Stamm ablässt, tuckert der Zweitakt-Benzinmotor der Säge vor sich hin.

Woher weiß Huck, wie tief er sägen muss?  Er deutet auf eine Markierung mit Edding am Schwert der Kettensäge. „So tief kann ich sägen. Schwierig wird es eher bei den Rändern“, meint er. Die seien später sichtbar, wenn er zu weit gesägt habe.

Brunnentröge werden im Stadtwald aufgestellt

Huck ist eigentlich als Metzgermeister beim Forstamt angestellt. Wenn kein Wild da ist – wie gerade – dann kann er seiner Kreativität freien Lauf lassen: Aus Abfallholz, meist massiven Baumstämmen von alten Eichen oder Fichten, werden Brunnentröge und Sitzgelegenheiten, die im Baden-Badener Stadtwald aufgestellt werden. Der Zimmermann beim Forstamt, der in Rente ging, habe ihm einige Tipps gegeben.

Knapp zehn Tröge hat der 51-Jährige aus Hügelsheim bislang schon gefertigt. Sie stehen unter anderem am Markgrafenbrunnen, am Jbach-Brünnele oder am Obstgut Leisberg. Am Höhenweg steht eine ganze Sitzgruppe aus hölzernen Sesseln. Für einen Trog braucht Huck je nach Größe schon mal zwei Tage. Eine Sitzgruppe mit Lehne ist innerhalb von einem Arbeitstag fertiggestellt.

Das Sägen geht ganz schön in die Arme

„Das Sägen geht aber ganz schön auf die Arme“, sagt Huck und stellt das Gerät schließlich weg. Es geht mit Axt und Spaltkeil weiter. Er holt aus – die Axt hoch über dem Kopf – hämmert er dann den Keil in eine der zuvor ausgesägten Spalten inmitten der zehn bis 15 Zentimeter großen Abschnitte. Dumpf dröhnt jeder Schlag durch die offene Halle beim Forstamt.

Einmal, zweimal, dreimal – der Keil rutscht mit jedem Schlag etwas tiefer in den Stamm, begleitet vom Geräusch splitternden Holzes. „Der Anfang ist immer am schwierigsten“, meint Huck und schlägt nochmal drauf, ehe er das erste Stück aus dem Baumstamm herausbrechen kann. Erst fehlen drei, dann vier der zuvor ausgesägten Stücke. Dann geht es Schlag auf Schlag: Mit dem Axtblatt bricht er nach und nach die Teile heraus.

Stadtwald hat 700 Kilometer langes Wegenetz

Knapp zehn Jahre halten solche Tröge, erzählt Huck. Allerdings müssen diese auch immer mit Wasser gefüllt sein. Das sei wie bei Weinfässern auch – der Trog wird undicht und das Holz splittert. Ist der Brunnentrog kaputt, kann er einfach in den Wald gelegt werden. Dort verrottet er dann. Welche Tröge oder Sitzgelegenheiten im Wald kaputt sind, dass muss Huck selbst in Erfahrung bringen. Bei knapp 700 Kilometer Wegstrecke im Wald, ist da viel abzufahren. „Ich weiß noch immer nicht, wie alle Wege heißen“, sagt der Metzgermeister. Oftmals frage er sich auch, ob er richtig ist. „Das dauert noch einige Jahre, bis ich mich richtig auskenne.“

Fräse sorgt für Feinschliff

Huck greift dann nach der Fräse – erst die mit dem breiten Kopf, um den Stamm grob auszuarbeiten. Später kommt eine mit einem schmaleren Fräskopf zum Einsatz. Danach sägt Huck störende Äste an der Außenseite ab und schleift diese Stellen mit der Flex.

Trog steht auf Akazienrollen

Später im Wald wird der Brunnentrog dann auf Akazienrollen austariert. „Dafür braucht es manchmal mehrere Anläufe bis der Brunnentrog dann richtig steht“, sagt Huck. An Ort und Stelle wird dann der Wasserablauf angepasst, das geht im Vorfeld nicht.

Probleme mit Vandalismus kennt Huck – auch im Baden-Badener Wald. Da würden Bänke die Böschung hinunter geschmissen oder Hinweisschilder aus dem Boden gerissen und dann, trotz Verbots, gegrillt, erzählt er und schüttelt dabei den Kopf. „So einen Brunnentrog schmeißt aber niemand um“, meint er.