Die kasachischen Investoren haben seit dem Kauf der Bühlerhöhe 2013 kein Sanierungskonzept vorgelegt. Über ihre Pläne hüllen sie sich in Schweigen. | Foto: Ulrich Coenen

Keine Pläne für Bühlerhöhe

Dornröschen schläft immer weiter

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Das Bild vom Dornröschenschlaf ist schon oft bemüht worden. Leider trifft es auf die Bühlerhöhe weiterhin uneingeschränkt zu. Das einstige Flaggschiff der Hotellerie an der Schwarzwaldhochstraße ist seit 2010 fast durchgehend geschlossen. Eine Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung oder auf den Beginn von notwendigen Sanierungsarbeiten gibt es aktuell nicht.

Seit Ende 2013 gehört die Bühlerhöhe einer kasachischen Investorengruppe, die das denkmalgeschützte Gebäude aus der Insolvenzmasse der Anna Maria Vermögens GmbH um den ukrainischen Geschäftsmann Igor Bakai erworben hat. Die neuen Schlossherren gründeten die Bühlerhöhe Castle Invest GmbH. Der erfahrene Hotelmanager Reto Schumacher, der das Haus im Auftrag des Insolvenzverwalters im Herbst 2013 ein letztes Mal für Hotelgäste öffnete, blieb den Investoren zunächst als Leiter der Hausverwaltung erhalten, bevor er Bühlerhöhe im April 2016 verließ, weil es keine Chance auf eine baldige Wiedereröffnung gab.

Nur Anekdoten

Es gab in seit 2010 regelmäßig Medienberichte über die Bühlerhöhe, die keine echten Neuigkeiten präsentierten. Oft wurden lediglich die mehr oder weniger prominenten Besucher des Hotels seit den 1920er-Jahren und die damit verbundenen Anekdoten nacherzählt. Im wissenschaftlichen Sinne belastbar sind diese in der Heimatliteratur und im Internet kolportierten Geschichten in den seltensten Fällen.

Die Bergseite der Bühlerhöhe ist nach Motiven des Burgen- und Festungsbaus gestaltet. Das Foto zeigt den Innenhof. | Foto: Ulrich Coenen

Im Herbst des vergangenen Jahres rückte die Bühlerhöhe nicht zuletzt durch die Neuerscheinung des gleichnamigen Romans von Brigitte Glaser, der es bis auf Platz 6 der Spiegel-Bestsellerliste schaffte, in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Gleichzeitig zeigten sich die kasachischen Investoren ungewohnt offen. Sie ermöglichten der Stadt Bühl am 7. Oktober 2016 im Rahmen der trinationalen Architekturtage am Oberrhein eine Exkursion zur Bühlerhöhe, an der auch Bühls OB Hubert Schnurr teilnahm und die wegen des riesigen Publikumsinteresses völlig überbucht war. Am 29. Oktober durften rund 200 ehemalige Mitarbeiter eine große Wiedersehens-Party im Schlosshotel feiern.

Aus Plänen wurde nichts

Aus den Sanierungsplänen und dem Zukunftskonzept, das die Eigentümer gegenüber dieser Zeitung am 19. August 2016 zum Jahresende 2016 angekündigt hatten, wurde allerdings nichts. Seitdem hüllen sie sich in Schweigen. Auf die Frage, ob das Haus tatsächlich saniert oder nach Jahren des Stillstands an einen anderen Interessenten weiter verkauft werden soll, erklärte ein Unternehmenssprecher schriftlich. „Bezüglich Ihrer Anfrage kann ich Ihnen nur mitteilen, dass die Investoren weiterhin an der Entwicklung des Schlosshotels Bühlerhöhe festhalten und das Projekt vorantreiben.“

Kein Kommentar

Keinen Kommentar gab der Sprecher zu einem Bericht der Badischen Zeitung, die spekuliert hat, das Branchenexperten aus London die Bühlerhöhe aktuell im Auftrag der kasachischen Eigentümer prüfen. Ein Hotelier aus Baden-Baden vermutet, dass es nicht Geldmangel ist, der die Sanierung seit Jahren verzögert.

