Trotz reizvoller Umgebung ist das Hotel „Badischer Löwe“ (im Hintergrund) am Platz Faverges in Bühlertal geschlossen. | Foto: Ulrich Coenen

Hans-Peter Braun im Interview

Bühlertäler Bürgermeister: Schwere Zeiten für Tante Emma und die Gastronomie in Schwarzwaldgemeinden

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Die Infrastruktur der Landgemeinden und Kleinstädte ist bedroht. Geschäfte und Wirtschaften schließen, für Landärzte finden sich keine Nachfolger. Unser Redaktionsmitglied Ulrich Coenen sprach über diese Probleme mit dem Bühlertäler Bürgermeister Hans-Peter Braun, in dessen Schwarzwald-Gemeinde auch der Tourismus eine wichtige Rolle spielt.

Wieso machen immer mehr Geschäfte in ihrer Gemeinde dicht?

Braun: Nicht nur in Bühlertal, sondern auch in anderen Kommunen schließen Geschäfte. Wenn Sie in Bühl und Achern durch die Stadt gehen, sehen Sie, dass dieses Phänomen in den mittelgroßen Städten ebenfalls angekommen ist. Ein Grund ist sicherlich der boomende Online-Handel. Die Leute bestellen von zu Hause die gewünschten Artikel zur Auswahl und schicken alles, was nicht gefällt wieder zurück. Durch dieses Handeln wird der Einzelhandel vor Ort sehr stark geschwächt.

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Gibt es nicht vor allem im Bereich der Lebensmittel-Geschäfte in Bühlertal inzwischen Lücken?

Braun: Natürlich fehlt nach der Schließung des „Treff“ im Obertal ein Lebensmittelgeschäft. Ein solches Angebot kann aber nur aufrechterhalten werden, wenn die Leute dort nicht nur ab und zu ein Paket Butter oder ein Pfund Zucker, kaufen. Wer ein Lebensmittelgeschäft vor Ort erhalten will, muss dort auch den Großeinkauf tätigen. Gerade für die älteren Mitbürger tut es mir leid, dass ein Lebensmittelgeschäft wie der „Treff“ derzeit an dieser Stelle fehlt.

Ist die Versorgung der Bürger mit Lebensmitteln in Ihrer Gemeinde trotzdem gesichert?

Braun: Im Steckenhaltweg gibt es nach wie vor das Lebensmittelgeschäft „Nah und gut“ der Familie Falk. Ferner sind in Bühlertal zwei Bäckereien und zwei Metzgereien angesiedelt. Am Ortseingang Bühlertals ist außerdem ein weiterer Lebensmittelmarkt „Nah und gut“ angesiedelt. Derzeit finden hinsichtlich der Vergrößerung der Verkaufsfläche Gespräche zwischen Eigentümer, Betreiber und der Gemeinde statt.

Hans-Peter Braun ist Bürgermeister der Gemeinde Bühlertal. | Foto: Ulrich Coenen

Das klingt vielversprechend. Tatsache ist aber, dass in Landgemeinden und Kleinstädten ein Schuhladen und ein Modegeschäft nach dem anderen dicht machen.

Braun: Ich betone es noch einmal. Die Leute bestellen zunehmend im Internet diese Waren. Deshalb sehen wir in Bühlertal viele Fahrzeuge von Paketdiensten fahren. Ich würde es begrüßen, wenn zumindest Rücksendungen von Paketen gebührenpflichtig wären. Auch der damit zusammenhängende Umwelt- und Klimaschutz ist nicht außeracht zu lassen. Ich würde es ebenfalls wünschen, dass die Menschen mehr in Bühlertal einkaufen. Unsere Region insgesamt ist diesbezüglich gut aufgestellt.

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Auch das gastronomische Angebot ist geschrumpft.

Braun: Vor 50 Jahren gab es in Bühlertal mehr als 30 gastronomische Betriebe. Das ist richtig und kann man am Multimedia-Tisch in unserem Museum Geiserschmiede nachvollziehen. Stand heute gibt es jedoch in Bühlertal und das mit seinen 8.100 Einwohnern, nach wie vor zwölf hervorragende gastronomische Betriebe. Dies in einer Zeit, in der es für die Gastronomie schwer ist, gutes Personal zu finden. Erst kürzlich wurde das Gasthaus Engel wiedereröffnet. Darüber bin ich sehr froh. Es ist wichtig, dass unsere Bevölkerung die gastronomischen Betriebe Bühlertals tatkräftig unterstützt, damit wir weiterhin und hoffentlich noch lange auf unser gutes Angebot in Bühlertal zurückgreifen können.

Das traditionsreiche Hotel „Badischer Löwe“ im Untertäler Ortszentrum steht aber leer. Gibt es keine Lösung für dieses stattliche Gebäude am Platz Faverges in reizvoller städtebaulicher Umgebung?

Braun: Das Anwesen wird derzeit zur Flüchtlingsunterbringung genutzt. Die Lage am Platz Faverges ist eigentlich für einen Gastronomiebetrieb prädestiniert. Ob sich in Zukunft wieder etwas in dieser Richtung entwickelt, wird sich zeigen. Eine Überlegung des Eigentümers wäre es sicherlich wert.

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Reicht die vrohandene Zahl der Betten für eine Fremdenverkehrsgemeinde aus?

Braun: Es gibt in Bühlertal – jedoch ohne Wellnessbereich – zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Die Gästebetten werden dabei oft von Geschäftsreisenden genutzt. Aber auch zu bestimmten Jahreszeiten und Veranstaltungen werden von Touristen die Übernachtungsmöglichkeiten in Zimmern und Ferienwohnungen genutzt. Erfreulicherweise wird das Hotel-Restaurant Bergfriedel das Übernachtungsangebot erweitern und den Restaurantbereich ausbauen. Das bringt uns in Sachen Tourismus sicherlich wieder einen Schritt weiter.

Was tut die Gemeinde Bühlertal konkret, um den Tourismus zu fördern?

Braun: Die Gemeinde hat in den vergangenen Jahren mit zahlreichen kleinen Mosaiksteinen einiges auf den Weg gebracht. Denken wir dabei an den neuen Weg zu den Gertelbachwasserfällen, die Naturparkaugenblickrunde und den Engelsbergsteig. Mit der Stadt Bühl und der Gemeinde Ottersweier ist man eine touristische Zusammenarbeit eingegangen. Ferner engagiert sich die Gemeinde in der Nationalparkregion.

Wie klappt die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord?

Braun: Vor fünf Jahren haben wir es geschafft, dass sich der Naturpark in Bühlertal im ehemaligen gastronomischen Bereich des Haus des Gastes ansiedelte. Für beide stellten die Veränderungen eine Win-Win-Situationen dar. Die Räumlichkeiten des Hauses des Gastes – außerhalb der Geschäftsstelle – werden immer wieder genutzt. Das bringt Bühlertal auch in seinem Bekanntheitsgrad ein Stückchen weiter. Auch der Naturparkwirt Andreas Schäuble kommt bei Veranstaltungen des Naturparks gelegentlich zum Einsatz.

In vielen kleineren Gemeinden in der mittelbadischen Region herrscht Ärztemangel. Wie sieht es in Bühlertal aus?

Braun: Derzeit gibt es in Bühlertal drei niedergelassene Arztpraxen. Vergangenes Jahr hat sich darüber hinaus eine Heilpraktikerin in Bühlertal angesiedelt. Gespräche mit einem weiteren Arzt für Bühlertal werden derzeit geführt. Insgesamt ist Bühlertal aktuell gut aufgestellt.