Die neue Bühler Mensa soll im Bereich des Gartens des denkmalgeschützten Kinder- und Familienzentrums entstehen. Der dreigeschossige Kubus wird mit dem Altbau über einen Steg verbunden. | Foto: Bernhard Margull

Hohe Kosten

Bühler Gemeinderat stimmt nach langen Diskussionen für neue Mensa

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Vielleicht liegt es an der fünften Jahreszeit. Der Bühler Gemeinderat hat sich am Mittwochabend irgendwo zwischen Komödie und Tragödie zu einer Lösung für die neue gemeinsame Mensa für Realschule und Aloys-Schreiber-Schule auf dem Campus durchgerungen.

Es gab so viele vorgetragene und wieder zurückgezogene Anträge, dass der sichtlich entnervte Oberbürgermeister Hubert Schnurr ebenso wie die Journalisten, die die Sitzung verfolgten, ein wenig den Überblick verloren. Viele Gemeinderäte schienen im Hinblick auf die Details auch nicht mehr völlig orientiert.

Immerhin darf die dreigeschossige Mensa mit dem Steg, der sie mit dem denkmalgeschützten Kinder- und Familienzentrum verbindet, nach Plänen von Plan 7 Architekten (Stuttgart) nun gebaut werden. Im rückwärtigen Bereich der über zwei Geschosse reichenden Loggia soll aber entgegen dem Vorschlag der Verwaltung eine Zwischendecke eingezogen werden.

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13 Stadträte stimmen dafür

Der Gemeinderat reagiert damit auf den Raummangel in Bühler Schulen. Im Bereich der Zwischendecke, die das Projekt um eine noch unbekannte Summe verteuern wird, könnte zu einem späteren Zeitpunkt auf jedem der beiden Stockwerke ein weiterer Klassenraum eingerichtet werden. Für diesen Antrag aus der Mitte des Gemeinderates stimmten schließlich 13 Stadträte (bei zehn Gegenstimmen und zwei Enthaltungen).

Möglichst nahe null

Der Entwurf von Plan 7 Architekten (Stuttgart) zeigt in der Mitte den geplanten Neubau für Mensa und Klassenräume, rechts das denkmalgewschützte Kinder- und Familienzentrum und links die bereits bestehende Sozialstation St. Elisabeth. | Foto: Plan 7 Architekten

Gleichzeitig soll die Mensa auf Antrag von Walter Seifermann (GAL) als Niedrigenergiehaus „möglichst nahe null“ ausgeführt werden. Immerhin in dem Punkt waren sich fast alle einig; es gab nur eine Gegenstimme der AfD.

Zuvor hatte das Gremium einen weitergehenden Antrag von Johannes Moosheimer (FW) abgeschmettert, für den es nur fünf Ja- Stimmen gab. Moosheimer hatte zum Entsetzen von Hubert Schnurr und des städtischen Hochbau-Chefs Gereon Zimmer gefordert, eine komplette Zwischendecke einzuziehen. Die beiden Architekten warnten ausdrücklich vor einem dunklen Raum ohne jede Belichtung, der dann im unteren Geschoss der Loggia entstehen würde.

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Dürk bittet um Sachlichkeit

Zu Beginn des Tagesordnungspunktes stellte Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Bildung/Kultur/Generationen im Rathaus, das Mensakonzept ausführlich vor. Seiner Bitte um die „gebotene Sachlichkeit“ folgte das Gremium in der späteren Debatte nur bedingt.

Dürk berichtete, dass aktuell bereits 280 Schüler der Aloys-Schreiber-Schule die Mensa besuchen. Wenn die Realschule zur offenen Ganztagsschule werde, steige der Bedarf an Plätzen in der Mensa erheblich. Außerdem gebe es bereits jetzt drei Wanderklassen, im nächsten Jahr steige die Zahl auf vier. „Die Schulraum- und Mensafrage drängt“, sagte Dürk.

Im Erdgeschoss des dreigeschossigen Neubaus sollen die Mensa und das Schülercafé entstehen, in den beiden oberen Geschossen sind jeweils zwei Klassenräume und dazwischen ein Lernatelier geplant. Davor befindet sich die große Loggia, die nach Ausführungen von Dürk für den Bewegungsdrang der Schüler unbedingt notwendig ist. Auch den Steg, der Mensa und Kinder-und Familienzentrum verbindet, hielt der Fachbereichsleiter für unverzichtbar, um die beiden Einrichtungen im Hinblick auf ihre zukünftige Aufgabe funktional zu verbinden.

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Hohe Kosten sind Knackpunkt

DENKMALGESCHÜTZT: Im Garten links neben dem Kinder- und Familienzentrum soll der dreigeschossige Neubau für Mensa, Schülercafé und Klassenräume entstehen. | Foto: Ulrich Coenen

Ein Knackpunkt sind die Kosten von 6,35 Millionen Euro für das Projekt. Der Gemeinderat hat die Mensa aus diesem Grund im November zum zweiten Mal vertagt. Zahlreiche Gemeinderäte forderten damals statt der geplanten drei, nur zwei Geschosse zu bauen und auf die große Loggia zu verzichten.

