Die Nadeln des Mammutbaums in der Burg-Windeck-Straße haben sich braun gefärbt. Der 30 Meter hohe Gigant wird am Samstag gefällt. | Foto: Ulrich Coenen

Tod eines Naturdenkmals

Bühls größter Mammutbaum wird gefällt

Anzeige

Ein Gigant soll fallen. Am Samstag wird der rund 30 Meter hohe Riesenmammutbaum in der Burg-Windeck-Straße in Bühl gerodet. Der mehr als ein Jahrhundert alte Baumriese im Garten der Villa der Familie Oser ist abgestorben. Dort herrscht große Trauer. „Dieser Baum schaut auf fünf Generationen meiner Familie herunter“, sagt Wolfgang Oser. Und nicht nur das: Der Sequoiadendron giganteum ist so alt wie die Villa. Der Baumschulbesitzer Anton Blust, der Urgroßvater des pensionierten Augenarztes Wolfgang Oser, pflanzte ihn vermutlich gleichzeitig mit dem Bau seiner repräsentativen Villa. Diese entstand 1897 nach Plänen des Acherner Architekten Josef Schnurr.

Baden-Baden als Vorbild

Die Vorliebe Blusts für exotische Pflanzen ist typisch für die Zeit und vermutlich von der nahen Kurstadt Baden-Baden beeinflusst. Dort wurde die Lichtentaler Allee im Lauf des 19. Jahrhunderts mit kostbaren Bäumen und Blumen aus aller Herren Ländern ausstaffiert.

Die Villa Oser entstand 1897 in den Formen des Späthistorismus. Der Mammutbaum (links) wurde fast gleichzeitig gepflanzt. Das Foto entstand 2015. | Foto: Ulrich Coenen

Baumriese stammt aus den USA

„Der Riesenmammutbaum stammt ursprünglich aus der Sierra Nevada in den USA und wird mehr als 2.500 Jahre alt“, berichtet Forstdirektor Kay Karius. Der diplomierte Forstwirt erklärt, dass die Bäume fast 100 Meter hoch werden können und einen Stammdurchmesser von mehr als zehn Metern erreichen. „Als Exoten kamen diese Bäume seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Westeuropa, wo sie in öffentlichen Parks, aber auch in privaten Gärten angepflanzt wurden“, sagt Karius.

Am Samstag wird der abgestorbene Mammutbaum mit Hilfe eines Krans gefällt. Nur ein Stumpf bleibt stehen. | Foto: Ulrich Coenen

Verdichtung wurde zum Problem

Der Standort in der Burg-Windeck-Straße war aber nach Einschätzung des Experten für den Sequoiadendron giganteum nicht günstig. „Die Fläche rund um den Baum ist größtenteils durch Straße und Parkplatz versiegelt“, stellt er fest. „Dadurch kommt es zu Wassermangel und bei von Zeit zu Zeit notwendigen Straßenarbeiten auch zu Verletzungen der Wurzeln.“

Ein Bild aus besseren Zeiten: Vor drei Jahren war der Mammutbaum noch grün. | Foto: Ulrich Coenen

Wassermangel als Ursache

Diesen Eindruck bestätigt Wolfgang Oser. „Wassermangel war offensichtlich der Grund für das Absterben des Baumes“, berichtet er. „Bei Straßenarbeiten vor zwei Jahrzehnten konnten wir sehen, wie weit das Wurzelnetz des Sequoiadendron giganteum verzweigt ist. Vielleicht hat der Baum auch durch die Nachverdichtung der vergangenen Jahre in diesem Quartier gelitten. Letztendlich bleibt das Spekulation. Wir haben den Mammutbaum alle zwei Jahre durch einen Spezialisten, der bis in die Krone geklettert ist, pflegen und entasten lassen. Aber auch das hat ihn nicht gerettet.“

Ein Stumpf bleibt stehen

Nach Auskunft von Matthias Buschert, dem Pressesprecher der Stadt Bühl, handelt es sich bei dem Mammutbaum der Familie Oser um ein „Naturdenkmal“. Aus diesem Grund soll ein fünf bis sechs Meter hoher Stumpf des Giganten stehen bleiben und als Lebensraum für Pilze, Insekten und Vögel dienen. „Dieser Stumpf kann nach der Baumfällung noch bis zu drei Jahrzehnte erhalten bleiben, ohne dass es statische Probleme gibt“, meint Buschert.

Ohne Kran geht nichts

Der Mammutbaum wird am Samstag gefällt. Die Stadt sperrt die Burg-Windeck-Straße für den Durchgangsverkehr. Um den höchsten Baum in der Kernstadt zu fällen, ist ein Kran nötig.