Belastungen durch PFC finden sich in Weitenung in Grundwasser und Boden. Welche Folgen das auf die Menschen haben könnte, sollen Blutuntersuchungen zeigen. | Foto: Patricia Klatt

PFC: Auch Weitenung ist dabei

Blutuntersuchungen sollen Aufschluss bringen

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Von Patricia Klatt

Die Erfassung einer möglichen PFC-Belastung der Bürger wird nun konkret. Sozialminister Manne Lucha hatte im März auf zunehmenden Druck der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim (BSTK)“ Blutuntersuchungen angeordnet, um einen Überblick über den PFC-Gehalt der Bürger in Mittelbaden zu erhalten. Dabei müsse man allerdings immer bedenken, dass aufgrund der vielfältigen Anwendungen in Verbraucherprodukten jeder Mensch PFC im Blut hat, betont Katja Lumpp, die Pressesprecherin des Regierungspräsidiums in Stuttgart. „Die geplanten Blutkontrolluntersuchungen sollen Erkenntnisse liefern, ob und falls gegeben, in welchem Umfang die flächenhafte Verunreinigung mit PFCs in der Region Mittelbaden zu einer zusätzlichen Schadstoffbelastung bei Bürgerinnen und Bürgern geführt hat“, so Lumpp.

Drei Gruppen gebildet

Sebastian Altemüller, der Pressesprecher des Ministeriums, gab auf ABB-Anfrage nun weitere Details bekannt. Bei der geplanten Studie sei eine wiederholte Querschnittsuntersuchung in drei Gruppen vorgesehen. Eine Gruppe solle Personen umfassen, die PFC über das Trinkwasser aufgenommen haben, eine Gruppe diejenigen, die möglichen Belastungen über die Böden und das Grundwasser ausgesetzt waren, und eine Kontrollgruppe solle aus Gebieten ohne bekannte Belastung ausgewählt werden. „Wiederholungsuntersuchungen sind bislang im Abstand von etwa drei Jahren angedacht“, so Altemüller. Es wurden insgesamt zwölf Orte für das Monitoring ausgewählt. Die Gemeinden Kuppenheim und Gernsbach-Kernstadt zählen zu denjenigen, die vor 2014 einer Exposition über Trinkwasser ausgesetzt waren, entsprechend können Personen möglicherweise PFC über Trinkwasser aufgenommen haben, was von der BSTK auch schon nachgewiesen wurde. In die zweite Gruppe, bei der es zu einer möglichen Exposition von Personen über PFC-Belastungen im Boden und Grundwasser kam, gehört Weitenung. Unter Umständen werden auch Untersuchungen in den Sinzheimer Ortsteilen Müllhofen, Halberstung und Schiftung vorgenommen. Zur unbelasteten Kontrollgruppe zählen Bietigheim, Durmersheim, Ötigheim, Steinmauern, Au am Rhein und Elchesheim-Illingen.

Möglichst ähnliche Kriterien

Zu der Auswahl erklärte Katja Lumpp, dass „aus methodischen Gründen innerhalb der jeweiligen Untersuchungsgruppen die zu vergleichenden Personen möglichst ähnliche Kriterien erfüllen müssen. Bedacht werden mussten zum Beispiel unterschiedliche Trinkwasserversorgungen und die unterschiedliche Lage einzelner Ortsteile in belasteten Flächen.“ Deshalb sei eine flächendeckende Untersuchung der Bevölkerung in dem mit PFC kontaminierten Gebiet weder angezeigt noch vorgesehen. Dennoch sollten aus den Blutkontrolluntersuchungen letztlich auch Rückschlüsse auf die Belastung von Personen gezogen werden können, die in anderen Gebieten mit ähnlichen Belastungssituationen leben.
„Termine zur Teilnahme an den Blutuntersuchungen werden voraussichtlich in Untersuchungsgemeinden und im Gesundheitsamt Rastatt angeboten“, so Lumpp, „die Örtlichkeiten und ein Zeitplan werden zwischen dem Gesundheitsamt des Landkreises Rastatt, dem Landesgesundheitsamt und den Gemeinden abgestimmt“.

