Auch in Bühl wird für den Klimaschutz demonstriert. | Foto: Bernhard Margull

Dritte Freitags-Demonstration

Bühler Klimaaktivisten wollen weiter Druck auf die Politik machen

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Es war die dritte „Fridays for Future“-Demo in Bühl, und erstmals schien dazu die Sonne. Bei den beiden ersten Demonstrationen hatte es kräftig geschüttet. 80 Teilnehmer trugen jetzt ihr Anliegen eines besseren Klimaschutzes auf die Straße.

Lautstärke ist nicht unbedingt eine Frage der Zahl beteiligter Stimmen. Auch kleinere Gruppen können eine ordentliche Phon-Stärke erreichen. Die 80 Demonstranten, die am Freitagnachmittag durch Bühl zogen, skandierten unentwegt ihre Sprüche und trugen ihr Anliegen so hinein in Geschäfte, Büros, Praxen und Wohnungen: Die Politik muss sich stärker um den Klimaschutz kümmern, als sie dies bisher getan hat.

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Anna Kuhlmann vom Bühler „Fridays for Future“-Organisationsteam freute sich, dass im dritten Anlauf eine Bühler Freitagsdemo trockenen Hauptes möglich ist. Schön wäre es gewesen, „wenn ein paar Leute mehr gekommen wären, aber wir machen jetzt das Beste daraus“, sagte sie kurz vor Beginn der Kundgebung auf dem Marktplatz. Auf die Demo sollen in diesem Jahr etliche weitere Aktionen unterschiedlicher Art folgend, zumindest eine in jedem Monat.

„Ein Klimapäckchen“

Zur Menge gewandt, erinnerte sie daran, dass seit etwa einem Jahr in Deutschland freitags für eine Welt demonstriert werde, in der nachhaltig mit Ressourcen umgegangen werde. In der Politik sei damit aber noch viel zu wenig erreicht worden.

Das Klimapaket der Bundesregierung sei ein „Klimapäckchen“, das nicht mehr als vage Versprechen beinhalte. Kuhlmann rief den Teilnehmern der Demonstration zu: „Wir können nicht warten, bis ein Wunder geschieht. Wir müssen weiter Druck machen.“

Auch selbst gefordert

Es reiche indes nicht aus, auf andere zu warten, sagte die Organisatorin und verwies auf eine bereitliegende Nachhaltigkeitsliste mit Hinwesen, wie jeder Einzelne mit kleinen Schritten im Alltag klimabewusster leben könne, gemäß dem Spruch: „Jeder Regen fängt mit einem Tropfen an.“

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Das griff auch Theo Kaufmann auf, ein Schüler aus der neunten Klasse des Windeck-Gymnasiums. Es gelte auch das eigene Konsumverhalten zu überprüfen, jeder könne sich fragen: „Brauche ich das wirklich? Und wenn ja, gibt es eine ökologische Alternative?“ Er sah das Thema Klimaschutz in vielen Generationen angekommen – sehr viele Teilnehmer der Demo waren im Erwachsenenalter –, gemeinsam müsse auf allen Ebenen die Politik unter Druck gesetzt werden: „Wir stecken in der Krise. Das ist noch nicht überall angekommen.“

Kritik an Kommunen

Thomas Gönner, Grünen-Stadtrat aus Baden-Baden, blickte darauf, was sich in Sachen Klimaschutz in der Region tut: „Es sieht katastrophal aus.“ Baden-Baden verfehle sein selbst gestecktes Ziel der CO2-Reduktion, dem Rastatter Oberbürgermeister Hans-Jürgen Pütsch warf er vor, dass ihm gute Finanzen wichtiger seien als das Klima, und dessen Bühler Amtskollegen Hubert Schnurr forderte er auf, der Ausrufung des Klimanotstands Taten folgen zu lassen: „Das Haus steht in Flammen, und wir weigern uns, der Feuerwehr das Wasser zum Löschen zu bezahlen.“

Keine besonderen Vorkommnisse

Nach der durch musikalische Einlagen von Karl Rich (Max Melüh) und Timo Müller aufgelockerten Kundgebung setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Einen ruhigen Nachmittag hatten dabei die zahlreichen Polizeikräfte – außer der Verkehrsregelung gab es nichts zu tun, das Polizeirevier hatte nach der Demonstration „keine besonderen Vorkommnisse“ zu vermelden.

Bericht zu den Fridays-for-Future-Demonstrationen im November

Auf den Transparenten der Demonstranten waren unterschiedliche Parolen notiert („Klima ist wie Bier, warm ist sch…“, „Respect existence or expect resistance“, deutsch etwa: Achte Leben oder rechne mit Widerstand). Damit ging es durch die Innenstadt, unterbrochen von „gymnastischen“ Einlagen („hoch für das Klima, runter mit der Kohle“) – und immer lautstark das Anliegen eines besseren Klimaschutzes skandierend.