Martin Schilli geht als Leiter der Gewerbeschule Bühl in den Ruhestand. | Foto: Ulrich Coenen

Martin Schilli

Bühler Schulleiter über technische Fächer: Mädchen, die sich trauen, machen gute Noten

Anzeige

Martin Schilli geht als Schulleiter der Bühler Gewerbeschule in den Ruhestand. Der Oberstudiendirektor ist für kritische Worte zur Schulpolitik bekannt, ganz gleich wer gerade in Stuttgart regiert. Kurz vor der Pensionierung blickt er auf die Entwicklung der Schullandschaft in Baden-Württemberg und wundert sich ein wenig, dass immer noch so wenige Mädchen sich für die technischen Fächer an seiner Schule interessieren. 

Das Berufsleben von Martin Schilli ist so eng mit dem der Bühler Gewerbeschule verbunden, dass es sich gar nicht trennen lässt. Mit Beginn der Sommerferien will der dann 63-jährige Schulleiter in den Ruhestand gehen. Seit zehn Jahren leitet der Oberstudiendirektor die Gewerbeschule mit ihren 1.100 Schülern und 70 Lehrern. „Da hängt viel Herzblut dran“, sagt der Pädagoge, der direkt nach seinem Referendariat 1983 als junger Studienrat an die Bühler Gewerbeschule gekommen ist. Bevor er deren Chef wurde, war er zwölf Jahre stellvertretender Schulleiter.

Auch interessant: Reiseverbote und Schutzmasken: Schaeffler, Bosch und Dormakaba in Bühl wappnen sich gegen Coronavirus

In Mittelbaden tief verwurzelt

Schilli ist in der mittelbadischen Region verwurzelt, stammt aus Steinbach, wo er heute noch wohnt. Zum Studium des Maschinenbaus und der Physik ging er an die Universität ins nicht weit entfernte Karlsruhe, um bald danach wieder nach Hause zurückzukehren.

Schilli sieht die Gewerbeschule mit ihrem vielfältigen Angebot bestens für die Zukunft aufgestellt. „Diese Angebote passen hervorragend zusammen“, meint er. Die Feststellung mag für Außenstehende zunächst überraschend klingen, denn die rund 200 Schüler des Technischen Gymnasiums mit ihrer eher akademisch geprägten Ausbildung stehen hier 900 Schülern aus dem beruflich geprägten Lernumfeld gegenüber.

Die Tatsache, dass es gleich 650 Schüler in Teilzeit gibt, unterstreicht, dass die duale Ausbildung von Auszubildenden aus den Bereichen Bau, Elektrotechnik, Metalltechnik und Fahrzeugtechnik einen sehr hohen Stellenwert an der Gewerbeschule hat. Außerdem gibt es dort noch unterschiedliche Berufsfachschulzweige, die neben theoretischem auch praktisches Wissen vermitteln und zur Mittleren Reife führen. Wer die Fachhochschulreife erwerben will, der kann dies in einem der Berufskollegs tun.

Auch interessant: Der stille Bisons-Anführer: Bühler Kapitän Alpár Szabó vor Spiel seinen Ex-Club Herrsching

Im Baubereich gibt es fast keine Mädchen

An einer Sache hat sich in all den Jahrzehnten, seit Schilli in Bühl unterrichtet, nichts geändert. Der Frauenanteil liegt nur bei fünf Prozent. „Vor allem im Baubereich haben wir fast gar keine Mädchen“, berichtet er. „Die Frauen, die aber zu uns kommen, schließen mit gutem Erfolg ab.“

Mit Sorge beobachtet Martin Schilli, dass man auch in Baden-Württemberg versucht, den Einfluss der Berufsschule in der dualen Ausbildung zurückzudrängen. „In einigen nördlichen Bundesländern tauchen auf den Gesellenbriefen bereits keine Noten aus der Berufsschule mehr auf, erklärt er. „Das ist bedenklich. Die theoretischen Grundlagen sind sehr wichtig. Die Vermittlung und auch die Prüfung ist unsere Aufgabe. Die gemeinsame Besetzung der Prüfungsausschüsse bei der praktischen Prüfung zeichnet das Duale System aus.

Auch interessant: Schulen im Kreis Rastatt verbieten Jogginghosen, Basecaps und Hotpants

Einzügige Gymnasien nicht sinnvoll

Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb ist äußerst gewinnbringend für alle Beteiligten.“
Schilli gehört zu den Schulleitern, die auch in Sachen Bildungspolitik kritische Worte finden, ganz egal, wer gerade in Stuttgart regiert. Dass vor einem Jahrzehnt rund 100 neue berufliche Gymnasium gegründet wurden, hält er nach wie vor für nicht zielführend. „Einzügige berufliche Gymnasien sind nicht sinnvoll, zweizügige so gerade lebensfähig“, meint er. Interessant werde es erst bei dreizügigen Schulen wie dem TG in Bühl.

Dass Schilli in seiner Amtszeit die beiden Profile Umwelttechnik sowie Technik und Management schließen musste, ärgert ihn gewaltig. Dies geschah nicht etwa aus Schülermangel, sondern wegen der amtlichen Vorgaben, dass Klassen nicht mehr für Profilfächer geteilt werden dürfen.

Auch interessant: Baden-Badener legt Kochbücher der Großherzogin Luise Haushaltungs-Schule von 1906 neu auf

Umwelttechnik ist mehr als Käferzählen

„Sehr bedauerlich“, bezeichnet Schilli diese Entwicklung. „Umwelttechnik war weit mehr als Käferzählen auf der grünen Wiese, sondern ein sehr anspruchsvolles Fach. Die Absolventen hätten wir brauchen können.“
Verblieben sind die beiden erfolgreichen Profile Mechatronik und Informationstechnik. Letzteres ist eine Mischung als Elektrotechnik und Informatik, ersteres eine Mischung aus Maschinenbau und Elektrotechnik. „Das muss man lieben, um es zu was zu bringen“, scherzt Maschinenbauer Schilli. „Mit den beiden Profilfächern sind wir sehr solide aufgestellt.“