Insider vermutet erneuten Verkauf

Die Eigentümer haben eine Vorliebe für historische Gebäude im Raum Baden-Baden. Neben Bühlerhöhe und dem benachbarten Hotel Plättig gehören ihnen die Villa Stroh und Schloss Seelach in Baden-Baden. Auch die Villa Hohenbaden wird mit ihnen in Verbindung gebracht. In den immer wieder stockenden Wiederaufbau des ruinösen Schloss Seelach werden seit Jahren gewaltige Summen investiert. „Denen ist nicht das Geld ausgegangen“, meint der Hotelier. „Sie verstehen nur nichts vom Hotelfach und ich könnte mir vorstellen, dass sie Bühlerhöhe wieder verkaufen.“

„Besondere Bedeutung“

Die Bühlerhöhe ist laut baden-württembergischen Denkmalschutzgesetz kein normales Denkmal, sondern ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“. Diese Gebäude werden in Paragraf 12 beschrieben und müssen nationale oder zumindest überörtliche Bedeutung haben. Bühlerhöhe entstand 1912 bis 1914 nach Plänen des Düsseldorfer Stararchitekten Wilhelm Kreis für die vermögende Generalswitwe Hertha Isenbarth als Haus mit „zwei Gesichtern“. Der heiteren Architektur der Talseite in der Formensprache eines barocken Schlosses nach dem Vorbild von Schloss Supinigi bei Turin steht die strenge Bergseite gegenüber, die sich am Festungs- und Burgenbau orientiert.

Lothar Späth als Retter

Mitte der 1980er-Jahre war das in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Luxushotel am Ende. Die Bausubstanz war marode, das Interesse der Landespolitik am Schloss im Schwarzwald erfreulicherweise groß. Ministerpräsident Lothar Späth schaltete sich persönlich ein und vermittelte das Baudenkmal an den Industriellen Max Grundig, der es mit gewaltigem Aufwand sanierte.
Heute ist das Engagement der Landesregierung deutlicher geringer ausgeprägt. Bei einer Pressekonferenz in Bühlertal am 29. März forderte Peter Hauk, Minister für Ländlichen Raum, zwar den Bau von Wanderhütten, zur Zukunft der Bühlerhöhe äußerte er sich aber nicht.

Wie vor einem Jahrhundert: Der Salon van Dyck gehört zur Originalsubstanz. | Foto: Ulrich Coenen

Wenig Engagement beim Land

„Mir gehört die Bühlerhöhe nicht“, erklärte Hauk auf Nachfrage. „Sie hat einen Eigentümer, und über fremdes Eigentum kann nicht verfügt werden. Das Grundgesetz gilt auch in Baden-Württemberg.“ Ohnehin sieht Hauk keinen Mangel an Luxushotels. „Uns fehlen gute Drei-Sterne-Häuser“, sagte er.
Auch vom Landesamt für Denkmalpflege, das seit der letzten Reform zum Regierungspräsidium Stuttgart gehört, gab es keinen Kommentar zur Bühlerhöhe. „Zu Ihrer Anfrage zum Thema Bühler Höhe muss ich Sie an die Stadt Bühl (untere Denkmalschutzbehörde) verweisen“, teilte die Pressestelle per Mail mit. Echtes Interesse sieht anders aus.

„Still ruht der See“

Bei der Stadt Bühl als zuständiger Unteren Denkmalschutzbehörde und Baurechtsbehörde weiß man nichts über aktuelle Sanierungspläne. „Still ruht der See“, erklärte OB Hubert Schnurr. „Hin und wieder gibt es Anfragen von Kaufinteressenten und Architekten, die wir dann an die Investoren verweisen.“
Im Rathaus liegt jedenfalls keine Bauantrag vor. Allerdings wurde auch der Wunsch der Stadt, anlässlich der diesjährigen Architekturtage im Oktober erneut eine Exkursion zur Bühlerhöhe anzubieten, von den Eigentümern abgelehnt.

Bausubstanz ist gut

Keinen Zweifel gibt es am ordentlichen baulichen Zustand. Die Stadt Bühl und das baden-württembergische Landesdenkmalamt haben dies bei regelmäßigen Inspektionen im Blick. Die Eigentümer halten die Immobilie mit beträchtlichem finanziellen Aufwand in Ordnung.