Vor einer Edelkastanie untermauerten die Mitglieder der Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum ihre Kritik am geplanten Mensabau. | Foto: Lienhard

Geplanter Mensa-Bau in Bühl

Bürgerinitiative bekräftigt Position

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Mit einer symbolischen „Baumumarmung“ hat die Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum Bühl ihren Protest gegen den geplanten Bau einer Mensa im Kifaz-Garten bekräftigt. Da die Aktion mangels Genehmigung außerhalb des städtischen Geländes stattfinden musste, war lediglich ein buntes Tuch um eine Edelkastanie geschlungen worden; vor dem Zaun, auf öffentlichem Grund, versammelten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative und präsentierten auf Plakaten ihre Botschaften: „Zu fällen einen schönen Baum braucht’s eine halbe Stunde kaum, zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht es – bedenk’ – ein Jahrhundert.“

Symbolische „Baumumarmung“

Mit ihrer Aktion wollte die Initiative erneut darauf aufmerksam machen, dass sie weiter um den Erhalt des „wunderbaren Baumbestandes“ im Kifaz-Garten kämpfen werde. „Der alte Baumbestand ist so wertvoll, dass er nicht durch die vorgesehene neue Bepflanzung in der Bauplanung ersetzt werden kann“, sagte Doris Braszus als Sprecherin der Initiative.

„Klimatoleranter Baum“

Die Edelkastanie war aus zwei Gründen ausgewählt worden: Sie sei, wie BI-Sprecherin Sieglinde Maier informierte, der Baum des Jahres 2018; zum anderen sei der Baum von der Heidlauffstraße zu erreichen, ohne das Gelände des Kinder- und Familienzentrums betreten zu müssen. „Wir wollen heute diesen Baum umarmen, der im wunderbaren Garten des Kinder- und Familienzentrums wächst und abgeholzt werden soll, wie auch die anderen wunderschönen Bäume dieser Oase“, sagte Doris Braszus. Dabei sei die Edelkastanie ökologisch besonders wertvoll und könne auch dem Klimawandel trotzen, mithin nachhaltig. Sie sei ökologisch bedeutend, ein wichtiger „einheimischer Baum und für unsere Insekten, Bienen und Schmetterlinge unverzichtbar“. Die Edelkastanie werde nicht nur in Wäldern, sondern auch in der Kernstadt als klimatoleranter Baum in Zukunft eine deutlich größere Rolle spielen. „Dieser alte Esskastanienbaum im Kifaz-Garten ist einer der letzten Nutzbäume in unserer Kernstadt Bühl“, sagte Braszus. „Jedes Jahr beobachten wir die vielen Menschen, die diese Esskastanien sammeln, um sie zu Hause lecker zubereiten zu können, und die vielen Kinder, die dabei mithelfen, begreifen unsere Natur durch diese Möglichkeit und verstehen den Schatz, den wir hier haben. Es wäre sehr schade und unverantwortlich, wenn diese schöne Möglichkeit vernichtet wird.“

Einfluss auf Planung

Die im Sommer gegründete Bürgerinitiative hatte sich in den vergangenen Wochen intensiv mit den Möglichkeiten befasst, Einfluss auf den Bebauungsplanung zu nehmen (der Gemeinderat hatte Ende Juli den ersten Entwurf für das Gebiet „Campus Bühl – Teilbereich Mensa“ einstimmig auf den Weg gebracht). „Wir helfen unseren Mitbürgern dabei, ihre persönlichen Einsprüche gegen die auch das für das Stadtklima fatale Planung einzulegen und bitten alle, bei uns unter Telefon (0 72 23) 5 29 53 nachzufragen“, so BI-Sprecher Wolfgang Flösser.

