Volleyball auf Top-Niveau wie hier bei der spektakulären Bundesligapartie der Bisons gegen den VfB Friedrichshafen im Oktober 2019 soll es auch in der kommenden Saison in der Bühler Großsporthalle geben.
Volleyball auf Top-Niveau wie hier bei der spektakulären Bundesligapartie der Bisons gegen den VfB Friedrichshafen im Oktober 2019 soll es auch in der kommenden Saison in der Bühler Großsporthalle geben. | Foto: Steuerer

Volleyball-Bundesliga

Bisons Bühl planen wegen Corona eine Low-Cost-Saison

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In den turbulenten Corona-Zeiten bleibt auch die Volleyball-Bundesliga nicht von schlechten Nachrichten verschont. Bereits zwei Vereine mussten aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben, wobei dies im Fall der ohnehin insolventen Volleys Eltmann absehbarer war als beim TV Rottenburg.

„Es hätte mich überrascht, wenn Eltmann in die Erste Liga gegangen wäre“, sagt Oliver Stolle, Manager der Bisons Bühl. Er finde es sehr schade für den Volleyballsport, dass es ein sportlicher Aufsteiger wie Eltmann wieder einmal nicht geschafft habe, sich im Oberhaus zu behaupten.

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Eltmann und Rottenburg mussten bereits aufgeben

och mehr schmerzt freilich das Aus des württembergischen Rivalen aus Rottenburg. „Die Derbys werden uns fehlen“, sagt Stolle, der sich über den Rückzug des fast 20 Jahre lang erstklassigen TVR in die Dritte Liga wundert. „Rottenburg war schon immer ein Verein, der nicht mit Millionenetats geglänzt hat. Aber ich bin schon überrascht, dass sie nicht für die Zweite Liga gemeldet haben.“

Weitere Rückzüge nicht ausgeschlossen

Nach jetzigem Stand bleiben somit elf Clubs für die kommende Erstliga-Saison übrig, wobei ein weiteres Schrumpfen droht. So ist die Zukunft des deutsch-österreichischen Projekts Alpenvolleys Haching ebenso ungewiss wie jene der United Volleys Frankfurt. Dort stellt sich die Frage, ob Geschäftsführer und Geldgeber Jörg Krick nach dem Weggang seines Sohnes, Nationalspieler Tobias Krick, weitermacht.

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Budget der Bisons sinkt deutlich

Erstklassig bleiben soll jedenfalls der Standort Bühl. „Wir planen mit der Ersten Liga“, betont Manager Stolle. Doch auch in der mittelbadischen Kleinstadt macht sich die Krise deutlich bemerkbar. Das Budget der Bisons, in den vergangenen Jahren bei etwa einer Million Euro oder knapp darüber, wird deutlich sinken.

Um welchen Betrag genau, lässt sich derzeit nicht beurteilen. „Es wird wahrscheinlich eine Low-Cost-Saison“, sagt Stolle mit Blick auf die kommende Spielzeit 2020/21, die planmäßig im Oktober startet.

Es ist definitiv so, dass schon Sponsoren abgesagt haben.

Oliver Stolle, Manager der Bisons Bühl

Bei fehlenden Einnahmen auf der einen müsse auf der anderen Seite bei den Ausgaben gespart werden. War der Ausfall des letzten Heimspiels aufgrund des Saisonabbruchs Mitte März aus Bühler Sicht verschmerzbar, so tun die weiteren Folgen der Corona-Krise mehr weh. „Es ist definitiv so, dass schon Sponsoren abgesagt haben“, berichtet Stolle.

Immerhin rund die Hälfte der bisherigen Unterstützer habe ihr Engagement bestätigt. Inwieweit weitere Sponsoren dabeibleiben oder sogar hinzugewonnen werden können, hängt nicht zuletzt von der Dauer der Corona-Restriktionen ab. „Sponsoren, die in Kurzarbeit sind, können jetzt nichts sagen. Ein Großteil hängt in der Luft. Wir müssen abwarten“, so Stolle.

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Verlängerte Fristen für Lizenzierung

Als Hilfe für die Proficlubs dient die Verlegung der Lizenzierungsfristen vonseiten der Volleyball Bundesliga (VBL). Die Frist für den Lizenzantrag wurde vom 15. April auf den 15. Mai verschoben, die wirtschaftlichen Nachweise sind statt am 15. April erst am 1. Juni fällig – eine weitere Verschiebung nicht ausgeschlossen. „Der 15. Mai ist das nächste spannende Datum“, sagt Stolle. Dann steht fest, wer sich um einen Bundesliga-Platz bewirbt.

Theoretisch infrage kommt dafür auch der Moerser SC, der sich als einziger Zweitligist an der Vorlizenzierung beteiligte und in der Nord-Staffel auf Rang drei landete. „Im Moment hält sich jeder bedeckt, es gibt zu viele Fragzeichen. Aus Moers habe ich nichts gehört. Es würde mich aber freuen, wenn von dort ein Antrag käme“, meint Bühls Manager Stolle.

Es gibt einen klaren Einstellungsstopp. Man kann im Moment keine Zusagen machen, alle Gespräche sind auf Eis gelegt.

Oliver Stolle, Manager der Bisons Bühl

Sportliche Fragen wie etwa die Planung des neuen Kaders stehen in dieser schwierigen Phase hintenan. „Es gibt einen klaren Einstellungsstopp. Man kann im Moment keine Zusagen machen, alle Gespräche sind auf Eis gelegt“, sagt Stolle. Noch weiter laufende Verträge besitzen aus dem bisherigen Bisons-Aufgebot nur Top-Scorer Anton Qafarena und Edvinas Vaskelis.

Ob die Kontrakte mit den beiden Diagonalangreifern zu halten sind, muss sich allerdings auch erst noch weisen. „Ich kann nur mit dem Geld arbeiten, das ich habe. Wir haben die Spieler gebeten, sie mögen uns zwei Wochen Zeit geben“, berichtet Stolle.

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