Eine Kampagne zum toten Winkel die Bühler Stadtverwaltung gestartet. Vertreter von Bauhof, Stadtwerken und Stadtverwaltung stellten sie jetzt vor. | Foto: pr

Weitere Aktionen geplant

Bühl möchte die Fahrradfreundlichkeit weiter verbessern

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Das Fahrrad ist ein wichtiger Baustein des Bühler Mobilitätskonzepts. Mit dem Ausbau von Radwegen und Abstellanlagen will die Stadtverwaltung die Rahmenbedingungen weiter verbessern. Auch eine Aktion zum toten Winkel wurde jetzt gestartet.

Die Bühler Stadtverwaltung möchte die Bedingungen für Fahrradfahrer weiter verbessern. Neben einer Aufklärungskampagne zum toten Winkel setzt sie dabei neben dem Ausbau von Radwegen und Abstellanlagen auch auf Initiativen der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Baden-Württemberg (AGFK), der Bühl seit 2013 angehört, und auf die Aktion Radkultur. Im vergangenen Oktober hatte der Gemeinderat die Bewerbung für das große Radkultur-Paket gebilligt. Erhält sie den Zuschlag, bedeutet das nicht nur einen Landeszuschuss von 75.000 Euro für dieses und nächstes Jahr, auch eine professionelle Begleitung bei den unterschiedlichsten Angeboten wäre dann möglich. „Wir warten täglich auf die Entscheidung“, sagte Beate Link vom zuständigen Fachbereich am Montag bei einem Pressegespräch. Sobald sie vorliege, würden die Programmflyer für dieses Jahr erstellt.

Die Stadt Bühl folgt einer Aktion der Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen (AGFK-BW) und der Landesverkehrswacht zum toten Winkel. An Lkw von Bauhof und Stadtwerken werden Warn-Aufkleber aufgebracht. Auch Firmen können die Aufkleber anfordern.
Mit der Aktion wolle man die Fahrradfahrer für die Gefahren sensibilisieren: „Immer wieder werden Radfahrer Opfer von fatalen Unfällen, weil Lkw-Fahrer sie im toten Winkel nicht sehen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadtverwaltung. Im Herbst werde auch in Schulen darüber informiert: „Für viele Kinder ist es ein Aha-Erlebnis, wenn sie auf dem Fahrersitz eines Lkw sitzen und ihren Klassenkameraden nicht sehen können, weil er sich im toten Winkel befindet“, sagte Beate Link.

Radwegenetz ist 72 Kilometer lang

Die technische Seite des Themas Radverkehr erläuterte Fritz Ell von der Abteilung Verkehr und Lärmschutz. Er berichtete vom 72 Kilometer langen Bühler Radwegenetz, das sich auf Rad- und Wirtschaftswege (43,5 Kilometer) und öffentliche Straßen (28,5) aufgliedert. 15,5 Kilometer sind in den Winterdienstplan integriert, vor allem sind dies die Zufahrtsstrecken aus den westlichen Stadtteilen.

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Einige Neubaumaßnahmen stehen auf der Agenda, wobei unterschiedliche Straßenlastträger zuständig sind. Für die Verbindung zwischen Weitenung und Leiberstung, ein Gemeinschaftsprojekt von Landkreis Rastatt, Stadt Bühl und Gemeinde Sinzheim, ist laut Ell ein Antrag auf Förderung gestellt, im Erfolgsfall bedeute dies einen 50-prozentigen Zuschuss. Einen solchen Antrag habe der Landkreis auch für die Strecke von Balzhofen nach Zell gestellt.

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Zwischen Moos und Zell ist das Regierungspräsidium zuständig; hier wird aktuell noch umgeplant, um am Ortseingang Zell einen Fahrbahnteiler einbauen zu können. Zwischen dem Ottersweierer Ortsteil Hub und Neusatz ist die Vorplanung erfolgt. Im Blick hat man auch ein Teilstück bei Müllenbach. Damit soll verhindert werden, dass die Fahrradfahrer den direkten, aber gefährlichen Weg über die Straße nehmen, statt dem kurzen „Umweg“ auf dem vorhandenen Wirtschaftsweg zu folgen.

602 Abstellplätze

Die Zahl der Abstellanlagen hat sich im vergangenen Jahr um 244 auf jetzt 602 erhöht, dafür wurde auf beiden Seiten der Bahn insgesamt 109.000 Euro investiert. 296 dieser Abstellplätze sind überdacht, 202 befinden sich in gesicherten Anlagen. Ein Plan mit der Lage der Abstellanlagen soll in den kommenden Tagen auf der Homepage der Stadt eingestellt werden, sagte Barbara Thévenot, die Abteilungsleiterin Stadtentwicklung.

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Ell ging auch auf die Ergebnisse des jüngsten Fahrradklimatests ein, bei dem Bühl im Vergleich mit Städten gleicher Größenordnung unter 311 Kommunen den 37. Platz belegt hatte. Ein Kritikpunkt war hier das mangelnde Angebot an Fahrradmitnahmemöglichkeiten im ÖPNV gewesen. Im Linienverkehr sei das schwierig, meinte Ell, weil das Auf- und Abladen der Fahrräder viel Zeit benötige. Deshalb beschränke sich dieses Angebot meist auf Freizeitbusse. Die Stadtverwaltung bleibe aber an diesem Thema dran.

Baustein des Mobilitätskonzepts

Aufschlüsse erwartet Ell von den Ergebnissen der laufenden Befragung zum Mobilitätsverhalten in Bühl: „Dann können wir gezielte Maßnahmen starten.“ Ein wichtiger Baustein sei der Radverkehr auch im städtischen Mobilitätskonzept, das in diesem Jahr beschlossen werden soll, sagte Oberbürgermeister Hubert Schnurr: „Beim Radverkehr sind wir im Vergleich zu anderen Themen weit voraus.“