Letzter Versuch am Mount Everest: Ralf Dujmovits konnte seinen Traum nicht verwirklichen. | Foto: Hufschmid

Ralf Dujmovits aus Bühl

„Deckel drauf – irgendwann ist gut“

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25 Jahre nach seinem Gipfelerfolg am Mount Everest verabschiedet sich Ralf Dujmovits von seinem Traum, auch den höchsten Berg der Welt ohne Zusatzsauerstoff zu besteigen – so wie alle anderen Achttausender, auf denen er Bühler Bergsteiger in seiner langen, erfolgreichen Karriere bereits stand. „Deckel drauf – irgendwann ist gut“, betont der 55-Jährige.

Wohlbehalten wieder in der Heimat

Nach zweieinhalb Monaten ist Dujmovits wieder zurück im heimatlichen Bühl – wohlbehalten, mit all seinen Fingern und Zehen. Knapp 300 Meter unterhalb des Gipfels auf der tibetischen Nordseite hat er umgedreht und die Expedition beendet. Andere sind weitergestiegen – und haben dafür teuer bezahlt. Wie der Pakistani Abdul Jabbar Bhakti und sein junger Begleiter Dawa Sange Sherpa, die – selben Tag wie Dujmovits, nur von der nepalesischen Südseite – den Aufstieg wagten und sich schwere Erfrierungen an Händen und Füßen einhandelten. Wie der Österreicher Hans Wenzl, der am vergangenen Samstag den 8 848 Meter hohen Gipfel ohne Atemmaske erreichte und sich die Nase erfror.
„Irgendwann kommt der Punkt, wo du dich fragst: Ist es wert, Erfrierungen zu riskieren“, sagt Dujmovits. Und der Punkt kam für ihn am 27. Mai auf 8 580 Höhenmetern. Bei einsetzendem Schneefall und Windböen war er dabei, das Gefühl in seinen Händen und Füßen zu verlieren. „Innerhalb von einer halben Stunde war ich komplett ausgekühlt.“

Ein ständiger Kampf zwischen dem Willen und dem Körper

„Ein ständiger Kampf zwischen dem Willen, weiter nach oben zu steigen, und dem Körper, der die ganze Zeit schreit: abwärts!“ So schildert der Bühler Bergsteiger die Situation in der Todeszone. Er hat auf seinen Körper gehört und ist abgestiegen – und hat vor Frust „geheult wie ein Schlosshund“. Dabei hatte bis dahin alles perfekt gepasst, sagt Dujmovits. Auch jetzt, zwei Wochen danach, ist ihm die Enttäuschung anzumerken, dass er seinen Traum vom Everest „oben ohne“ auch im achten Anlauf nicht verwirklichen konnte. Und im gleichen Atemzug lobt er den weisen Rat seines Begleiters Namgyal Lama Sherpa, der ihn beim Abstieg dazu überredete, aus Sicherheitsgründen zum mitgeführten Notfall-Sauerstoff zu greifen.

Im Biwakzelt: Ralf Dujmovits (links) und sein Begleiter Namgyal Lama Sherpa. | Foto: Dujmovits

Wetterpoker am Everest

Andere hatten beim „Wetterpoker“ (Dujmovits) am Everest mehr Glück. So entschied sich der Rumäne Horia Colibasanu für einen früheren Aufstieg und erreichte zwei Wochen zuvor als Erster in dieser Saison den Gipfel ohne Atemmaske, obwohl dafür nur ein günstiges Wetterfenster von einem Tag vorhergesagt war. Dujmovits war dies aber zu riskant, zudem wollte er abwarten und vor dem eigenen Aufstieg die Masse der Bergsteiger vorbeiziehen lassen.
„Du kannst ohne Sauerstoff keinen zweiten Versuch machen“, so Dujmovits. Eine Ausnahme ist da derzeit wohl nur der Spanier Kilian Jornet, der zweimal innerhalb einer Woche ohne Flaschensauerstoff zum Gipfel aufstieg. „Kilian ist ein anderer Planet, der räumt derzeit alles ab an Rekorden“, sagt Dujmovits anerkennend. In diesem Frühjahr gab es am Everest rund 600 Gipfelerfolge, nur fünf Bergsteiger haben ihr Ziel ohne Flaschensauerstoff erreicht.

Felsklettern statt Achttausender

Statt den Achttausendern will sich Dujmovits in Zukunft wieder mehr dem Felsklettern widmen. So plant er für 2018 eine Expedition nach Pakistan zu den drei markanten Granitnadeln Lobsang-Spire, Shipton-Spire und Nameless-Tower im Karakorum. Zunächst geht es aber nach Kanada, wo er mit seiner Lebenspartnerin Nancy Hansen den Viertausender Mount Waddington in der Provinz British Columbia besteigen will.