Der Büromöbelhersteller USM hat seine deutsche Zentrale in Bühl mit farbigen Folien gestaltet. Das Landesdenkmalamt hat dies genehmigt. | Foto: Ulrich Coenen

Farbige Fassade in Bühl

Bei USM geht es jetzt ziemlich bunt zu

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Die Fassade der Architekturikone ist plötzlich ganz schön bunt. „Wir wollen zeigen, dass wir noch da sind!“, berichtet Karlheinz Eberle, Leiter Verkaufinnendienst bei USM in Bühl, auf Anfrage dieser Zeitung. Nach großen firmeninternen Turbulenzen hat die Tochter des renommierten Schweizer Büromöbelherstellers ihre Möbelmontage 2018 von Bühl nach Leipzig verlegt. Mehrere Dutzend Montagemitarbeiter in Bühl verloren ihre Jobs, die Aufregung war groß. Die Verwaltung von USM in Deutschland befindet sich aber nach wie vor in der Siemensstraße in Bühl. Jetzt hat das denkmalgeschützte Gebäude Farbtupfer erhalten.

„Wir sind noch da!“

Das ist aber offensichtlich nicht jedem klar. „Jeder Zweite fragt mich: Wie, ihr seid noch hier?“, berichtet Eberle. „Die Neugestaltung der Fassade entspricht unserem Wunsch, Aufmerksamkeit zu erregen.“ Das gelingt durch die poppige Gestaltung von mehr als 30 Fensterfeldern der Südfassade des denkmalgeschützten USM-Gebäudes zweifellos. Wer auf der Bundesstraße 3 aus Richtung Achern nach Bühl fährt, sieht die farbigen Elemente in blau, orange, gelb, rot, grau und grün bereits von Weitem.

Zustimmung von Landesdenkmalpflege

„Natürlich haben wir das mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt“, sagt Eberle. Das USM-Gebäude ist Bühls jüngstes Kulturdenkmal und wurde erst 2017 in die Denkmalliste eingetragen. „Wir wissen um die Bedeutung unseres Hauses und kennen unsere Verantwortung“, erklärt Eberle. „Das USM-Stahlbausystem Maxi von Fritz Haller, in dem unser Stammwerk in Münsingen und das Gebäude für die deutsche Tochter in Bühl entstanden sind, ist Vorbild für das Möbelbausystem Haller. Die farbigen Elemente in der Fassade verweisen auf die unterschiedlichen Farben, in denen wir unser Möbelbausystem anbieten. Die Fassade erzählt also ein Stück weit unsere Firmengeschichte.“

Nur farbige Folie

Puristen müssen sich keine Sorgen machen. USM hat die originalen Fensterelemente in der rasterartigen Südfassade nicht auswechseln lassen. Sie wurden nur mit farbiger Folie beklebt. „Es ist also eine temporäre Sache“, meint Eberle. „Ewig werden die Folien der UV-Strahlung nicht Stand halten.“ Wenn sie unansehnlich werden, lassen sie sich rückstandslos wieder entfernen. „Es ist ein Versuch“, berichtet Eberle. „Wir sind gespannt, wie er in Bühl ankommt.“ Die leuchtende USM-Kugel, die das Unternehmen auf dem Dach montieren wollte, hat die Landesdenkmalpflege nach Auskunft von Eberle übrigens abgelehnt. Das ging den Fachleuten dann doch zu weit.

„Keine dauerhafte Beeinträchtigung“

Die Pressestelle des Regierungspräsidiums Stuttgart, zu dem das baden-württembergische Landesamt für Denkmalpflege gehört, bestätigt die Zustimmung zur Umgestaltung der Fassade. „Die Maßnahme ist mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart abgestimmt worden“, erklärt Julia Roßkopf, Pressereferentin der Behörde, auf Anfrage dieser Zeitung. „Im Verfahren wurde fachlich geprüft, ob die Werbeanlage eine dauerhafte, erhebliche Beeinträchtigung des Kulturdenkmals darstellt. Bei der Werbung ist die Verbindung von Funktion und Produktion der Firma USM mit dem Denkmal offensichtlich und lässt sich inhaltlich stimmig mit der Denkmaleigenschaft verbinden. Da es sich außerdem um reversible Klebefolien handelt und keine dauerhafte, erhebliche Beeinträchtigung des Kulturdenkmals vorliegt, konnte die Maßnahme entsprechend geltendem Recht durch die Untere Denkmalschutzbehörde genehmigt werden.“