Walter Kautz (links) bilanzierte als Revierleiter letztmals die Fastnachtszeit, Rolf Fritz folgt kommissarisch nach, Janina Huber übernimmt Fritz’ Aufgaben. | Foto: Bernhard Margull

Traditionelles Katerfrühstück

Bilanz der Fastnachtszeit: Bühler Polizei entwickelt Sicherheitskonzept weiter

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Das Bühler Polizeirevier zieht traditionell bei einem Katerfrühstück am Aschermittwoch die Bilanz der Fastnachtszeit. Sie fiel gut aus, insgesamt sind die vergangenen Wochen ruhig und friedlich verlaufen. Dazu beigetragen hat ein starker Kräfteeinsatz der Polizei, der die Beamten zum Teil auch in der Freizeit forderte.

Nach der Amokfahrt im hessischen Volkmarsen will die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen bei Fastnachtsumzügen und auch Weihnachtsmärkten genau analysieren und nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen. Dazu werde rechtzeitig das Gespräch mit Kommunen und Veranstaltern gesucht, kündigte der Bühler Revierleiter Walter Kautz an.

Beim traditionellen Katerfrühstück im Revier zog er gemeinsam mit seinem Stellvertreter Rolf Fritz die Polizeibilanz der vergangenen Wochen. Erstmals mit dabei war Polizeioberkommissarin Janina Huber. Kautz geht Ende März in den Ruhestand, seine Aufgaben übernimmt zunächst Rolf Fritz, dessen Position „zumindest für ein halbes Jahr“ Huber einnehme, sagte Kautz vor Vertretern von Kommunen, Behörden und Blaulicht-Organisationen.

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Insgesamt ruhig und friedlich

Die Fastnachtszeit sei aus Polizeisicht insgesamt ruhig und weitgehend friedlich verlaufen, bilanzierte Kautz. Manche Narren hätten ausgelassen gefeiert, andere hätten im Wortsinne hoch hinaus gewollt: Auf dem Dach einer Bühler Schule feierten Lehrer; sie hätten es beim Anblick der Polizei freiwillig wieder verlassen.

Gute Zusammenarbeit der Jugendsachbearbeiter

Rolf Fritz berichtete von 47 angemeldeten Veranstaltungen. Besonders die Umzüge seien eine Herausforderung gewesen. Dabei sei das Revier in Weitenung und Bühl durch die Bereitschaftspolizei unterstützt worden; in Varnhalt sei dies nicht möglich gewesen, weil die Bereitschaftspolizei anderweitig benötigt worden sei. Stattdessen seien Kräfte der Alarmhundertschaft des Polizeipräsidiums Offenburg eingesetzt worden.

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In Varnhalt hat sich laut Fritz das Konzept bewährt, dem Veranstalter für die Dauer des Umzugs Hausrecht zu erteilen. So habe alkoholisierten Personen der Zugang zum Veranstaltungsgelände verwehrt werden können. Nicht zu verhindern sei, dass in den Tagen vor dem Umzug offensichtlich auf dem Gelände Alkoholika versteckt worden seien. Besonders hob Fritz die Zusammenarbeit der Jugendsachbearbeiter der Reviere Bühl und Rastatt hervor, die „ihre“ Jugendlichen beim Umzug in Varnhalt begleitetet und sie dort „im Griff“ gehabt hätten.

Starker Kräfteeinsatz erwies sich als richtig

Fritz machte zudem deutlich, dass die Beamten oft auch in ihrer Freizeit gefordert gewesen seien. Umso schöner sei es, wenn die Arbeit anerkannt werde: „Zahlreiche Besucher und Mitglieder der Narrengruppen haben sich für den Einsatz der Polizei herzlich bedankt“, zitierte Fritz aus dem Bericht des Weitenunger Einsatzleiters.

Dem sei auch ein Beleg für die Richtigkeit des Polizeikonzepts zu entnehmen: „Der starke Kräfteeinsatz war notwendig. Aufgrund der sichtbaren Präsenz konnten aufkeimende Streitigkeiten im Keim erstickt werden.“ Deutlich weniger Arbeit habe der Umzug in Bühl bereitet, „der für uns ein Bilderbuchumzug war“, so Fritz.

22 Kontrollen, zwei Strafanzeigen

Im Straßenverkehr habe es wenig Auffälligkeiten gegeben. Seit Mitte Januar seien bei 22 meist nächtlichen Kontrollen 237 Fahrzeuge angehalten und mehr als 300 Personen kontrolliert worden. Das Ergebnis: zwei Strafanzeigen und acht Ordnungswidrigkeiten wegen Fahrens unter Alkohol oder Drogen; der höchste Wert lag bei 2,3 Promille.

In zwei Fällen hätten die Beamten Trunkenheitsfahrten verhindern können.
Walter Kautz fasste die Saison in seinem Dank an Kollegen und Veranstalter schließlich so zusammen: „Es wird jedes Jahr runder und besser“. Dennoch müssten Sicherheitskonzepte permanent weiterentwickelt werden, und das werde die Polizei auch tun.

Beim Fastnachtsumzug in Varnhalt hat die Polizei 40 Liter alkoholischer Getränke entsorgt. Ein Präventionsteam von „Hart am Limit“ (Halt) habe Jugendliche angesprochen, wenn Alkoholika entdeckt worden seien und sich niemand als Besitzer zu erkennen gegeben habe, seien die Getränke ausgeschüttet worden, sagte der stellvertretende Bühler Polizeirevierleiter Rolf Fritz bei der Vorstellung der Fastnachtsbilanz. Ein 16-Jähriger habe einen Alkoholwert von 1,7 Promille aufgewiesen, ein Gleichaltriger sei zu einem Alkoholtest nicht mehr in der Lage gewesen und habe notärztlich versorgt werden müssen. Bei einem 13-Jährigen seien 1,47 Promille gemessen worden. Gegenüber der Polizei habe er angegeben, aufgefundene alkoholische Getränke konsumiert zu haben Polizei gesagt.
Außerdem seien in Varnhalt eine Körperverletzung und eine Beleidigung zu verzeichnen gewesen, so Fritz. In Weitenung habe die Polizei fünf Platzverweise ausgesprochen, eine Person sei in Gewahrsam genommen worden, außerdem sei eine Beleidigung von Polizeibeamten vermerkt. Auffällig war in Weitenung laut Einsatzleiter „die große Anzahl an betrunkenen jungen Menschen, die offensichtlich wenig Interesse am Brauchtum hatten“. Auch in Bühl seien Platzverweise ausgesprochen worden. Probleme habe zudem nach dem Umzug eine randalierende Personengruppe bereitet. Und auch Alkohol habe sich bemerkbar gemacht: Ein Jugendlicher sei stark betrunken dem DRK übergeben worden.
In Bühlertal bilanzierte die Polizei eine wechselseitige Körperverletzung, einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie drei Beleidigungen von Polizeibeamten. Nach dem Umzug sei es noch zu zwei Raubdelikten gekommen, die aber nicht im Zusammenhang mit dem Umzug gestanden hätten, sagt der stellvertretende Revierleiter.