Zwei Stadträte im Wasser: Pit Hirn und Daniel Fritz haben ihr Versprechen eingelöst, die neue Badestelle in Weitenung offiziell zu eröffnen. | Foto: Wilfried Lienhard

Neue Badestelle in Weitenung

Beim Anbaden wird auch ausgebadet

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An guten Ratschlägen – und auch an solchen aus der Abteilung Schadenfreude – war kein Mangel, als sich Daniel Fritz und Pit Hirn anschickten, die neue Badestelle am Weitenunger Baggersee mit einem formidablen „Anschwimmen“ offiziell zu eröffnen. Groß war am Maifeiertag der Andrang der Schaulustigen, die verfolgen wollten, wie die beiden Bühler Stadträte ihr vor Monaten gemachtes Versprechen einlösen würden. Und das schwarz-rote Duo machte den rund 70 Zuschauern den Gefallen, ganz wie es Fritz bei der Begrüßung gesagt hatte: „Ihr sollt alle euren Spaß haben. Das gehört dazu.“

In historischen Badekostümen (auch Neopren 2.0 genannt) ging es ans Werk.

Das Ziel ist erreicht

Das mag auf den Moment gemünzt gewesen sein, weist aber auch in die Zukunft. Der 1. Mai 2019 steht für den erfolgreichen Abschluss langer Bemühungen und künftigen Badespaß. Nach den massiven juristischen Bedenken um das Baden in dafür nicht formell freigegebenen Baggerseen (in Weitenung hatte das unter anderem eine neue Umzäunung und das Engagement eines privaten Sicherheitsdiensts zur Folge) hatte der Ortschaftsrat sich vor rund zweieinhalb Jahren auf einen Weg gemacht, an dessen Ende eine offizielle kleine Badestelle stehen sollte. Etliche Hindernisse waren zu überspringen, jetzt aber ist das Ziel erreicht, auch dank 15 ehrenamtlicher Helfer, die sich um den laufenden Betrieb kümmern. Dabei machte Daniel Fritz als Weitenunger Ortsvorsteher stets deutlich, dass es sich nicht um ein Strandbad handeln werde, sondern eben eine kleine Badestelle.

Hinein ins nass-kalte Vergnügen

Aus Worten werden Taten

Nun ist mit dem Mai die Badestelle gekommen – und für Fritz und Hirn der Moment, Worte zu Taten zu machen. Bei der Begrüßung der Gäste schilderte Fritz, wie dazu kommen konnte, dass sie jetzt in nostalgischen Badeanzügen (von Besuchern auch Neopren 2.0 genannt) am Ufer standen. Im November sei es gewesen, zu einer Zeit, an der kein Mensch ans Baden im Baggersee denke, da habe SPD-Stadtrat Hirn im Gemeinderat das gemeinsame „Anbaden“ mit Daniel Fritz, seinem Gegenüber von der CDU, vorgeschlagen. Er sei zunächst sprachlos gewesen und habe dann nicht anders reagieren können als zuzusagen: „Ich glaubte, dass sich daran in ein paar Monaten kein Mensch mehr erinnern würde.“ Das aber war eine Rechnung ohne Hirns Fraktionskollegin Barbara Becker. Die erinnerte, als der Gemeinderat im April mit der Rechtsverordnung für den Badebetrieb die letzten Weichen stellte, an die Ankündigung, und dann gab es kein Entkommen mehr: „1. Mai, 11.30 Uhr“, sagte Pit Hirn, und für Daniel Fritz galt „mitgefangen, mitgehangen“ – oder besser: mitgeschwommen. „Ich war schon in der Schule immer vorlaut“, gestand Hirn, „und im Gemeinderat ist es immer noch so. Das muss ich jetzt ausbaden.“

Es ist geschafft!

Komplettrunde soll noch folgen

Am Vortag hatte er sich schon mal zum See begeben, die Jeans hochgekrempelt und die Füße ins Wasser gestreckt: „Das war schon arg kalt.“ Auf zehn bis zwölf Grad schätzte Fritz die Wassertemperatur: „Mehr sind das nicht.“ Aus dem Gemeinderat gab’s noch fürsorgliche Ratschläge: Die CDU-Fraktionsvorsitzende Margret Burget-Behm, von Beruf Ärztin, hatte in einer Mail geraten, vorab den Hausarzt zu konsultieren, für den Kreislauf sei das Bad im kalten Wasser gerade bei älteren Herren nicht unbedingt förderlich.
Doch es ging alles gut. Zu den Klängen von „Pack die Badehose ein“, intoniert von einer kleinen Abordnung des Musikvereins Weitenung, schritten die Wagemutigen ins Wasser. Kurze Gewöhnungszeit, dann machte Fritz Ernst und warf sich hinein ins, nun denn, Vergnügen, Hirn folgte. Einige Meter schwammen sie, ehe es zurück ans Ufer und in wärmende Textilien ging. Die eigentlich versprochene Komplettrunde im See soll es dann zum Saisonschluss im September geben. Derweil stürzten sich die ersten sportlichen Weitenunger gleich nach Fritz und Hirn ins Wasser.

„Das ist Weitenung“

Daniel Fritz und Pit Hirn kassierten an Land den verdienten Applaus, die Musik spielte das Badnerlied, und Hirn sagte mit Blick auf den Trubel (und auf die erfolgreichen Bemühungen um die Badestelle passte es gleichermaßen): „Das ist Weitenung. Die sind einmalig.