Erstes Treffen im Mai

Die tatsächliche Belastung der Bürger mit lang- und kurzkettigen PFC in Mittelbaden liegt noch weitgehend im Dunkeln – je schneller mögliche PFC-Konzentrationen im Blut bestimmt werden, desto besser. „Bei weiterhin planmäßigem Verlauf der Vorarbeiten kann wohl auch noch in diesem Jahr mit den Untersuchungen begonnen werden, allerdings ist vor Ende des Jahres nicht mit dem Untersuchungsbeginn zu rechnen“, erklärte Sebastian Altemüller. Zwischen dem ersten Treffen der Expertenkommission im Mai und dem Beginn der Blutuntersuchungen liegen somit nur ein paar Monate, was angesichts des großen organisatorischen Aufwandes tatsächlich enorm schnell ist.

Stadt unterstützt Vorhaben

Weitenung fällt in die Kategorie PFC-belastetes Grundwasser/Boden und deswegen werden auch dort den Bürgern die Untersuchungen angeboten werden. „Die Stadt Bühl begrüßt selbstverständlich alle Maßnahmen, die hier unternommen werden, damit eine sachliche Abarbeitung der Problematik in allen Bereichen erfolgt. Aus diesem Grund haben wir auch unsere Unterstützung zugesagt“, erklärte dazu Markus Benkeser, der PFC-Beauftragte der Stadt. Benkeser setzt auf eine sachliche und transparente Vermittlung der Informationen an die Bürger, um eine Beunruhigung zu vermeiden. Bislang sei die Stadt zunächst vom zuständigen Gesundheitsamt über die grundsätzliche Aufnahme Weitenungs in das Projekt informiert worden, „sobald eine genaue Planung der Durchführung vorliegt, werden wir die Bevölkerung weiter informieren“, so Benkeser. Man werde sich in der kommenden Woche mit Vertretern des Landesgesundheitsamtes treffen, erklärte dazu Hans-Jürgen Bortel vom Gesundheitsamt in Rastatt dem ABB auf Anfrage, um beispielsweise zu besprechen, wo genau und wann die Blutabnahme stattfinden solle. Es würden Bürgerinnen und Bürger zufällig aus dem Einwohnermelderegister ausgewählt und zur Blutentnahme eingeladen, so Bortel, für jede der Gruppen (belastetes Trinkwasser, Belastung über Boden und Grundwasser sowie unbelastet) seien das 100 Personen, also insgesamt 300. Eine Frage, die sich sicher ebenfalls stellen wird, ist die Einbeziehung der Ärzte vor Ort, auf die ja möglicherweise auch Fragen seitens der Bürger im Zusammenhang mit den Blutuntersuchungen zukommen werden. Auch dieser Punkt werde in der kommenden Woche ein Thema sein, versichert Bortel.

Infoveranstaltung in Weitenung

Weitenungs Ortsvorsteher Daniel Fritz wurde Anfang der Woche von Markus Benkeser über die geplanten PFC-Blutkontroll-Untersuchungen informiert und auch Fritz begrüßt diese Maßnahme ausdrücklich. Bislang sind an ihn selber noch keine Anfragen von Weitenunger Bürgern bezüglich PFC herangetragen worden. Das sei möglicherweise aber damit zu begründen, dass das Trinkwasser selber nicht belastet sei. Fritz wünscht sich generell eine stärkere Kommunikation und Transparenz in der PFC-Belastung, „häufigere Informationen wären nicht schlecht, man hätte dann doch das Gefühl, noch mehr eingebunden zu sein“, so Fritz. „Wir planen zeitnah, möglicherweise sogar noch in diesem Jahr, eine Infoveranstaltung für die Weitenunger Bürger zum Thema PFC“, betont Fritz; das liege ihm besonders am Herzen.