Der Gemeinderat will das auf dem Gelände des Mutterhauses Neusatzeck ein Wohngebiet entsteht. Das Seniorenzentrum ist kein Thema mehr | Foto: Ulrich Coenen

Zukunft des Klosters

Bühler Gemeinderat will Neubaugebiet statt Seniorenzentrum in Neusatzeck

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Der Gemeinderat Bühl hat am Mittwochabend mit knapper Mehrheit auf Antrag der Freien Wähler die Aufstellung eines Bebauungsplans für ein Neubaugebiet auf dem Gelände des Klosters Neusatzeck beschlossen. Die Stimmen der Freien Wähler und der CDU reichten für ein Abstimmungsergebnis von 13:11 (bei einer Enthaltung).

Der anschließende Tagesordnungspunkt, bei dem es um den völlig neuen Entwurf des Projektentwicklers Bernd Mathias für das Seniorenzentrum geht, hatte sich damit erledigt und wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Rund 40 Bürger, zumeist aus Neusatz, verfolgten die Debatte.

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Oberbürgermeister Hubert Schnurr, der sich für das Seniorenheim aussprach, hatte noch am Mittwochmorgen mit dem vom Orden beauftragten Kölner Makler telefoniert. Schnurr berichtete, dass es für ein Neubaugebiet keinen Investor gibt und der Orden einen Vertrag mit Bernd Matthias hat. Der OB kündigte an, die Entscheidung des Gemeinderates rechtlich zu prüfen und unter Umständen sein „Veto“ einzulegen, um Schaden von der Stadt abzuwenden.

Neubaugebiet keine neue Idee

Der Gemeinderat hatte die zweite Fassung der Pläne des Projektentwicklers für das Seniorenzentrum im Dezember 2019 abgelehnt. Diese zweite Fassung war allerdings nur notwendig geworden, weil sich der erste Entwurf aus artenschutzrechtlichen Gründen nicht realisieren ließ, nachdem im Kernbau des Mutterhauses von 1928 Fledermäuse entdeckt wurden. Aus diesem Grund muss der Hauptbau, der ursprünglich abgerissen werden sollte, erhalten bleiben. Für den ersten Entwurf hatte es allerdings 2019 eine Mehrheit im Gemeinderat gegeben.

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Die Idee für ein Neubaugebiet gibt es bereits seit Längerem. Allerdings hat sich dafür bisher kein Investor gefunden. Auch eine professionelle Planung liegt bislang nicht vor. Der Ortschaftsrat Hubert Oberle (CDU) und ein weiterer Neusatzer (beides keine Architekten) haben aber Konzepte ausgearbeitet.

Wir haben keine andere Wahl, um Schaden von Neusatz abzuwenden.

Franz Fallert, Freie Wähler

Franz Fallert (FW) begründete für seine Fraktion im Gemeinderat die Initiative für ein Neubaugebiet. „Der Ortschaftsrat war 2019 froh, dass der Gemeinderat das Seniorenzentrum abgelehnt hat“, berichtete er. Inzwischen habe sich der Ortschaftsrat einstimmig für ein Neubaugebiet ausgesprochen. „Wir haben keine andere Wahl, um Schaden von Neusatz abzuwenden“, meinte Fallert. Dem Projektentwickler warf er unprofessionelle Arbeit vor. Sein vorgezogener Abrissantrag für die Bestandsbauten nach dem Scheitern seines Konzepts im Gemeinderat im Dezember 2019 habe dass Fass zum Überlaufen gebracht.

Kosten für Bebauungsplanverfahren auf Investor umlegen

Fallert forderte einen Plan für das Klostergelände, der ins Neusatzer Tal passe. „Neusatz benötigt neue Flächen für die Wohnbebauung“, argumentierte er. „Es gibt also eine Alternative zum Seniorenzentrum.“ Die Kosten für ein Bebauungsplanverfahren in der Größenordnung von 40.000 Euro könnten auf einen späteren Investor umgelegt werden. Den OB forderte Fallert auf, sich nicht gegen die Entscheidung des Ortschafstrates zu stellen. „Das hat er den Neusatzern zugesagt“, betonte er.