Christine Knuchel von der „Leseinsel“ mit der Neuerscheinung „Die Katze und der General“ von Nino Haratischwili. Die aus Georgien stammende Autorin begeistert Knuchel besonders. | Foto: König

Buchhandel und Mediathek

Bühl am Puls der Frankfurter Buchmesse

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Von Katrin König

Die Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch gestartet ist, beschäftigt derzeit auch die Bühler „Buchhandelsgemeinde“, sprich örtliche Buchgeschäfte und die städtische Mediathek. Den Ausdruck der „Buchhandelsgemeinde“ verwendet Christine Knuchel, die gemeinsam mit ihrem Mann Jens Kottner die „Leseinsel“ betreibt und die Messe seit 17 Jahren regelmäßig besucht. „Ich fuhr auch schon dorthin, als ich noch gar nicht Buchhändlerin war“, erzählt sie. Direkt neben ihr stehen einige der diesjährigen Neuerscheinungen sowie Titel, die bereits 2017 in Frankfurt präsentiert wurden, aber erst jetzt als Taschenbücher im Handel sind. „Unser Interesse an der Messe unterscheidet sich natürlich von dem der Öffentlichkeit“, so Knuchel weiter. „Wir nutzen die Möglichkeit, in den nur für Fachleute vorgesehenen ersten Tagen mit Vertretern und Firmen aus der Branche zu sprechen. Die Verleger präsentieren nicht nur ihre Bücher, sondern informieren auch über Themen wie Ladenbau oder Betriebssysteme.“

„Man kennt sich“

Man kenne sich, plaudere, treffe Freunde wieder. Sie persönlich liebe besonders das Schlendern durch die riesigen „Hallen“, wo auch Außergewöhnliches zu finden sei, historische Inkunabeln etwa. Zudem empfindet sie die Messe als Gelegenheit, manch bewunderten Autor auch persönlich kennenzulernen. „Mein Mann und ich mögen besonders Dorian Florescu, das ist ein ausgesprochen freundlicher und witziger Mensch.“
Mit Berühmtheiten wie Grüffelo-Autor Axel Scheffler ins Gespräch zu kommen, sei freilich kaum möglich: „Die Schlangen sind bei solchen Schriftstellern riesig, alle möchten ein signiertes Exemplar.“ Von den tausenden Büchern, die auf der Messe präsentiert werden, steht in der Leseinsel eine vielseitige Auswahl, die Knuchel auch mit Blick auf die Kundschaft besonders lesenswert erscheint. „Verliebt habe ich mich in die Romane von Nino Haratischwili, die aus Georgien stammt, dem diesjährigen Ehrengast bei der Messe.“ Sie weist auf deren Roman „Die Katze und der General“ und befindet, trotz der immerhin rund 750 Romanseiten sei es sehr gut lesbar und spannend. Einen „Run“ erwartet Knuchel auf Wells’ „Vom Ende der Einsamkeit“, nun als Taschenbuch erhältlich. Und: „Viele Leute warten auf das neue Buch von Elena Ferrante, ‚Lästige Liebe’.“

Wichtiger Impuls

Auch für das Team der Buchhandlung Ullmann steht ein Besuch der Messe Jahr für Jahr außer Frage: „Wir fahren wechselweise“, berichtet Bettina Tietze-Ullmann. „Es ist für uns immer wieder ein wichtiger Impuls und dient zur Information. Wir genießen es, neue Bücher zu entdecken, schauen uns auch gern an den internationalen Buchständen um, zum Beispiel bei den afrikanischen Ländern.“ Auch Ullmann ist mit den wichtigen Titeln der diesjährigen Buchmesse längst ausgestattet. „Und natürlich“, betont auch Bettina Tietze-Ullmann, „pflegen wir über den Messebesuch Kontakte, etwa zu den Verlagen“. Nicht auf die Messe zu gehen, das erscheint ihr kaum vorstellbar: „Uns würde etwas fehlen.“

Bühler Verlage sind in Frankfurt indes nicht vertreten – zumindest nicht über einen Stand. „Der finanzielle, organisatorische und personelle Aufwand lohnt sich für uns, die wir vor allem regionale Produkte und regional begrenzte Auftragsarbeiten verlegen, nicht“, begründet Meike Heekerens („seitenweise“).

Mediatheksleiterin Sonja Kropp berichtet aus jahrelanger Erfahrung, Besuche der Frankfurter Buchmesse seien „irre bereichernd“, schon allein um der „Autorendichte“ willen. „Jeder, der gerne liest, sollte sich die Messe nicht entgehen lassen.“ Und: „Wir Bibliothekare haben natürlich dort auch richtig Arbeit. Die Buchauswahl treffen wir zwar schon lange vor der Veranstaltung, es werden aber allerhand interessante Produkte für unsere Branche präsentiert, beispielsweise vom Deutschen Bibliotheksverband.“
Viele der zeitnah zur Messe veröffentlichten Neuerscheinungen sind in der Mediathek schon vorhanden; Inger-Maria Mahlkes „Archipel“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis, wird in den nächsten Tagen für die Mediatheksbesucher zur Ausleihe bereitstehen. „Außerdem haben wir einen eigenen Buchtisch zum Thema Georgien“, sagt sie und nennt etwa georgische Märchen, einen Bildband oder auch ein Länderportrait. „Im Kontext mit dem Ehrengast Georgien ist auch der Film ‚Weit’ wieder sehr aktuell, in dem das Land als sehr liebenswert in Erscheinung tritt.“ In diesem Jahr wird Kropp die Messe allerdings nicht besuchen können: „Bei uns ist noch Urlaubszeit, das wäre personell nicht möglich.“