Die Demonstration der IG Metall vor dem Luk-Werkstor in Bühl war Auslöser für den Rücktritt des Betriebsratsvorsitzenden. | Foto: Bernhard Margull

Bühls größter Arbeitgeber

LuK-Betriebsratvorsitzender tritt nach Demo zurück

Bei Bühls größtem Arbeitgeber LuK schlagen die Wellen hoch. Nach Informationen dieser Zeitung ist der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Stolz nach internen Querelen zurückgetreten. Dies bestätigte Lea Marquardt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall in Offenburg, auf Anfrage dieser Zeitung.

Stolz ist Mitglied der IG Metall und in Personalunion mit seinem Betriebsratsmandat Vertrauensmann der Gewerkschaft innerhalb des Unternehmens, das in Bühl, Sasbach und Kappelrodeck insgesamt fast 5 500 Mitarbeiter beschäftigt. Mehrere hundert von diesen sind nach Auskunft der IG Metall Gewerkschaftsmitglieder. Genaue Zahlen will Marquardt aus strategischen Gründen nicht nennen.

Kontroversen im Betriebsrat

Auslöser für den Rücktritt von Stolz ist eine Demonstration der IG Metall vor den Werkstoren in Bühl am 14. März (wir berichteten). Die Gewerkschaft wollte damit Zugangsrecht zum Firmengelände erzwingen. Stolz und mit ihm auch der Bosch-Betriebsratsvorsitzende Klaus Lorenz nahmen an dieser Aktion teil.

Offensichtlich war diese Teilnahme innerhalb des 29-köpfigen Luk-Betriebsrates zuvor nicht abgestimmt worden. Durch dieses Gremium verläuft seit Jahren ein tiefer Riss. Die stärkste Fraktion stellt mit 13 Mitgliedern die IG Metall. Die „Unabhängigen“ haben acht Mandate, die „Goldene Mitte“ vier. Daneben gibt es eine Fraktion von vier ehemaligen Gewerkschaftsmitgliedern, die sich abgespalten haben. Wie in der gestrigen Ausgabe berichtet, kritisiert ein Teil des Betriebsrates scharf die Teilnahme der IG Metall-Fraktion an der Protestkundgebung.

Bedauern bei IG Metall

„Ich bedauere diese Entwicklung zutiefst“, erklärte Lea Marquardt gegenüber dieser Zeitung. „Unsere Aktion hatte im Prinzip nichts mit der Arbeit des Betriebsrates zu tun. Es ging um das Zugangsrecht zum Unternehmen, nicht um das Betriebsverfassungsgesetz. Im Mittelpunkt sollte die Belegschaft stehen, die zum Teil über Hitze am Arbeitsplatz im Sommer, Kälte im Winter und Zugluft klagt. Außerdem fehlen Hebevorrichtungen.“

Der Streit, der seit vielen Jahren innerhalb des LuK-Betriebsrates schwelt, „verwundert“ Marquardt. „Das kenne ich aus anderen Betrieben in dieser Form nicht“, sagte sie. „Die IG Metall will ein Sprachrohr für alle Beschäftigten sein, auch für die, die nicht in der Gewerkschaft organisiert sind. Dafür würden wir gerne mit dem gesamten Betriebsrat zusammenarbeiten.“ Wie es in diesem Gremium weitergeht, werde sich in den nächsten zwei Wochen zeigen. Für die Wahl eines neuen Vorsitzenden ist eine absolute Mehrheit notwendig.

Gespräch mit Personalchef

Heute hat die IG Metall einen Gesprächstermin mit dem Personalchef und dem Gesamtbetriebsrats-Vorsitzenden des Schaeffler-Konzerns. Dabei geht es neben der Gestaltung um die Arbeitsplätze auch um einen Tarifvertrag. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen der Schaeffler-Gruppe gilt ein solcher Tarifvertrag für LuK nicht. Mit gravierenden Auswirkungen für die Beschäftigten, wie Marquardt betont: Ursprünglich hätten die Einkommensunterschiede im Vergleich zu Bosch 20 bis 30 Prozent betragen. Inzwischen habe LuK 8,5 Prozent draufgelegt.

Offene Zukunft

Aus dem Betriebsrat gibt es keine Informationen zum Rücktritt von Stolz. Er selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Mathias Kleber, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, erklärte auf Anfrage, man werde die Öffentlichkeit zu „gegebener Zeit“ informieren.

Klima der Angst

Der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Stolz sprach bei der Demonstration am 14. März von „Repressalien und einem Klima der Angst“ bei LuK. Gemeinsam mit der IG Metall protestierte er vor den Werkstoren der Firma LuK.

Stolz nannte Probleme aus dem Alltag seiner knapp 5 500 Kollegen. Sowohl in der Produktion als auch in einem Teil der Großraumbüros herrsche kein gutes Raumklima. Auch das zwischenmenschliche Klima lasse zu wünschen übrig. Das Verhalten mancher Vorgesetzter bei der LuK gegenüber den Mitarbeitern sei nicht einwandfrei.

Gutsherrenart

Nach Auskunft von Stolz wurde ein Ingenieur, der sich über Arbeitsbedingungen beschwert und schließlich für den Betriebsrat kandidiert habe, sanktioniert und versetzt. Kollegen, die Kritik äußerten, bekämen von ihren Chefs den Spruch „Wenn es dir nicht passt, kannst du ja gehen“ zu hören. „Leider gibt es in Bühl immer noch eine Führungskultur nach Gutsherrenart“, klagt Stolz. „Wer sich an den Betriebsrat oder die IG Metall wendet, hat verloren.“