Blick durchs Fischauge: Das Funktionsgebäudes des Bühlot-Bades steht zur Disposition. Die Gemeinde plant einen kleineren Neubau für die Schwimmbadtechnik an einer anderen Stelle des Freibadgeländes. | Foto: Ulrich Coenen

Hans-Peter Braun im Gespräch

Bürgermeister von Bühlertal: „Freibad darf vor der Sanierung nicht geöffnet werden“

Anzeige

Das Bühlot-Bad in Bühlertal ist seit einem Jahr geschlossen. Die teure Sanierung des beliebten Freibades wird in der Talgemeinde intensiv diskutiert. Unser Redaktionsmitglied Ulrich Coenen sprach mit Bürgermeister Hans-Peter Braun über den Stand der Planung und die gewaltigen Ausgaben, die auf die Kommune zukommen.

Herr Braun, Ihre Bürger klagen, dass sie nicht hinreichend informiert werden.

Braun: Wir haben bereits zwei Bürgerinformationsveranstaltungen angeboten, die mit 200 und 150 Teilnehmern jeweils gut besucht waren. Wir haben über den Stand der Planung und die Kosten informiert.

Wir behandeln das Thema stets in öffentlichen Gemeinderatssitzungen. Den Vorwurf der nicht hinreichenden Informationspolitik kann ich so nicht stehen lassen. Jeder und jede kann sich gerne auch direkt an die Verwaltung wenden. Außerdem sind auf der Homepage der Gemeinde alle Daten und Fakten aufgeführt und für jedermann zugänglich.

Auch interessant: Rüdiger Barth stellt in Bühlertal ersten Roman vor 

Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit

Haben Sie Verständnis für die Ungeduld der Schwimmbadbesucher, die im vergangenen Sommer bereits auf das Badevergnügen verzichten mussten?

Braun: Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit. Wir haben bereits vor eineinhalb Jahren einen Zuschussantrag für das Freibad im Bundesprogramm gestellt. In diesem Zusammenhang gab es im August 2018 in der Ferienzeit eine Sondersitzung des Gemeinderates.

Wir sollten im September den Antrag einreichen, über den im November entschieden werden sollte. Der Bund hat das Programm nach Widerständen anschließend mit einem auf 200 Millionen Euro erhöhten Volumen neu aufgelegt. Im April/Mai 2019 erhielten wir dann die Mitteilung, dass wir nicht berücksichtigt werden. Dies war für uns in der Gemeinde doch sehr enttäuschend.

Auch interessant: Bühler Sägewerkbetreiber ist froh über große Bestände der „Douglastanne“

Bürgermeister Hans-Peter Braun | Foto: Ulrich Coenen

Es ist schwer verständlich, dass Bühlertal nicht berücksichtigt wurde.

Braun: Ins Förderprogramm wurden beispielsweise viele Kommunen aus Nordrhein-Westfalen aufgenommen, wo die finanzielle Situation deutlich schlechter ist als bei uns in Baden-Württemberg. Obwohl es aus Baden-Württemberg zahlreiche Anträge gab, wurden nur wenige Gemeinden berücksichtigt.

Ein Schwimmbad ist und bleibt eine freiwillige Leistung

In Nordrhein-Westfalen mussten bereits zahlreiche Städte, die größer als Bühlertal sind, ihre Frei- oder Hallenbäder schließen.

Braun: Ein Schwimmbad ist und bleibt eine freiwillige Leistung einer Kommune. Deshalb muss man die Investitionen in eine solche Einrichtung auch vertreten können. Eine Gemeinde hat außerdem zahlreiche Pflichtaufgaben, die sie bewältigen muss.

Auch interessant: Zu wenige Teilnehmer: Hemglunkerle-Umzug in Bühl fällt aus

Wenn wir vor fünf oder sechs Jahren vor der Entscheidung gestanden hätten, unser Freibad zu sanieren, wäre uns das sehr viel schwerer gefallen als heute. Wir haben in dieser Zeit die Verschuldung der Gemeinde weiterhin sukzessive zurückgefahren. Außerdem ist der Zinsmarkt für kommunale Darlehn aktuell auf einem Tiefstand angelangt.

Jetzt müssen die genauen Kosten ermittelt werden

Wie geht es jetzt weiter?

