Wucherndes Efeu wurde vor vier Jahren vom städtischen Bauhof entfernt. Diese Pflegemaßnahme hatte am Dienstag vor Ort gerichtliche Folgen. | Foto: Ulrich Coenen

Prozess um Burg Windeck

Probleme mit dem dicken Edding

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Der Edding war zu dick. 1990 hat die Stadt Bühl mit dem damaligen Eigentümer der Burg Windeck einen Pacht- und Gestattungsvertrag geschlossen, der 1993 durch den neuen Besitzer bestätigt wurde. Vor 28 Jahren teilten sich Stadt und Eigentümer die Kosten, um den jahrzehntelang geschlossenen Bergfried wieder als Aussichtsturm für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Oberburg, für deren Verkehrssicherheit die Kommune seitdem zuständig ist, wurde in einem kleinen Plan mit einem breiten Filzstift markiert. Weil nicht zuletzt dies für Unklarheiten im Vertragswerk sorgt, landete der Fall jetzt vor der Zivilkammer des Landgerichts Baden-Baden. Unter dem Vorsitz von Richterin Johanna Reinhardt trafen sich die Parteien am Dienstag zu einem Ortstermin auf der Burg Windeck.

Streit seit vier Jahren

Der Auslöser des Rechtstreits zwischen dem Eigentümer und der Stadt, der inzwischen nicht nur vor dem Zivilgericht, sondern auch vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe ausgetragen wird, liegt bereits vier Jahre zurück. Wie bereits am 1. März 2014 berichtet, entfernte der städtische Bauhof nach einem entsprechenden Hinweis des ehrenamtlichen Burgführers Hermann Deschner an der mitteltalterlichen Ringmauer auf eine Länge von mehreren Dutzend Metern kräftigen Efeubewuchs.

Statiker eingeschaltet

Weil das Bruchsteinermauerwerk, das darunter zum Vorschein kam, nicht den besten Eindruck machte, schaltete die Stadt einen Statiker ein. Nach insgesamt drei Messungen steht fest, dass keine akute Einsturzgefahr besteht. Allerdings empfiehlt der Statiker, die Messung aus Sicherheitsgründen alle zwei Jahre zu wiederholen. Wer dafür und überhaupt für den Unterhalt der Ringmauer die Kosten tragen soll, ist zwischen der Stadt als Pächterin der Oberburg und dem Eigentümer strittig. Im Rahmen einer Ersatzvornahme hat die Stadt unterhalb des rundbogigen Tors, durch das der Besucher die Vorburg mit dem Restaurant betritt, einen meterlangen Bauzaun aufstellen lassen, um Passanten vor Bruchsteinen, die aus der acht Meter hoch aufsteigenden Ringmauer abstürzen könnten, zu schützen.

Ortstermin des Landgerichts

Beim Ortstermin am Dienstag ging es konkret um die Pflegemaßnahme durch den städtischen Bauhof im Februar 2014, die die Stadtverwaltung damals auf eigene Initiative veranlasst hatte. Drei Tage lang entfernten bis zu fünf Mitarbeiter des Bauhofs mit Hilfe einer Hebebühne das Efeu, das die komplette Ringmauer an der Bergseite bis zu 40 Zentimeter dick bedeckte.

Gärtnermeister als Zeugen

Die beiden städtischen Gärtnermeister, die als Zeugen geladen waren, berichteten, dass sie und ihre Kollegen den Bewuchs mit Motorsägen und Astscheren entfernt und dabei keine größere Gewalt angewandt hätten. Das bestritt der Pächter des Restaurants in seiner Aussage. Er erklärte, die Wurzeln und armdicke Äste des Efeus seien mit brachialer Gewalt aus der Ringmauer gerissen worden. „Ich habe mich darüber gewundert, weil im Jahr zuvor anlässlich eines Baumschnitts über jeden Ast, der entfernt werden sollte, diskutiert wurde“, meinte der gelernte Koch.

Kein guter Zustand

Der Landschaftsarchitekt und Sachverständige Peter Neher stellte fest, dass sich die mittelalterliche Ringmauer in keinem guten Zustand befindet. Er verwies auf die zum Teil offenen Fugen, in denen sich das Eifeu festklammern und die Bruchsteine auseinanderdrücken könne. Nach Aufassung von Neher sollte die mittelalterliche Mauer keinen Bewuchs haben. Richterin Johanna Reinhardt kündigte ihr schriftliches Urteil für den 15. März an.

Zwist zur Fastnachtszeit

Es ist wie vor vier Jahren. Erneut zur Fastnachtszeit wird die Bühler Hausburg zum Zankapfel. Wie es weitergeht, ist aber nach wie vor offen. Die Stadt streitet sich in ihrer Doppelfunktion als Pächterin der Oberburg und als Baurechtsbehörde/Untere Denkmalschutzbehörde sowohl vor dem Zivilgericht des Landgerichts Baden-Baden als auch vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe mit dem Eigentümer.
Nach dem Verlauf des Ortstermins am Dienstagmorgen sieht sich Stadtjustiziarin Elisabeth Beerens in ihrer Rechtsauffassung bestätigt.

Keine Aufgabe der Stadt

„Die Bauunterhaltung war niemals unsere Aufgabe“, lautet ihre Interpretation des Pacht- und Gestattungsvertrags. Die Kommune sei nur für die Verkehrssicherheit im Bereich der Oberburg und im Turminneren zuständig, keinesfalls aber für die Ringmauer. Wolfgang Eller, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Bauen, Immobilien im Rathaus, hatte im Interview mit dieser Zeitung bereits am 1. März 2014 angesichts der Bedeutung des Kulturdenkmals eine finanzielle Beteiligung des Landes gefordert. Im Hinblick auf den Zustand der Ringmauer sah der inzwischen pensionierte Landeskonservator Johannes Wilhelm vom Landesamt für Denkmalpflege am 5. Dezember 2014 „dringenden Handlungsbedarf“

Zwei Bergfriede

Die beiden Bergfriede, von denen nur der größere begehbar ist, sind eine Besonderheit der spätromanischen Burg Windeck aus dem frühen 13. Jahrhundert. Bedeutendster Vertreter dieses Typus ist die staufische Herrenburg Münzenberg in der Wetterau, aber auch Burg Hoh-Andlau im Elsass ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Auf der Windeck erstrecken sich zwischen den beiden Bergfrieden die Ruinen der beiden ehemaligen Palas-Gebäude. So nennt man die repräsentativen Saalbauten einer Burg.