Der Juryvorsitzende Fred Gresens erläutert die vier Siegermodelle. | Foto: Ulrich Coenen

Siegerentwurf Campus Bühl

Bei der Stadtplanung gibt es Nachholbedarf

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Der zweistufige Wettbewerb Campus Bühl war ambitioniert und er hat sich gelohnt. Wäre Oberbürgermeister Hubert Schnurr kein Stadtplaner, hätte es ihn in dieser Form vermutlich nicht gegeben. Jetzt erhält die Stadt als Dank für diese Mühe wertvolle Impulse, wie sie das heterogene 8,3 Hektar große Quartier zwischen Friedrichstraße, Eisenbahnstraße, Güterstraße und Rheinstraße neu ordnen kann. Es wird durch drei herausragende Solitäre (Bürgerhaus, Mediathek, Realschule), historische Gebäude wie Kinder- und Familienzentrum (Kifaz), aber auch durch unattraktive Zweckbauten wie Kaufland und meist unstrukturierte Freiräume geprägt.

Ulrike Beckmann-Morgenstern vom Büro Plan 7 mit ihrem Modell | Foto: Ulrich Coenen

Überzeugende Hochbauten

Es sind vor allem die hochbaulichen Komponenten des Siegerentwurfs des Büros Plan 7, die im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Campus überzeugen. Die Stuttgarter Architekten fügen das von der Stadt geforderte Raumprogramm in Form von drei neuen Baukörpern ebenso intelligent wie behutsam ins Stadtbild ein.

Autos bleiben draußen

Westlich des Kifaz soll in dessen Garten ein Neubau für Mensa und Schülercafé entstehen, den die Architekten nach Süden in die Luisenstraße vorrücken und damit bewusst deren Raumkante zerstören. Durch diesen Bruch wird nicht nur die Durchfahrt für den Autoverkehr gesperrt, es entsteht ein neuer Dialog mit der benachbarten Mediathek. Der östliche Bereich des Parkplatzes des Elektrofachmarktes wird zu einem Platz umgewandelt, der diesen Namen verdient.

Erster Preis: Das Modell von Plan 7 Architekten | Foto: Ulrich Coenen

Respekt vor Realschule

Überzeugend ist ebenfalls der eingeschossige Pavillon mit zusätzlichen Räumen für die Realschule, der zwischen dem Schulgebäude und der Eisenbahnstraße unmittelbar hinter dem Garten der Villa Gustav Wertheimer (Kanzlei Weng) entstehen soll. Dieser Ergänzungsbau respektiert im Gegensatz zu manch anderen Wettbewerbsbeiträgen das preisgekrönte Bestandsgebäude des Bühler Büros Wurm und Wurm, das 2005 vollendet wurde.

Funktionale Architektur

Der dritte Hochbau ist ein Multifunktionsgebäude auf dem südlichen Schulhof der Aloys-Schreiber-Schule, das mit dem Altbau durch einen eingeschossigen Trakt verbunden wird. Im Erdgeschoss befindet sich die Sporthalle, im Zwischengeschoss ein Veranstaltungsbereich und im Obergeschoss neue Klassenräume.

Sämtliche Neubauten zeichnet eine klare Formensprache aus, die in diesem wenig homogenen Umfeld ohne große Geste auskommt. Im Hinblick auf den Schulbetrieb sind die Bauten funktional und auf eine zeitlich gestaffelte Umsetzung ausgerichtet. Die alte Sporthalle muss beispielsweise erst nach Fertigstellung der neuen abgerissen werden.

Defizite im Städtebau

Dennoch sind die städtebauliche Defizite im Entwurf von Plan 7 Architekten offensichtlich. Ein ordnendes Gesamtkonzept für den Campus ist nicht erkennbar. Für den großen Kundenparkplatz vor dem Elektrofachmarkt gibt es überhaupt keine Ideen. So bleibt der Europaplatz vor dem Bürgerhaus, den der Stuttgarter Landschaftsarchitekt Hubert Möhrle Ende der 1980er Jahre auf zwei Ebenen gestaltet hat, der einzige überzeugende Freitraumbereich.

Modell von Frank Heinz (Waldkirch) mit Freisign Landschaftsarchitektur (Freiburg), | Foto: Ulrich Coenen

Mehr Mut

Andere Wettbewerbsbeiträge zeigen in städtebaulicher Hinsicht mehr Mut. In diesem Zusammenhang sind vor allem zwei Arbeitsgemeinschaften zu nennen. Es sind der dritte Preisträger Lehmann Architekten Offenburg mit Helleckes Landschaftsarchitektur (Karlsruhe) sowie Frank Heinz (Waldkirch) mit Freisign Landschaftsarchitektur (Freiburg), die eine Anerkennung erhielten. Beide Arbeitsgemeinschaften gehen vom gleichen Grundprinzip aus.

Wie Windmühlenflügel

Vom neuen zentralen Platz zwischen Mediathek und Mensa strahlen vier von Baumreihen gesäumte Achsen (Marktstraße, Herbert-Odenheimer-Straße, Luisenstraße, Elisabethstraße) in alle Himmelsrichtungen aus. Sie drehen sich wie Windmühlenflügel um die neue Mitte. Heinz und Freisign verfolgen dabei eine symmetrische Grundstruktur, während Lehmanns und Helleckes Baumreihen ein wenig verspielter daherkommen. Der zentrale Platz ist bei Heinz und Freisign als schattenspendender Platanenhain ausgebildet, außerdem ist der Parkplatz vor dem Elektrofachmarkt intensiver begrünt.

Es wäre wünschenswert, wenn diese mit relativ geringem Aufwand zu realisierenden erfreulichen Ansätze in den Siegerentwurf eingearbeitet würden. Nur so wird der Campus zum Campus und bleibt keine Addition von Einzelbauwerken.

Links zur bisherigen Berichterstattung

Stuttgarter Ideen für den Bühler Campus

Acht Architekten starten in die zweite Runde

Sieben Architekten haben die Segel gestrichen

Zu wenige Bewerber für Campus Bühl

Gemeinderat beschließt den Auslobungstext

Interview mit OB Hubert Schnurr

Grundsatzbeschluss des Gemeinderates zum Wettbewerb