Fahrt auf einem Radweg: Der ADFC hat die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests veröffentlicht. Bühl und Achern haben vergleichsweise gut abgeschnitten | Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Umfrage zum Radklima

Bühl klettert in der Tabelle nach oben

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Beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) haben Bühl und Achern vergleichsweise gute Ergebnisse erzielt. Zwar haben sich die Durchschnittsnoten gegenüber der Befragung von 2016 etwas verschlechtert (Bühl von 3,2 auf 3,5, Achern von 3,5 auf 3,6), in der Rangliste der baden-württembergischen Kommunen haben beide Städte aber Boden gutgemacht: Unter 50 Gemeinden zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern verbesserte Bühl sich vom achten auf den sechsten Platz, Achern vom 15. auf den elften. Bundesweit haben sich in dieser Gruppe 311 Städte und Gemeinden beteiligt, Bühl belegt hier den 37. Platz (2016: 49) und Achern den 65. Platz (92).

198 Teilnehmer in Bühl

Der ADFC hatte im vergangenen Spätjahr zur Teilnahme an der Umfrage aufgerufen. Dabei sollten fünf Themen mit Schulnoten bewertet werden: Fahrrad- und Verkehrsklima, Stellenwert des Radfahrens, Sicherheit beim Radfahren, Komfort beim Radfahren sowie Infrastruktur und Radverkehrsnetz. Der ADFC-Fahrradklima-Test gilt nach Angaben des Verbandes weltweit als größte Befragung zum Thema Fahrradfreundlichkeit. Für das Ranking 2018 wurden etwa 170 000 Radfahrer befragt – das sind 40 Prozent mehr Menschen als 2016. In Bühl beteiligten sich 198 Fahrradfahrer und damit exakt so viele wie zwei Jahre zuvor, in Achern waren es 87 gegenüber 101 beim vorangegangenen Mal; bei der Auswertung weist der ADFC aber darauf hin, dass die Acherner Bewertungen im Vergleich zu den meisten anderen Städten sehr uneinheitlich ausfallen: Es finden sich innerhalb der einzelnen Themen große Abweichungen.

Einigkeit bei Schwachpunkten

Einig sind sich die Fahrradfahrer in den Nachbarstädten über die Schwachpunkte. Fahrraddiebstahl komme häufig vor (Bewertung jeweils 3,9), und es wird das Fehlen öffentlicher Fahrräder moniert (Achern: 4,9, Bühl 4,4). Sehr kritisch wird auch die Falschparkerkontrolle auf Radwegen gesehen (Bühl, 4,2, Achern 4,4). Das ist im Übrigen ein bundesweit moniertes Thema. In Achern wird außerdem die Breite der Radwege beanstandet (4,1), in Bühl sind Fahrradfahrer mit den Ampelschaltungen für Radfahrer nicht zufrieden (4,2).

Lob für Einbahnstraßenregelung

Gelobt wird in beiden Kommunen, dass viele Einbahnstraßen für Radfahrer auch in der Gegenrichtung geöffnet sind (Bühl 2,3, Achern 2,5). Damit heben sich beide Städte deutlich vom bundesweiten Durchschnitt ab. Mit der Erreichbarkeit des Stadtzentrums sind beide Gruppen ebenso zufrieden (Bühl 2,4, Achern 2,6) wie mit der Möglichkeit des zügigen Fahrens (Achern 2,5, Bühl 2,6). Im Vergleich mit ähnlichen Städten wird zudem in Bühl die Werbung für das Radfahren (plus 1,3) besser betrachtet; häufige und positive Medienberichte zum Thema (plus 0,9) werden ebenfalls stärker hervorgehoben. In Achern sind es die Ampelschaltungen für Radfahrer und das Fahren im Mischverkehr mit Autos (jeweils plus 0,5), die im Vergleich besonders gut abschneiden. Am anderen Ende der Vergleichsskala finden sich der Fahrraddiebstahl, das Radfahren durch Alt und Jung sowie die Fahrradmitnahme im ÖPNV; allerdings sind hier die Abweichungen vom Landesschnitt nur minimal. Das gilt auch für Achern, wobei hier auf den letzten Plätzen öffentliche Fahrräder, Fahrraddiebstahl und die Falschparkerkontrolle auf Radwegen liegen.

Bürgermeister ist zufrieden

Der Bühler Bürgermeister Wolfgang Jokerst zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen. Gerade bei den Punkten Fahrrad- und Verkehrsklima sowie Infrastruktur und Radverkehrsnetz hätten die Teilnehmer der Umfrage gute Noten vergeben. „Wir sehen aber auch den Nachholbedarf“, sagte Jokerst. Die Ergebnisse kämen zur richtigen Zeit: Aktuell plane die Stadtverwaltung ein Verkehrs- und Mobilitätskonzept, „ und der Radverkehr wird hier ein wichtiger Eckpunkt sein. Wir wollen diesem Thema ein noch stärkeres Gewicht geben, und die Ergebnisse der Umfrage können hier ein Handlungsleitfaden sein.“ Derzeit werde eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, der unter anderem auch Firmenvertreter angehören sollen (es geht auch um die Erreichbarkeit der Betriebe etwa vom Bahnhof aus). Die Ideen der Arbeitsgruppe sollen im Spätjahr mit den Bürgern besprochen werden. „Wir erarbeiten kein vorgefertigtes Konzept, sondern wollen dies gemeinsam festlegen“, kündigte Jokerst an.