Braun: Wir sind auf einem guten Weg. In der ersten Sitzung des Gemeinderats im neuen Jahr haben wir entschieden, ein klimaneutrales Freibad zu bauen. Jetzt müssen die genauen Kosten ermittelt werden. Die wasserrechtliche Genehmigung wurde beantragt. Der Bauantrag wird aufgrund den Entscheidungen des Gemeinderates im neuen Jahr bis März/April 2020 eingereicht.

Wir hoffen, dass über unseren Zuschussantrag aus dem Tourismustopf des Landes positiv entschieden wird. Im März erhoffen wir uns erste Signale zu unserem Antrag. Ferner läuft noch ein Antrag auf Ausgleichsstockförderung. Hier erwarten wir bis zum Sommer ebenfalls eine Entscheidung.

Auch interessant: Metro verkauft Real-Märkte: Das sagt der Konzern zur Zukunft der Filialen in Rastatt, Bühl und Sinzheim

Viele Bühlertäler sind sauer, dass das Freibad in der vergangenen Saison geschlossen blieb. Die Sanierung geht ihnen zu langsam.

Braun: Unser Freibad wurde zuletzt in den Jahren 1996/97 saniert. Damals ging man zunächst von drei Millionen Mark an Investitionen aus. Daraus wurden nach Abschluss der Planung weit über sechs Millionen Mark. Diese riesige Summe hat die Gemeinde damals zu einem Sparprogramm bewogen. Das Sanierungsprogramm wurde auf 1,6 Millionen Mark abgespeckt.

Gemacht wurde also nur, was unbedingt notwendig war, um dem Betrieb aufrecht zu erhalten. Immerhin hat das zwei Jahrzehnte gehalten.

Andere Bühlertäler halten die Badsanierung für viel zu teuer und würden lieber auf das Freibad verzichten.

Braun: Natürlich ist das Thema emotionsgeladen, da das Bühlot-Bad auch einen großen sozialen Treffpunkt in Bühlertal darstellt. In unseren Bürgerversammlungen hat sich bisher niemand gegen die Badsanierung ausgesprochen. Es gibt einen Leserbriefautor, der aber in verschiedenen Infoveranstaltungen nie aufgetreten ist. Die Auffassung auf das Bühlot-Bad zu verzichten, halte ich derzeit für eine eindeutige Minderheitsmeinung in Bühlertal.

Mit den Bauarbeiten dürfen wir vor den Zuschussbescheiden nicht beginnen

Kann sich die Gemeinde das Freibad überhaupt leisten?

Braun: Ich habe im Gemeinderat das Gefühl, dass alle die Modernisierung des Bühlotbades umsetzen wollen. Wir rechnen derzeit mit 6,8 Millionen Euro an Baukosten, welche im Haushalt der Gemeinde Bühlertal mittelfristig finanziert sind. Dieser ist im Übrigen vom Gemeinderat einstimmig verabschiedet worden. Ich gehe davon aus, dass die endgültige Entscheidung im Gemeinderat für die Sanierung Mitte des Jahres fällt.

Mit den Bauarbeiten dürfen wir aber vor den Zuschussbescheiden nicht beginnen. Wir erwarten neben Mitteln aus dem Tourismusfond weitere Subventionen aus dem Ausgleichstock des Landes. Insgesamt gehen wir von 1,5 Millionen Euro aus. Wenn alles gut geht, können wir in der zweiten Jahreshälfte mit den Bauarbeiten beginnen.

Wieso öffnen Sie das Freibad nicht vor Baubeginn im kommenden Sommer?

Braun: Wir müssen die Schwimmbadtechnik komplett erneuern. Unser Bademeister Bernhard Horn, der sich inzwischen im Ruhestand befindet, hat die Wasserqualität durch sein großes Fachwissen in jeder Saison immer wieder hinbekommen.

Seit einigen Jahren arbeiten wir mit der Bühler Sportstätten GmbH zusammen. Aus Sicherheitsgründen wird jedoch keine Verantwortung übernommen und von einer Öffnung unseres Bades abgeraten. Die neue Badetechnik wird aus wirtschaftlichen Gründen im bisherigen Funktionsgebäude nicht mehr untergebracht und an anderer Stelle in kleinerer Ausführung neu gebaut. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die veröffentlichte Planung verweisen.