Ludwig Wappner, Professor für Baukonstruktion am KIT, erläutert den siegreichen Wettbewerbsbeitrag seiner Studenten Julian Hettich und Daniel Uhrig für die Heidelberger Hütte. | Foto: Ulrich Coenen

Regionale Baukultur

Bühl im Karlsruher Architekturschaufenster

OB Hubert Schnurr zeigte gleich zu Beginn klare Kante. „Das heutige Bühl ist sehr viel mehr als nur eine Zwetschgenstadt“, erklärte er bei seinem Vortrag im „Architekturschaufenster“ in Karlsruhe. Dort stellte sich die Stadt Bühl im Rahmen der Reihe „Regionale Baukultur“ vor.

Reihe läuft seit zwei Jahren

Harald Ringler, stellvertretender Vorsitzender des Architekturschaufensters, betonte, dass nicht nur Karlsruhe im Fokus des Ausstellungen stehen solle. „Was geschieht in der Region?“, fragte er. Bühl ist inzwischen die siebte Kommune, die im „Architekturschaufenster“ präsentiert wird. Begonnen hat die Reihe vor zwei Jahren mit Baden-Baden.

Für Schnurr, der vor seinem Wechsel nach Bühl als Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt Karlsruhe gearbeitet hat, war es ein Heimspiel. Er beschrieb seine Stadt als prosperierenden Wirtschaftsstandort mit fast 30 000 Einwohnern, 21 000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen und einer Arbeitslosenquote von nur zwei Prozent. „Wir sind sehr gut aufgestellt“, erklärte Schnurr selbstbewusst. Bühl habe sich von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde seit den 1960er Jahren zum modernen Industriestandort entwickelt.

Panoramalandschaft

Der OB hob die Lebensqualität der dreigeteilten und vielseitigen Bühler „Panoramalandschaft“ hervor, die von der Rheinebene über die Vorgebirgszone in der Schwarzwald aufsteigt. Und überhaupt: „Im Gegensatz zu Karlsruhe haben wir einen Erstligisten.“

Selbstverständlich ging es vor allem um Architektur und Stadtplanung. Schnurr streifte kurz die Baudenkmäler im Stadtgebiet und bedauerte die Hängepartie um das seit 2010 leer stehenden Schlosshotel Bühlerhöhe: „Unsere Einflussmöglichkeiten auf die Investoren sind gering.“

Vernissage im Architekturschaufenster: Die Bühler Ausstellung | Foto: Ulrich Coenen

Der OB betonte, dass Baukultur in seiner Stadt eine wichtige Rolle spielt, und stellte mehrere Objekte vor, die im vergangenen Jahrzehnt vom Bund Deutscher Architekten (BDA) und der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgezeichnet wurden. Schnurr zeigte in seiner Power-Point-Präsentation Fotos von drei Einfamilienhäusern des Bühler Architekten Thomas Bechtold und stellvertretend für öffentliche Bauten Realschule und Mediathek (Wurm + Wurm, Bühl) und die neue Sporthalle (Löweneck und Schöfer, München). „Ausnahmslos Wettbewerbserfolge“, wie Schnurr betonte. In der Industriestadt gibt es auch preisgekrönte Gewerbebauten. Der OB präsentierte die Sanierung des inzwischen denkmalgeschützten USM-Gebäudes von Fritz Haller durch Wurm + Wurm, das Bada-Gebäude (ebenfalls Wurm + Wurm) und das Picosens-Gebäude (Peter W. Schmidt, Pforzheim).

Wichtige Wettbewerbe

Schnurr betonte, dass das Wettbewerbswesen in Bühl einen hohen Stellenwert hat. Er stellte den aktuellen Wettbewerb Campus Bühl vor, den Plan7 Architekten (Stuttgart) im vergangenen Jahr gewonnen haben. „Wir wollen den Bereich um Bürgerhaus, Mediathek und Realschule verkehrsberuhigen“, berichtete Schnurr. „Gleichzeitig sollen drei neue Hochbauten entstehen: Mensa, eine Turnhalle und ein Pavillon für die Realschule.“

Der OB wies ebenfalls auf den geplanten Wettbewerb für die Sanierung des Windeck-Gymnasiums hin, für den der Gemeinderat in der vergangenen Woche einen Grundsatzbeschluss gefasst hat (wir berichteten). Die Schule habe einen „erhöhten Sanierungsstau“.

Ein Prestigeprojekt im Bereich der Gewerbebauten ist für die Stadt das Schaeffler Automotive Headquarter. In der Power-Point-Präsentation waren einige Pläne des Büros Wurm + Wurm zu sehen, deren gestalterische Qualität weit über das hinaus geht, was bei Industriegebäuden landauf landab üblich ist.

Architektenausbildung

Karlsruhe sei neben Stuttgart eine der beiden Hochburgen der Architeketenausbildung in Baden-Württemberg, konstatierte Ludwig Wappner, Professor für Baukonstruktion am Karlsruher Institut für Techologie (KIT). Wie berichtet hat sein Lehrstuhl in Zusammenarbeit mit der Stadt Bühl einen Stegreifentwurf für die Heidelberger Hütte unterhalb der Schwarzwaldhochstraße angeboten. Gleichzeitig gab es einen Wettbewerb. Der Siegerentwurf der Studenten Julian Hettich und Daniel Uhrig soll, wie Oberbürgermeister Hubert Schnurr gegenüber dieser Zeitung betonte, ausgeführt werden. In der Skihütte sind Seminar- und Eventäume des Bühler Gründerzentrum BITS geplant. Aktuell werden im Architekturschaufenster alle 13 studentischen Arbeiten ausgestellt.

Wappner berichtete, dass die Architekturfakultät des KIT als Ausbildungsstätte „Fußspuren“ in der Region hinterlassen habe und nach wie vor hinterlasse. Im Hinblick auf Baukultur gebe es aber in der einen oder anderen Gegend durchaus noch „Diasporatendenzen“.

Wappner lobte Bühl als prosperierende Stadt mit Identität. Für den Architektur-Professur mit „Volleyball-Passion“ (Wappner) ist Bühl gleich doppelt attraktiv. Sein Lehrstuhl habe sich gerne der Heidelberger Hütte aus den 1930er Jahren angenommen, die ein Stück weit baukulturelles Erbe darstelle.

Service

Die Ausstellung im Architekturschaufenster (Waldstraße 8 in Karlsruhe) ist bis zum 29. Juli zu sehen.