Wir wollen keinen Schulbetrieb auf engstem Raum.

Klaus Dürk, Fachbereichsleiter Bildung/Kultur/Generationen

Die Stadt hat dies in der Zwischenzeit geprüft. Dürk geht bei einem Verzicht auf das dritte Stockwerk von einer Ersparnis von 200.000 Euro aus, warnte aber vor den Folgen. Wird die Mensa nur zweigeschossig, gibt es im Obergeschoss entlang eines schmalen Mittelkorridors rechts und links jeweils drei Klassenräume beziehungsweise Lernateliers. „Für 180 Schüler wird das extrem eng“, meinte Dürk. „Pädagogisch ist das nicht vertretbar. Wir wollen keinen Schulbetrieb auf engstem Raum.“

Dürk stellte in Aussicht, dass die Stadt auf den ursprünglich geplanten Neubau einer Turnhalle auf dem Schulhof der Aloys-Schreiber-Schule verzichten könne. Dies spare weitere Kosten.

Der Gemeinderat war diskussionsfreudig wie selten. Der Dauerbrenner Mensa sorgte für zahlreiche kontroverse Redebeiträge. Viele Stadträte meldeten sich gleich mehrfach zu Wort.
„Unsere Haltung ist sonnenklar“, meinte Peter Hirn (SPD). „Wir stehen zur Mensa. Die Reduzierung auf zwei Geschosse kommt nicht in Frage.“ Der Steg zwischen Mensa und Kinder- und Familienzentrum ist für Hirn eine architektonische Aufwertung, ein „Schmankerl“ im Entwurf von Plan 7 Architekten.

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Kein Zweifel an Notwendigkeit

Die Bürgerinitiative demonstrierte vor Beginn der sehr gut besuchten Gemeinderatssitzung im März 2019 im Friedrichsbau in Bühl gegen den Neubau der Mensa. | Foto: Ulrich Coenen

„An der Notwendigkeit der Mensa besteht kein Zweifel“, sagte Georg Feuerer (CDU). „Wir tun uns aber mit den hohen Kosten, die nicht zu unserer Finanzlage passen, schwer.“ Die Verwaltung habe die Aufforderung der CDU, kostengünstigere Alternativen zu prüfen, nicht ernsthaft verfolgt. Die CDU könnte sich nach Auskunft von Feuerer gut vorstellen, auf den Steg zu verzichten.

Bildung ist unser wichtigster Rohstoff.

Walter Seifermann (GAL)

Feuerer brachte (wie später auch andere Stadträte) eine modulare Bauweise für die Mensa ins Gespräch. Dabei blieb aber unklar, ob wirklich alle Stadträte unter diesem Fachbegriff dasselbe verstehen, nämlich einen Bau mit industriell vorgefertigten Komponenten. Unklar blieb in der Debatte ebenfalls, ob damit immer Wandscheiben aus Holz gemeint waren, die eine bessere CO2-Bilanz als Beton haben. „Bildung ist unser wichtigster Rohstoff“, argumentierte Walter Seifermann (GAL). „Deshalb haben Bildungseinrichtungen für uns allerhöchste Priorität. Die Mensa ist sehr teuer. Wir tun aber gut daran, sie zu entwickeln.“

Johannes Moosheimer (FW) forderte angesichts von drei Wanderklassen „Raumreserven“ und schlug vor, in der „Veranda“ eine Zwischendecke einzuziehen. Der städtische Hochbau-Chef Gereon Zimmer war entsetzt: „Das würde aussehen wie eine Baustelle, die nicht fertig geworden ist“, fand er. Barbara Becker (SPD) reagierte ebenfalls erschrocken angesichts dieses Vorschlags von Moosheimer und unkte von einem „Lernbunker“, der die „luftige und leichte Architektur“ zerstöre.

Jäckel warnt vor Käfighaltung

Lutz Jäckel (FDP) sprach sich klar für die Mensa mit drei Geschossen aus. „Wer das Bildungskonzept weiterentwickeln will, muss zustimmen“, konstatierte er. Er warnte vor der zweigeschossigen Lösung, die er angesichts der drohende Enge für die Schüler mit einer „Käfighaltung“ verglich. Tieren würde man so etwas in der aktuellen Diskussion nicht mehr zumuten wollen, meinte er.

Daniel Fritz (CDU) konterte, dass niemand im Gemeinderat das pädagogische Konzept in Frage stellte. „Es geht nur um den Steg“, erklärte er. Außerdem forderte auch Fritz eine „modulare Bauweise“, die flexibel sei. OB Hubert Schnurr wies darauf hin, dass ein Abwenden von der konventionellen Bauweise zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr möglich sei. „Das hätten wir uns früher überlegen müssen“, sagte er. „Bei zukünftigen Projekten ist das aber durchaus möglich.“