Diskussion mit Bürgern: (von links) Reinhard Renner, Oberbürgermeister Hubert Schnurr, Bürgermeister Wolfgang Jokerst und Ordnungsamtsleiter Andreas Bohnert. | Foto: Ulrich Coenen

Stadt prüft Ratsinitative

Bürger in der Bühler Südstadt wollen keine neue Fußgängerzone

Anzeige

In der Bühler Südstadt fürchten die Anwohner eine mögliche neue Fußgängerzone. Mit zwei Dutzend Bürgern diskutierten Oberbürgermeister Hubert Schnurr und Bürgermeister Wolfgang Jokerst in der Mensa des Windeck-Gymnasiums vor allem über Verkehrsprobleme. An erster Stelle stand dabei die angedachte Fußgängerzone in der Hauptstraße zwischen Rathaus und Nordtor.

Bereits im vergangenen Jahr haben gleich drei Gemeinderatsfraktionen einen gemeinsamen Antrag für die Prüfung dieses Projekts gestellt. Schnurr betonte aber jetzt gleich mehrfach, dass noch nichts entschieden sei. Die Stadt hat inzwischen ein Fachbüro beauftragt, dass die Auswirkungen der Fußgängerzone und die dadurch entstehenden neuen Verkehrströme prüfen soll.

Mehr zum Thema: Ein neuer Anlauf zu einer Fußgängerzone

Mit Ergebnissen rechnet der Oberbürgermeister vor der Sommerpause. Er berichtete, dass sich der Lückenschluss der neuen Bundesstraße 3 bei Sinzheim wieder einmal verzögert. „Wir hängen mit unserem Verkehrskonzept an diesem Lückenschluss“, räumte er ein. In der Bürgerversammlung herrschte große Skepsis. Auch der Lückenschluss werde nichts ändern, meinte ein Diskutant. „Der Verkehr wird sich in der Innenstadt neue Wege suchen“, erklärte er.

„Für die grünen Stadträte längst entschieden“

Die Anwesenden befürchteten, dass dies in der Südstadt sein werde. Obwohl Schnurr erneut betonte, dass man keinen „Verdrängungsverkehr“ wünsche, blieben die Südstädter skeptisch. „Für die grünen Stadträte ist die Sperrung der Hauptstraße doch schon entschieden“, befürchtete ein Bürger.

„Wir wissen noch genau, wie es bei den Bühler Samstagen vor acht Jahren gelaufen ist. Wehret den Anfängen!“ Damals wurde die Hauptstraße an ausgewählten Samstagen für den Verkehr gesperrt und als Fußgängerzone zum Bummeln freigegeben.

Auch interessant: Bühl möchte die Fahrradfreundlichkeit weiter verbessern

Angst vor Verkehrsrowdys

Der Verkehr und vor allem Verkehrsrowdys machen den Menschen in der Südstadt das Leben schwer. Die Fußgängerampel am „Steinmetzhaus“ in der Hauptstraße garantiere keinen sicheren Übergang. Auch die Oberweierer Straße kann man an dieser Stelle kaum überqueren. Zumindest im Hinblick auf die Fußgängerampel hatte Ordnungsamtsleiter Andreas Bohnert positive Nachrichten. Die Grünphase wurde bereits verlängert. Außerdem sollen zusätzlich seitliche Signalgeber angebracht werden, die den Autofahrern in den Seitenstraße die Ampelschaltung anzeigen.

Rasende Autofahrer, die in Tempo-30-Zonen mit 60 Stundenkilometern unterwegs sind, und Parken im Halteverbot sind Dauerprobleme in mehreren Straßen. Auch die Abgase der großen Dieselbusse wurden kritisiert. „Das ist kein Feinstaub, das ist Grobstaub“, stellte ein Bürger fest. „Meine Hausfassade musste ich schon neu streichen lassen, meine Außentreppe ist schwarz. Nur 20 Prozent der großen Busse haben einen Rußfilter.“ Schnurr wies darauf hin, dass die Stadt für die Citylinie mit Elektrobussen plane, auf den KVV habe man keinen Einfluss.

Auch interessant: Ausschuss stoppt riesiges Mehrfamilienhaus in Bühl

Riesiger Kran als Verkehrshindernis

Die große Baustelle an der Westseite der Hauptstraße in unmittelbarer Nachbarschaft der Tankstelle Jäger war ebenfalls ein Thema. Der Baukran mit den Abmessungen zehn mal sechs Meter behindert den Verkehr. Er hat einen Ausleger von 45 Metern. „Es gibt zwei Investoren und zwei Bauunternehmen“, berichtete Bohnert. „Das macht die Sache schwierig.“ Immerhin werde ein „Notweg“ für Fußgänger über das Baustellengelände eingerichtet, und der Pächter der Tankstelle habe dem Lieferverkehr erlaubt, diese Fahrzeuge auf seinem Grundstück zu entladen. Die Behinderungen soll es bis Mitte Juni geben.