Vor dem Bühler Narrenbrunnen fühlen sich Narrhalla-Sitzungspräsident Michael Vetter (rechts) und sein Stellvertreter Bernd Bross wohl. | Foto: Ulrich Coenen

Schon ausverkauft

Bei der Bühler Narrhalla wächst vor den großen Fastnachts-Sitzungen die Nervosität

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Bei Narrhalla-Sitzungspräsident Michael Vetter und seinem Vize Bernd Bross wächst langsam aber sicher die Nervosität. Am Samstag, 8. Februar, um 19.11 Uhr steigt im Bürgerhaus Neuer Markt in Bühl die „Große Kappensitzung“ der Narrhalla, am Sonntag, 16. Februar, um 10.33 Uhr folgt mit dem „Interregionalen närrischen Frühschoppen“ auf der Burg Windeck der zweite Sitzungshöhepunkt der Kampagne, der längst ausverkauft ist.

Vetter trägt als Sitzungspräsident in diesem Jahr, gemeinsam mit seinem kleinen Team, zum zweiten Mal die Verantwortung für das Programm. Der Unzhurster ist in den 1980-er Jahren nach Bühl und zur Narrhalla gekommen. „Damals waren die Sitzungen im Haus Alban Stolz ein gesellschaftliches Ereignis“, berichtet er.

Alle Herren im schwarzen Anzug

„Die Herren im Publikum kamen alle im schwarzen Anzug.“ Bernd Bross erinnert sich an einen Arzt, der mit bunter Fliege einlief und von seiner Frau heimgeschickt wurde, um sich eine Krawatte umzubinden. Heute geht es längst nicht mehr so steif zu, zur Freude der Organisatoren. „90 Prozent der Gäste kommen verkleidet ins Bürgerhaus und sie kommen, weil sie Spaß haben wollen“, sagt Vetter. „Eine Polonaise durch den großen Saal wäre vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen.“

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Narrhalla 4 Future

Für Vetter und sein Team beginnt die Vorbereitung der beiden Sitzungen bereits im Oktober. Dann wird das Motto festgelegt, das dieses Mal „Narrhalla 4 Future“ lautet. Die Narrhalla hat sich in den vergangenen Jahren für die „Große Kappensitzung“ zunehmend und ganz bewusst auf eigene Talente beschränkt. Das müssen nicht unbedingt Vereinsmitglieder sein, sie können wie Klaus Dürk auch anderen Gesellschaften angehören oder wie Pfarrer Wolf-Dieter Geißler einfach nur in Bühl wohnen und Stadt und Menschen kennen. Auswärtige „Fastnachts-Profis“ werden nur noch in Ausnahmefällen engagiert. Selbst fünf der Narrhalla-Elferräte, darunter auch der Präsident und sein Vize, sind an Auftritten beteiligt. „Da wird es manchmal leer auf dem Podium“, scherzt Vetter.

Fünf Stunden Sitzung mit 15 Programmpunkten gibt es in diesem Jahr. „Natürlich müssen wir für Abwechslung sorgen und können nicht nur Büttenreden bringen“, sagt Bross. Fünf Wortbeiträge, drei Tänze und zwei Gesangsnummern sind dieses Mal dabei. Wichtig ist für Vetter, dass die Sitzung um Mitternacht zu Ende ist. „Irgendwann wird das Publikum müde“, konstatiert er. Streit unter den närrischen Künstlern, wer auftreten darf, gibt es nicht. „Wir müssen niemanden ablehnen“, erklärt Vetter. Fast alle sind schon seit vielen Jahren dabei.

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Präsident mit wenig Einfluss

Neue Talente stehen längst nicht in jeder Kampagne auf der Matte. Das sei auch nicht nötig. „Viele Gäste kommen ja gerade immer wieder, um beispielsweise Bernd Bross zu sehen“, meint Vetter. Und: „Die richtige Reihenfolge der Nummern macht´s“, sagt der Präsident, der seine eigene Rolle zurückhaltend beurteilt: „Auf die Qualität des Programms hat der Sitzungsleiter keinen Einfluss, er kann aber das Programm mit einer schlechten Moderation kaputt machen.“

Einen völlig anderen Charakter als die Sitzung im Bürgerhaus Neuer Markt hat der Frühschoppen auf der Burg Windeck, der in diesem Jahr zum 22. Mal stattfindet und ursprünglich im Schlosshotel Bühlerhöhe präsentiert wurde. Das ist bekanntlich seit 2010 geschlossen, so dass die Narren auf die Bühler Hausburg umziehen mussten.

Im Gegensatz zur Sitzung im Bürgerhaus Neuer Markt treten beim Frühschoppen überwiegend auswärtige Fastnachter aus Mainz, der Pfalz, dem Saarland und Württemberg auf. Darunter sind echte Promis, die das Publikum aus den Fernsehsitzungen kennt. „Die bekommen wir nur, weil unsere Veranstaltung am Morgen stattfindet“, sagt Vetter. „Da bucht niemand anders diese Nummern.“

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Umziehen auf dem Burghof

Nur 110 Plätze stehen im Panoramarestaurant zur Verfügung, die improvisierte Bühne ist mickrig klein. Da haben sich auch schon mal Künstler auf dem Burghof umgezogen. „Die Atmosphäre ist einmalig“, schwärmt Bross.

Und wie ist es mit Pannen? Michael Vetter überlegt kurz. „Mitten während der Sitzung auf der Windeck hat mich mal ein Künstler angerufen und gefragt, wo wir denn alle sind“, berichtet er. „Der Mann war auf der Burg Windeck bei Weinheim gelandet und suchte uns.“ Er gab dann auf der Autobahn richtig Gas und konnte auf der Bühler Windeck mit Verzögerung doch noch auftreten.