Kaffee-Hock am Sonntag

Am Sonntag, 14. Oktober, von 14 bis 16 Uhr lädt die Bürgerinitiative zu einem Kaffee-Hock im Kifaz-Garten ein; die Stadtverwaltung hat die Veranstaltung genehmigt. „Wir wollen diesen wunderschönen Garten gemeinsam mit anderen Menschen genießen“, sagte Doris Braszus. „Und wir hoffen, dass viele unsere Einladung annehmen, um diese Oase kennenzulernen und sich bei leckerem Kuchen und Kaffee gut zu unterhalten. Auch Oberbürgermeister Schnurr und die Stadträte sind eingeladen.“

Zur Protestaktion der Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum hat Oberbürgermeister Hubert Schnurr eine schriftliche Stellungnahme abgegeben: „Es ist bedauerlich, dass eine solch kleine Gruppe vor unserer großen Bürgerbeteiligung am 5. November sich medial so in Szene setzt. Wir werden dennoch den Weg der Kommunikation fortsetzen. So werden wir auch am Sonntag am Kaffee-Hock teilnehmen, um die vielen Vorteile und Notwendigkeiten des Projekts aufzuzeigen. Der Wegfall der Bäume stellt sicherlich einen Nachteil dar. Es ist immer unschön, wenn Bäume weichen müssen. Aber auch in diesem Fall werden wir Ersatzpflanzungen vornehmen. Zumal unser Bestreben im Campus ohnehin ist, mehr Grün und Erholungsflächen zu realisieren. So gesehen, würde sich die Fläche, die aktuell in der Diskussion steht, letztlich nur verschieben und nicht verloren gehen. Von der weder mit der Schule noch der Stadt abgesprochenen Aktion wurden wir von der Bürgerinitiative leider erst kurzfristig, nämlich einen Tag vorher, in Kenntnis gesetzt.“

„Nicht immer 100 Prozent“

Mit einem Scherz auf den Lippen kam Bürgermeister Wolfgang Jokerst zur Protestaktion der Bürgerinitiative zum Schutz der Oase beim Kinder- und Familienzentrum. „Das ist der Bühler Hambacher Forst“, sagte er, um aber rasch in einen ernsteren Modus umzuschalten. Er habe Verständnis für die Aktion und den Einsatz für die Bäume, schließlich sei die Arbeitsgemeinschaft Grün in der Stadt eines „unserer wichtigsten Anliegen“. Jokerst verwies aber darauf, dass es in der Stadt viele unterschiedliche Anliegen gebe, und das bedeute eine permanente Abwägung der Interessen: „Es kann nicht immer 100 Prozent geben.“

Blick auf das Viertel rund um das Bürgerhaus: Welche Möglichkeiten sich hier bieten, soll am 5. November in einem Bürgerdialog erörtert werden. Foto: Niklas Spether

Entscheidung noch offen

Jokerst erinnerte daran, welch hohen Stellenwert das Thema Bildung in Bühl habe, weshalb auch der weitere Ausbau der Schulinfrastruktur wichtig sei; außerdem gelte es den Wunsch nach einem Jugendzentrum in der Innenstadt zu bedenken. Über eine mögliche Bebauung im Kifaz-Garten sei aber noch keine Entscheidung getroffen, der auf den Weg gebrachte Bebauungsplan zeige lediglich die Möglichkeiten auf. Am Montag, 5. November, finde ein Bürgerdialog zum geplanten Campus statt; es sei von Anfang deutlich gemacht worden, dass vorher keine Entscheidung getroffen werde. Jokerst sagte auch, dass es nicht allein um den Mensa-Bau im Kifaz-Garten gehe: „Wir reden über ein ganz neues Viertel.“

Weitere „grüne Oasen“

Dabei würden auch neue „grüne Oasen“ geschaffen: „Wir sind beispielsweise bereit, den oft als Steinwüste bezeichneten Europaplatz vor dem Bürgerhaus komplett umzugestalten.“ Auch die Pläne, im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben der Sparkasse in der Eisenbahnstraße eine „grüne Schneise zum Stadtgarten“ zu schlagen, erwähnte Jokerst. Insgesamt sei der Campus eines der größten städtischen Projekte der vergangenen Jahrzehnte: „Das hat Tragweite für die ganze Stadt.“
Die Bürgerinitiative habe nicht nur Ablehnung signalisiert, so ihr Sprecher Wolfgang Flösser, sie unterbreite auch Alternativvorschläge. Dies sei der richtige Weg, meinte Jokerst, der sich als großen Verfechter von Bürgerbeteiligung bezeichnete: Alle Vorschläge würden ernst genommen und geprüft, wenn dies nicht schon geschehen sei.