Veronique Noel (rechts) und Svenja Steinborn vom Jugendzentrum KOMM stellen in Bühl ihre neue App vor.
Veronique Noel (rechts) und Svenja Steinborn vom Jugendzentrum KOMM stellen in Bühl ihre neue App vor. | Foto: som

Anwendung für junge Bühler

Demokratie per Handy? Stadt stellt App für Jugendliche vor

Anzeige

Die Stadt Bühl hat eine Handy-App vorgestellt, die Jugendlichen die Teilhabe am politischen Leben ermöglicht, etwa durch Umfragen oder eine „Ideenwand“. Seit Mittwochabend kann jeder die App herunterladen und nutzen – was allerdings auch Probleme mit sich bringen könnte.

„Smombie“, ein Kunstwort aus „Smartphone“ und „Zombie“, beschreibt Menschen, die den ganzen Tag auf ihr Handy starren. Vor vier Jahren wurde der Begriff von einer Jury zum „Jugendwort des Jahres“ gewählt. Die Ironie an der Geschichte: In einer vorausgegangenen öffentlichen Online-Abstimmung hatte „Smombie“ nur einen der hinteren Plätze belegt – vermutlich, weil echte Jugendliche den Begriff gar nicht verwenden. So entstand der Eindruck, dass eine Jury aus „greisen“ Sprachwissenschaftlern über die Köpfe der Jugendlichen hinweg entschieden hat. Auch für Kommunen wie die Stadt Bühl eine Herausforderung, junge Menschen auf ihren digitalen Kanälen zu erreichen, ihre Probleme ernst zu nehmen und sie anschließend auch tatsächlich in Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Eine Smartphone-App namens „JuiB“, die jetzt im Rathaus vorgestellt wurde, soll diese Probleme lösen: Junge „Smombies“ dort abholen, wo sie ohnehin sehr viel Zeit verbringen, sprich: am Handy; herausfinden, was die Jugendlichen tatsächlich umtreibt; und: junge Menschen durch digitale Beteiligung am politischen Willensbildungsprozess für analoge Kommunalpolitik begeistern. In den Worten von Oberbürgermeister Hubert Schnurr: „Wir brauchen ein Instrument, um Jugendliche stärker an unsere Demokratie zu binden. Auch, um den populistischen Stimmungsmachern nicht das Feld zu überlassen.“

So sehen die Umfragen aus in der JuiB-App.
So sehen die Umfragen aus in der JuiB-App. | Foto: Screenshot

Einen Jugendrat gibt es nicht mehr

Die App ist einer der Bausteine, mit der die Stadt die Jugendbeteiligung neu aufstellen möchte; der Jugendrat ist Geschichte, da sich nicht mehr genügend Kandidaten fanden. „Die erste Idee zu einer Handy-App hatten wir schon Anfang 2017“, erklärt Veronique Noel, die Leiterin des Jugendzentrums Komm. Nach der Zustimmung des Gemeinderats zum neuen Modell der Jugendbeteiligung habe das Komm gemeinsam mit jungen Bühlern am Konzept gefeilt. Entwickelt wurde die App schließlich in knapp vier Monaten von der Agentur hitcom aus Dunningen, wie der städtische Pressesprecher Matthias Buschert sagte. Die Gesamtkosten der App betragen der Stadtverwaltung zufolge 9500 Euro, wobei die Hälfte das Land Baden-Württemberg über das Programm „Future Communities“ beisteuert.

Demokratie per Umfrage?

Unter dem Menüpunkt „Mach mit!“ werden in der App auch analoge Plattformen des Beteiligungskonzepts wie den Partizipationsstammtisch erklärt, außerdem finden sich dort aktuelle Termine. Besonders stolz ist Noel allerdings auf die Umfrage-Funktion. Aktuell werden dort die App-Nutzer gefragt, an wen sie sich wenden würden, wollten sie etwas verändern. Als Auswahlmöglichkeiten gibt es „Lehrer“, „SMV-Vertreter“, „Jugendzentrum KOMM“ und „direkt bei der Stadt/Gemeinderat“.

Die Ergebnisse sind natürlich nicht repräsentativ, da wir nicht kontrollieren können, wer an den Umfragen teilnimmt.

Prinzipiell kann nämlich jeder die App nutzen. „Abzufragen, ob jemand wirklich ein Jugendlicher ist und in Bühl wohnt, wäre ein Mega-Aufwand gewesen“, ergänzt Noel. Die App in der jetzigen Form sei ein Kompromiss aus Daten- und Jugendschutz.

Überprüfen, wer da postet

„Wir wollten einen geschützten Raum schaffen, kein Raum für Hass und Hetze“, erklärt Petra Ewert, die bisherige Abteilungsleiterin Kultur-Schule-Sport. Deswegen müssen Anzeigen unter „Suche & Finde“ oder Vorschläge auf der „Ideenwand“ auch erst von Moderatoren freigeschaltet werden. „Wenn jemand beispielsweise einen Schwimmkurs anbietet, schauen wir natürlich erst einmal, wer dahintersteckt“, ergänzt Noel.

Unter "Locations" findet sich in der JuiB-App eine interaktive Karte, auf der "Ideenwand" können Jugendliche Vorschläge machen.
Unter „Locations“ findet sich in der JuiB-App eine interaktive Karte, auf der „Ideenwand“ können Jugendliche Vorschläge machen. | Foto: Screenshot

Die Beteiligten sind aber vom Ergebnis bereits jetzt „begeistert“. Svenja Steinborn vom Komm berichtet, dass die seit dieser Woche verfügbare App bei den ersten Jugendlichen bereits gute Resonanz erfahren habe. Nun hoffen die „Macher“ auf rasche und umfängliche Verbreitung – eine vierstellige Nutzerzahl wird angestrebt.

som

Wer sich selbst ein Bild von der App machen will, kann diese im Apple App Store oder – für Android-Geräte ab Version 4.4. – auf Google Play herunterladen. Zu finden ist „JuiB“ ganz einfach über die Suche. Die Anwendung ist kostenlos, rund zehn Megabyte groß und benötigt einen Zugriff auf den Geräte-Standort. Der ermöglicht das Suchen nach „angesagten Adressen“ auf einem Karten-Tool unter dem Menüpunkt „Locations“. Push-Nachrichten werden nur gesendet, sofern Nutzer das beim ersten Start der App erlauben.